KANDEL Auch ohne Unterschrift der Eltern glücklich verheiratet
Beide kannten sich bereits drei Jahre, doch geheiratet wurde erst mit 21 Jahren. Peter ersparte dies die Bundeswehr, und beiden die Unterschrift der Eltern, erinnert sich Margrit Kaibel vergnügt lächelnd, wohl wissend, dass mit ihrem „fleißigen Peter“ auch die Verwandtschaft einverstanden war.
Die beiden 81-Jährigen erfreuen sich guter Gesundheit „begleitet von kleinen Wehwehchen“ und strahlen zufrieden und glücklich. Dabei hatte Margrits Kindheit in Kandel keineswegs glücklich begonnen, sie war erst zwei Jahre, als ihre Mutter verstarb und ihr Vater im Krieg war. Margrits älterer Bruder Horst fand bei Familie Burgdörfer im Kandeler Forsthaus eine nette Pflegefamilie; wurde später Musiker und wanderte nach Brasilien aus. Für Margrit war Tante Frieda in Knielingen Familienersatz; und auch nach des Vaters Kriegsheimkehr blieben die Kinder in ihren Familien, während alle Beteiligten gute regelmäßige Kontakte zueinander pflegten.
In der „Rose“ die Liebe gefunden
Treffpunkt war oft das „Wirtshaus Rose“ in Karlsruhe, das zusammen mit einer Metzgerei von Tante Frieda betrieben wurde. Margrit unterstützte sie als Fleischereifachverkäuferin, und begegnete hier Peter Kaibel, der als junger Metzger nach seiner Ausbildung weitere berufliche Erfahrungen sammeln wollte. „Man war tagtäglich gut beschäftigt, denn wenn die Metzgerei schloss, ging es in der Gastwirtschaft richtig los“, erzählt das Ehepaar. Effizientes und harmonisches Zusammenarbeiten war wichtig. Und während Margrit dieser „nette Mann“ von Anfang an gut gefiel, schätzte Peter zunächst in dieser Zusammenarbeit Margrits Fleiß, ihre Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit, „bis sich die Liebe hinzugesellte“.
Diese erfolgreiche harmonische Konstellation hat das 60-jährige Zusammenleben und –arbeiten des Ehepaares geprägt. Als Peter später als Küchenleiter zur MiRO, Mineralölraffinerie Oberrhein wechselte und 35 Jahre lang täglich 350 kraftvoll-schmackhafte Mittagessen herstellte, leitete Margrit Kaibel parallel über 20 Jahre die Cafeteria des Unternehmens. Und nach Eintritt in den Ruhestand wurde Peter zuhause „Küchenleiter“, wobei er trotz aller raffinierten Rezepte weiterhin einfache Gerichte wie Linsen mit Spätzle und Würste als sein Lieblingsessen bezeichnet.
Seit 55 Jahren in Kandel sessheft
„Und in Kandel sind wir nun genau 55 Jahre und fühlen uns hier sehr wohl“, berichten die Kaibels, auch wenn die ersten Jahre schwierig waren. Mit viel Eigenleistung wurde in der Saarstraße ein großes Haus gebaut, und „man kannte noch nicht viele Leute“. Das änderte sich mit Peters Eintritt in den Gesangverein „Frohsinn“, das Singen machte viel Spaß und der aus dem Kreis Tauberbischofsheim - dem „Badisch-Sibirien“ - zugewanderte Badener war schnell in die frohe Gemeinschaft aufgenommen.
Auch jetzt im Alter kommen Langeweile und Nichtstun bei Ehepaar Kaibel nicht vor, der Erhalt ihrer Fitness ist beiden wichtig, „und Schaffe ist mein Hobby“, lacht der Hausherr, der ein riesiges Grundstück von 25 Ar mit Obst, Gemüse und vielen Blumen bewirtschaftet. Ihre Reiselust führte sie in viele Länder Europas und mehrmals nach Brasilien zu Margrits ausgewandertem Bruder Horst.
Neben ihren beiden Kindern Harry und Nicole sind auch oft ihre sechs Enkelkinder – von 16 bis 30 Jahre - zu Besuch. Mit diesen Angehörigen wird auch heute die Diamanthochzeit im kleinen Kreis gefeiert werden, denn Corona-bedingt kann es leider nicht das große geplante Fest geben.