Kreis Germersheim Angler reißen ihr Heim ab

Stück für Stück wird aus dem Anglerheim wieder ein Container.
Stück für Stück wird aus dem Anglerheim wieder ein Container.

Die Angler des ASV Kandel reißen seit einigen Tagen ihr Anglerheim ein. Das ist ein bitterer Moment für den Verein. Überraschend kommt er jedoch nicht: Das Verwaltungsgericht in Neustadt hatte Anfang 2016 entschieden, dass die Angler ihr Anglerheim, das aus einem umgebauten Container besteht, zurückbauen müssen. Vorausgegangen war ein Rechtsstreit zwischen den Anglern und einer Anwohnerin, der zunächst vor dem Kreisrechtsausschuss gelandet war. Ein Problem: Die Anwohnerin hatte sich von singenden Anglern gestört gefühlt und baurechtliche Bedenken vorgebracht, die von einigen Anglern mit persönlichen Angriffen quittiert wurden. Auch hatte sich der gut angenommene Gastronomiebereich zur Lärmbelastung für das benachbarte Wohngebiet entwickelt. Der Kreisrechtsauschuss hatte im Frühjahr 2015 kein Problem gesehen, das Verwaltungsgericht Anfang 2016 hingegen schon: Das Urteil sparte nicht mit Kritik an der Kreisverwaltung, die trotz des bekannten Konflikts nicht dafür gesorgt habe, dass mit klaren Vorgaben in der Baugenehmigung das Gebot der Rücksichtnahme eingehalten wurde. Am 26. April hatte der Verein dann die Nutzungsuntersagungs- und Beseitigungsverfügung in der Post. Diese besagt, dass der Container nicht mehr als Aufenthaltsraum genutzt werden darf. Außerdem muss das Anglerheim samt WC-Container bis 30. September vollständig zurückgebaut werden. Damit haben die Angler seit einigen Tagen begonnen, am Wochenende geht es weiter. Man sei schon wehmütig, sagt Vorstandsmitglied Michael Jung, Kandel, gegenüber der RHEINPFALZ. „Wir hatten da schöne Stunden und ein tolles Vereinsleben.“ Jung hat zusammen mit zwei Vorstandskollegen 2014 die Führung des Vereins übernommen. Wie schon nach dem Urteil 2016 versucht er zu vermitteln. Man könne niemanden die Schuld geben, betont er. Seinen persönliche Meinung: Wichtige rechtliche Schritte wie die Umwidmung des Gerätecontainers seien früher versäumt worden. Um das Vereinsheim zu retten, hatte der ASV damals seine singenden Mitglieder gebeten, sich woanders zu treffen. Hier gebe es keinen Kontakt mehr, „die Vorstandschaft weiß nicht, ob sie überhaupt noch singen.“ Jung hat vielmehr die Angler im Blick und ist dankbar, dass engagierte Mitglieder beim Rückbau des Anglerheims helfen. „Da weiß keiner, wie und ob es weitergeht.“ Im Moment habe man keinen Treffpunkt mehr. Man werde versuchen, den Verein am Leben zu erhalten. Der Jahresbeitrag für die aktiven Angler müsse vielleicht erhöht werden, kündigt Jung an. Bis Ende 2017 soll auch feststehen, was aus dem beliebten Karfreitagsfischessen am Weiher wird. Der Verein werde einige Sachen in einem Container unterbringen und einen Raum anmieten für Materialien, die man nur zwei bis drei Mal im Jahr braucht. „Der Verein steht finanziell noch gut da“, betont Jung, auch wenn der ASV durch die verschiedenen Prozesse und die Bauanträge enorm hohe Kosten hatte. Im Herbst gibt es Gespräche mit der Stadt Kandel über ein Vereinsheim im Wald, in der Badallee. Kein besonders verlockendes Angebot, lautet Jungs Einschätzung: „Ich weiß nicht, ob ein Vereinsheim wieder den Charme hätte, wenn es nicht am Wasser ist. Ist mitten im Wald das gleiche? Ein Angler gehört ans Wasser!“ Von der aktuellen Vorstandschaft sei keiner bereit, die Schuld aufzunehmen. Ein weiterer Punkt: „Wir stehen voll im Beruf“, es sei niemand da, um die Bewirtung zu übernehmen. Jung steckt die Ziele viel niedriger: Wasserpflege und Fischbesatz, Aktivitäten für die Jugend und Feste seien dank der stabilen Finanzlage weiter möglich, zählt er auf. „Es geht nun darum, alles so aufrecht zu erhalten, dass jeder angeln kann“, lautet sein Fazit. „Dann haben wir das gut hinbekommen.“

x