Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Auch im Bienwald ist in der Corona-Pandemie alles anders

Auffällig sind die Rodungen entlang der L549 zwischen Kandel und dem Kreisel Jockgrim/Hatzenbühl.
Auffällig sind die Rodungen entlang der L549 zwischen Kandel und dem Kreisel Jockgrim/Hatzenbühl.

Was Leser ärgert: Im Moment sind viele Waldarbeiten zu beobachten, obwohl von März bis September ein Schnittverbot gilt. Das Forstamt verweist auf die Beseitigung von Sturmschäden. Außerdem macht sich die Corona-Pandemie auch im Wald bemerkbar.

In einer Mail an die RHEINPFALZ ärgert sich eine Leserin über die derzeitigen Arbeiten in den Wäldern. „Euer Handeln und eure Entscheidungen sind unverantwortlich!“, schreibt sie und fragt sich, ob das Bundesnaturschutzgesetz in der Pfalz nicht gültig sei. Sie benennt konkret die Arbeiten zwischen Kandel und Jockgrim sowie zwischen Langenberg und Schaidt.

Dazu verweist die Leserin auf das Bundesnaturschutzgesetz, das ein Schnittverbot von Anfang März bis Ende September regelt. Des Gesetzes ist man sich beim Forstamt Bienwald, das für die derzeitigen Maßnahmen zuständig ist, bewusst. Aber: „Das Schnittverbot gilt für Hecken, Gehölze und Bäume außerhalb der Wälder. Trotzdem sind wir bemüht, die Fällarbeiten im Frühjahr abzuschließen, doch wir haben in diesem Jahr eine angespannte Situation“, erklärt Forstamtsleiterin Astrid Berens.

Es geht um die Sicherheit

Denn tatsächlich laufen seit einer Weile umfangreiche Arbeiten, unter anderem zwischen Kandel und Jockgrim, entlang der Straßen. Sogar eine Behelfsampel regelt dort zeitweise den Verkehr, damit die Forstwirte ihrer Tätigkeit in Sicherheit nachgehen können. „Nach zwei sehr trockenen Jahren ist auch im Jahr 2020 im Bienwald neben der Fichte und Kiefer vor allem die Buche stark von Absterbeerscheinungen betroffen“, so Berens auf RHEINPFALZ-Nachfrage.

Ausbleibende Niederschläge, Wurzelfraß durch Maikäferengerlinge sowie Pilzerkrankungen setzen die Bäume zusätzlich unter Stress. Da vor allem die trockenen Kiefern und Buchen unverhofft abbrechen, stellen sie eine Gefahr für alle da, die im Wald unterwegs sind. „Deshalb müssen wir derzeit die Arbeiten durchführen, um die Sicherheit für die Straßennutzer herzustellen“, sagt Berens.

Erst Sturm Sabine, dann Coronavirus

Die Maßnahmen sind in diesem Frühjahr sehr viel umfangreicher als in den Jahren zuvor. Dazu kommt, dass mehrere Windwurfereignisse die bisherigen Arbeiten verzögerten. Wie lange die Forstleute noch in den Wäldern arbeiten, lässt sich nicht abschätzen. Denn auch die Forstwirtschaft spürt die Auswirkungen von Corona – und zwar in Form von Personalmangel. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben besteht darin, Gefahren zu beseitigen. Wir versuchen dabei die entsprechenden Eingriffe so gering wie möglich zu halten“, bekräftigt die Forstamtsleiterin.

Und auch auf dem globalen Holzmarkt seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar. Im Bienwald setzt man überwiegend auf eine Naturverjüngung. Dazu werden die natürlichen Samen der Altbäume für die Begründung einer neuen Waldgeneration genutzt. Astrid Berens ermuntert Menschen, die Fragen zu Arbeiten im Wald oder zum Wald generell haben, sich direkt an das Forstamt in Kandel oder an den örtlichen Revierleiter zu wenden.

Der Waldbesuch im Frühjahr 2020

Das Forstamt macht darauf aufmerksam, dass derzeit noch trockene Bäume im Wald stehen. Deren Entfernung ist eine Daueraufgabe und gewisse Risiken bleiben. Deshalb sollen Spaziergänger besonders aufmerksam sein. Ein Aufenthalt unter Bäumen mit abgestorbenen Ästen oder mit starkem Pilzbefall soll vermieden werden und man soll möglichst auf den Waldwegen bleiben. Durch die Sicherungsarbeiten kann es immer wieder zu Behinderungen, wie abgesperrte Wege, kommen. Dafür bittet das Forstamt um Verständnis, Umleitungen werden eingerichtet.

Und auch im Wald gilt in dieser Zeit: Abstand halten und nicht in größeren Gruppen unterwegs sein!

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