Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Als „Lange Straße“ vom Germersheimer Militär angelegt

Protrait des Generalleutnants Karl Ritter von Orff: Nach ihm wurde zunächst das in der Zollerkaserne untergebrachte 17. Königlic
Protrait des Generalleutnants Karl Ritter von Orff: Nach ihm wurde zunächst das in der Zollerkaserne untergebrachte 17. Königlich-bayerische Infanterie-Regiment "Orff" benannt und später auch die "Orffstraße", die zunächst "Lange Straße" geheißen hatte (Abbildung aus: Richard Brend"amour, Krieg und Sieg 1870-71).

Im Juli 2019 wurde die Orffstraße nach umfangreichen Baumaßnahmen und der Ertüchtigung von Versorgungs- und Entsorgungsleitungen und -kanälen wieder dem Verkehr übergeben. In der Geschichte der Straße, die mit dem Ausbau Germersheims zur Festungsstadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts erst entstand, war dies die bislang größte Umgestaltung.Alte Pläne belegen es: Wo heute die Orffstraße hinzieht, existierten bis in die 1830er Jahre nur Wiesen und Felder vor den Toren der damaligen Stadt. Dies änderte sich allerdings schnell, als die Militär-Ingenieure des Büros von Friedrich Ritter von Schmauß, den König Ludwig I. von Bayern mit der Planung der künftigen Festung beauftragt hatte, den Ausbau von Germersheim in den Blick nahmen. Das vormalige Stadtgefüge, das sich über Jahrhunderte kaum verändert hatte, erhielt nicht nur eine massive Umwallung, sondern auch eine für damalige Verhältnisse großflächige Erweiterung im Innern, die sowohl Militär- als auch Zivilgebäuden Platz bot und im Gegensatz zu den meist krummen Gassen der damaligen Altstadt rechtwinklig angelegt war.

Neuen Stadtteil ausgebaut

Der Ausbau dieses neuen Stadtteils ging mit der Anlage der Festungsbauten einher, so dass die neu entstandenen Straßenzüge, zu denen auch die Orffstraße zählte, in den 1850er Jahren weitgehend erschlossen und mit überwiegend zivilen Bürgerhäusern gesäumt waren. In ihren ersten Jahren trug die Orffstraße allerdings noch nicht diesen heute bekannten Namen, sondern begegnet in alten Karten als die „Lange Straße“.

Die große „Zollerkaserne“, die sich etwa an der Stelle der heutigen Berufsbildenden Schule befand, entstand erst 1867/68 und erhielt ihren Namen nach dem vormaligen bayerischen Generalleutnant Oskar Freiherr von Zoller.

Ihr östlicher Flügel wurde 1876, der westliche Flügel gar erst 1896 fertig gestellt. In dieser Kaserne war von 1878 an bis zum Ende des Ersten Weltkriegs das 17. Bayerische Infanterie-Regiment „Orff“ beheimatet, nach dessen „Inhaber“, Generalleutnant Karl von Orff (1817-1895) benannt. Die vormalige „Lange Straße“ erhielt erst am Ende des 19. Jahrhunderts ihren heute gebräuchlichen Namen.

Bei Kriegsende Ruine

Nach dem Ersten Weltkrieg nutzten französische Besatzungstruppen die Zollerkaserne, in der während des 2. Weltkriegs Einheiten der Wehrmacht untergebracht waren. Bei Kriegsende 1945 war die Kaserne nur noch eine Ruine, die mit dem Bau der Kreis-Berufsschule in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre abgetragen wurde.

Mit der Fertigstellung der Berufsschule im Jahr 1959 und den sich in den folgenden Jahrzehnten anschließenden Erweiterungsbauten veränderte sich diese Seite der Orffstraße, während die Wohnhäuser der gegenüberliegenden, zur Innenstadt gewandten Straßenseite in weiten Teilen bis heute noch das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses während des Festungsbaus entstandenen Straßenzugs erkennen lassen.

Ein Teilstück der Orffstraße als Motiv einer Ansichtskarte im Jahr 1915: Rechts im Bild das damalige Heumagazin, dahinter der we
Ein Teilstück der Orffstraße als Motiv einer Ansichtskarte im Jahr 1915: Rechts im Bild das damalige Heumagazin, dahinter der westliche Flügel der Zollerkaserne, am Ende der Straße ist das Festungslazarett mit dem erst in den 1960er Jahren abgetragenen Uhrturm über dem Haupteingang erkennbar.
x