WÖRTH
Apotheken-Engpässe: Wenn Fieberzäpfchen knapp werden
„Derzeitige Lieferengpässe fordern oft individuelle Lösungen, um die Versorgung sicherzustellen“, sagt Apotheker Oliver Köhler aus Wörth im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Dieses Problem gab es zwar immer wieder einmal, aber nicht in diesem Ausmaß. Es ist im Laufe des vergangenen Jahres schleichend immer mehr geworden und im letzten Halbjahr rasant angestiegen“, stellt der 42-jährige Vater zweier Kinder fest.
Eine Herausforderung nach der anderen
Auf die Apotheken seien nacheinander viele Herausforderungen zugekommen, erinnert er sich. „Zunächst überraschte uns die Pandemie mit fehlenden Desinfektionsmitteln sowie mit der schwierigen und zuerst sehr teuren Maskenbeschaffung und deren Verteilung und den Tests. Aktuell haben wir eine schlechte Lieferfähigkeit im Bereich der Medikamente“, beklagt Köhler. Als Grund nennt er unter anderem die Lieferkette und den Kostendruck – auch durch Rabattverträge. „Die Krankenkassen schreiben die Medikamente aus und geben dem günstigsten Anbieter den Zuschlag.“ Hersteller ohne Zuschlag stellten dann häufig aus wirtschaftlichen Gründen die Produktion ein. Viele Wirkstoffe werden von wenigen Unternehmen im Ausland produziert, was eine große Abhängigkeit bedeutet. Diese Ausfälle durch Hersteller seien oft schlecht zu kompensieren.
Köhler zählt auf, dass vor allem Medikamente für Kinder wie Fieberzäpfchen und –säfte mit Ibuprofen und Paracetamol betroffen sind. Unter anderem aber auch: Antibiotika, Blutdruckmittel, Psychopharmaka, Magensäureblocker oder Schilddrüsen-Medikamente. „Für die Patienten ist es aber wichtig, dass ein Lieferengpass nicht immer auch gleich einen Versorgungsengpass bedeutet“, betont er. „Wir nehmen häufig dann mit dem Arzt Rücksprache, um auf andere Firmen oder Packungsgrößen auszuweichen, öfters auch oft andere Wirkstoffe“, tröstet der Apotheker ein wenig. „Gemeinsam mit dem Patienten und dem Arzt suchen wir individuelle Lösungen.“
Schon seit 40 Jahren in Wörth
In der Familie hat man seit Jahrzehnten Erfahrung in der Branche. Sein Vater Klaus Köhler eröffnete Ende 1982 die „Zügel-Apotheke“ in der Ottstraße und wurde bei der Arbeit von seiner Ehefrau unterstützt. Namensgeber war der Maler Heinrich von Zügel (1850 bis 1941), der in Wörth eine Malerschule gründete und zum Ehrenbürger ernannt wurde. Den Apothekennamen gebe es in Deutschland kein zweites Mal, sagt Köhler.
Sohn Oliver arbeitete nach dem Abschluss seines Studiums eine Zeitlang mit seinem Vater zusammen, ehe 2007 der Familienbetrieb an ihn ging. Inzwischen hat er 2017 eine Filiale in Grünwettersbach und 2020 die Apotheke an der Passage in Kandel übernommen. Insgesamt beschäftigt sein Unternehmen momentan 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Mit Lieferservice und App
Bei ihm schätzen seine Kunden auch den Lieferservice. Zudem hat er eine App namens „Koehler-Apotheken“ zur Vorbestellung von Arzneimitteln per Fotofunktion mit Chat-Funktion direkt in die Apotheke eingerichtet. „Man muss mit der Zeit gehen. Die Digitalisierung schreitet voran“, sagt er. In allen drei Apotheken wird seit 2022 auch die eigene Kosmetik-Linie „Nina“ vertrieben.
Trotz der derzeitigen Lieferengpässe und steigendem Beratungsbedarf zu den verfügbaren Medikamenten sieht Köhler positiv in die Zukunft. „Das kann kein Dauerzustand bleiben. Ich hoffe auf die Politik, dass die Sparzwänge reduziert und die Abhängigkeit vom Ausland geringer wird und auch in der EU und in Deutschland wieder mehr produziert wird.“