Kreis Germersheim „Allemal besser, als nur zu meckern“

Joachim Paul im Gespräch.
Joachim Paul im Gespräch.

Die Menschen müssen die Hürde des Meckerns und Schimpfens auf „die da oben“ überspringen und sich fragen, „Was kann ich eigentlich tun, damit sich was ändert?“ Das könnte der Einstieg in die Kommunalpolitik sein, sinniert Kreistagsmitglied Joachim Paul aus Wörth über Möglichkeiten, vor allem junge Menschen zu politischen Engagement zu bewegen. Der Einstieg sei dabei gar nicht so schwer, sagt Paul. Die Veranstaltungen nahezu aller Parteien, egal ob Fraktionssitzung oder Mitgliederversammlung, seien mehr oder weniger öffentlich. „Bei der SPD, in der ich aktiv bin, ist das jedenfalls so“, macht Paul doch noch Reklame für seine Partei. Er weist aber gleich darauf hin, dass Parteimitgliedschaft nicht zwingend notwendig ist, um mitzumischen. „Auf fast allen Listen für die kommende Kommunalwahl stehen parteilose Kandidaten“, belegt der pensionierte Schulleiter seine Aussage. Jetzt sei der Kreistag, dem Paul jahrzehntelang für seine Partei als Politiker mit dem Schwerpunkt Schulen und Bildung angehörte, nicht unbedingt das beste Vehikel, um in die Kommunalpolitik einzusteigen. „Dort gilt es viele Dinge zu berücksichtigen, weil man die Interessen aller Gemeinden im Kreis unter einen Hut bringen muss“, beschreibt Paul die Aufgabe. Das sei gar nicht so leicht, weil oft jeder Bürgermeister andere Vorstellungen hat. „Es hat manchmal auch gekracht“, erinnert sich Paul an heftige Debatten. „Aber insgesamt war es eine schöne und für mich auch gewinnbringende Zeit.“ Aufwand ja, Langeweile nein Gewinnbringend bezieht sich weniger auf Geldverdienen, vielmehr auf Erkenntnis und Zufriedenheit. Doch Geld gibt’s auch. Das Sitzungsgeld für Kreistags- und Ausschusssitzungen reiche aber lange nicht, um den Aufwand zu bezahlen. „Es sind ja nicht nur die vier oder fünf Kreistags- und ein paar Ausschusssitzungen im Jahr“, sagt Paul. „Man muss sich ja vorbereiten und in Themen einarbeiten. “ Ja, räumt der Familienvater ein, es kostet auch Zeit und man braucht Verständnis und Rückhalt von Partner und Familie. Politik sei halt keine Veranstaltung, sondern eine langfristige Angelegenheit. Aus diesem Aufwand könne man aber auch privat Nutzen ziehen. Für ihn als Lehrer sei es in der Tat lehr- und hilfreich gewesen, sich mit der Schulpolitik im Landkreis auseinanderzusetzen. Im Bauausschuss seien deshalb auch Baufachleute oder im Jugendhilfeausschuss Sozialpädagogen. Auch Naturschutzfachleute, Banker, Unternehmer engagieren sich. „Ohne Fachwissen ist die Politik aufgeschmissen“, sagt Paul. Das sei gerade im kommunalen Bereich wichtiger als Parteiideologie. Themen, mit denen sich der Kreistag befasst, sind zum Beispiel Schul- und Sporthallenbauten, Sozialhilfe, Hilfe für Flüchtlinge, Kindertagesstätten, Katastrophenschutz, Schulsozialarbeit, Jugendarbeit oder Naturschutz. „Alle diese Kreisthemen haben ihren Ursprung und ihre Auswirkungen in den Gemeinden“, kommt Paul wieder auf den Ausgangspunkt zurück: Wie kann man sich politisch engagieren? Für ihn ist es deshalb logisch, an der Basis anzufangen. Einfluss fängt schon unten an „In den Ortsbeiräten oder Ortsgemeinderäten und ihren Ausschüssen sind neugierige junge Leute willkommen“, ist sich Paul sicher. Und in Fraktionssitzungen dürfen sie oft auch schon mitdiskutieren, egal, ob Parteimitglied oder nicht. Damit beginne der Weg der eigenen Meinung in den politischen Gestaltungsprozess. Paul: „Das ist doch besser, als zu meckern und nichts zu tun!“

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