Kreis Germersheim Apps stehlen Marken die Schau

Bernhard Jantzer mit seinem Enkel Jakob Reiß beim Briefmarkentauschtag in Kandel.
Bernhard Jantzer mit seinem Enkel Jakob Reiß beim Briefmarkentauschtag in Kandel.

Ein Sonntag im Spätherbst. Ort: Bienwaldhalle Kandel. Vom Parkplatz strömen in den Vormittagsstunden viele Menschen, auch ganze Familien mit Kindern und Jugendlichen, in die Halle. Gleich zwei Veranstaltungen locken Besucher. In der Bienwaldhalle sind rund 80 Tische belegt mit Briefmarken, Münzen und Ansichtskarten. Der Verein der Briefmarkenfreunde hat zum Großtauschtag eingeladen. Gegenüber findet eine Sportveranstaltung statt. Und die zieht die allermeisten Besucher an.

Das Interesse an der Philatelie hat merklich nachgelassen, vor allem bei den Jugendlichen. Hatte in den 50-er oder 60-er Jahren noch fast jeder Junge seine eigene Briefmarkensammlung, so findet man das heute nur noch selten. Der eine oder andere kommt schon mal vorbei, so Vorsitzender Hans Hagenbucher vom Verein der Briefmarkenfreunde Kandel und Umgebung. Und das nicht nur zu den Großtauschtagen, die jedes Jahr stattfinden. Der Verein lädt in der Regel monatlich zu einem Tauschtag im Bürgerhaus Minderslachen ein. Und auch da lässt sich der eine oder andere sehen. Doch besonders „in“ ist es heute scheinbar nicht mehr, Briefmarken zu sammeln. Die Zeit hat sich gewandelt, Jugendliche haben heute ein ganz anderes Freizeitangebot, können unter vielen Hobbys wählen. So treffen sich in der Bienwaldhalle vor allem Sammler , die nicht mehr ganz so jung sind, um es vorsichtig auszudrücken. Aber auch ein Schüler ist gekommen, gerade 14 Jahre alt. Er sammelt seit gut einem Jahr. Aufmerksam gemacht wurde er von seinem Opa, selbst seit Jahren leidenschaftlicher Philatelist, der ihm auch zwei Alben überließ und ihn ermunterte, die Sammlungen durch passende Stücke zu ergänzen. Damit bildet der Jung-Sammler aber eine Ausnahme und er ist sich auch nicht ganz so sicher, wie dieses Hobby bei seinen Alterskameraden ankommt. Über das neueste Smartphone oder die interessantesten Apps wird in dieser Altersgruppe sicherlich mehr kommuniziert als über interessante Briefmarkenmotive. Und in der WhatsApp-Gruppe tauscht man sich wohl häufiger zu anderen Themen aus. Auch andere Jugendliche kommen hin und wieder mit, so Vorsitzender Hagenbucher, doch diese hätten weitere Hobbys, etwa im sportlichen Bereich, und so sei die Bindung an die „Briefmarkenfreunde“ noch recht locker. Wer sich mit Briefmarken beschäftige, der lerne einfach dazu. Es gelte ja, die Motive einzuordnen in die jeweilige Zeit, und da müsse man etwas über geschichtliche Zusammenhänge wissen, meint Hagenbucher. Als Geldanlage könne man das Hobby heute eher nicht mehr sehen, denn die Preise seien zwischenzeitlich am Boden. Mit den Ergebnissen des herbstlichen Großtauschtages sei man insgesamt aber dennoch zufrieden, fasst Hagenbucher seine Gespräche mit den Sammlern zusammen. Deren Leidenschaft ist ungebrochen. Aber wenn man in die Zukunft blicke, dann müsse man schon Sorgen haben. Da geht es den Briefmarkensammlern nicht anders als anderen Vereinen, die all überall Ausschau nach Nachwuchs halten.

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