Kreis Germersheim
Angst vor Corona legt Lkw-Werk in Wörth lahm
Das Mercedes-Benz-Lastwagenwerk Wörth wird in der kommenden Woche wegen der Corona-Epidemie seine Produktion stilllegen. Das sagte Ralf Köhler, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, am Dienstagnachmittag der RHEINPFALZ. Es habe am Dienstag eine „erhebliche Unruhe“ unter der Belegschaft gegeben, so Köhler.
Hintergrund waren die unterschiedlichen Regelungen für die einzelnen Abteilungen: Kollegen aus dem Elsass waren vom Daimler-Konzern gebeten worden, zuhause zu bleiben. Denn die Region Grand-Est wurde inzwischen wegen der hohen Anzahl an Infektionen mit dem Coronavirus vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt. Die Auszubildenden waren inzwischen freigestellt. Außerdem durfte schon „wer kann“, so Köhler, im Homeoffice arbeiten. Die verbleibende Mannschaft in der Produktion habe sich deshalb hinsichtlich des Infektionsschutzes wie Mitarbeiter zweiter Klasse gefühlt, sagt Köhler.
Es habe Vorwürfe an die Adresse des Konzerns gegeben. „Die Stimmung war kurz davor, dass Leute das Werkzeug aus der Hand werfen wollten“, sagt Köhler. Auch über die sozialen Medien sei viel verbreitet worden. Nun werde in Absprache mit der Konzernleitung alles darauf vorbereitet, die Produktion herunterzufahren. Im Jahr 2019 waren noch 85.000 Lastwagen vom Band gerollt. Nun soll die Produktion im weltweit größten Lkw-Werk Anfang kommender Woche stillstehen. In Wörth besteht die Stammbelegschaft aus zirka 10.300 Mitarbeitern.
Konzern will Kurzarbeitergeld aufstocken
Vor dem Eintritt in die Kurzarbeit soll es noch eine Übergangsphase geben, kündigte Köhler an. Dabei gehe es zum Beispiel um den Abbau von Resturlaub. Ein weiteres Thema sei die Höhe der Aufstockung auf das Kurzarbeitergeld, die der Konzern gewähren will, derzeit sei von einer Aufstockung auf 80 bis 90 Prozent des regulären Gehalts die Rede.
Der Daimler-Konzern hatte am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung angekündigt, „den Großteil seiner Produktion sowie die Arbeit in ausgewählten Verwaltungsbereichen in Europa für zunächst zwei Wochen zu unterbrechen.“ Die Unterbrechung betreffe „europäische Pkw-, Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke des Unternehmens“ und beginne in dieser Woche. Eine Verlängerung dieser Maßnahmen hänge von der weiteren Entwicklung ab, teilte der Konzern mit.
Auch bei anderen Automobilkonzernen hatten sich Mitarbeiter in der Produktion beschwert. So hatte zum Beispiel bei VW der Betriebsrat Druck gemacht, weil sich ebenfalls die Belegschaft in der Produktion aus Sorge um ihre Gesundheit beschwerte. Inzwischen steht auch bei VW die Produktion still.