Leserärger
„Abzocke“ im Ausflugslokal
„Das ist Wucher! Da versuchen Wirte, das schnelle Geld zu machen“, sagt Laveuve – und spricht gar von „Abzocke“, wenn sie an die Getränkepreise denkt: Auf einer sonntäglichen Radtour durch die Südpfalz sei sie bei den Naturfreunden in Kandel eingekehrt. Hier habe sie sich – wie nicht unüblich, schon gar nicht in Corona-Zeiten – selbst bedient, also sich zum Bestellen angestellt, ihre Speisen und Getränke auf Zuruf geholt und es sich schmecken lassen.
So weit, so gut – doch „als wir fertig gewesen sind, habe ich mir vergegenwärtigt, wie viel ich bezahlt habe, und bin geschockt: 4,10 Euro für 0,5 Liter Spezi, 3,50 Euro für 0,4 Liter Radler und ein Euro mehr als sonst für das Essen!“, so Laveuve, die „mit dem Chef“ habe sprechen wollen. „Er ist nicht da gewesen. Daher habe ich einen Mitarbeiter gefragt, ob die unverschämt hohe Rechnung stimmt ... Die Antwort: Ja, aber sie könne Wasser trinken. Das sei günstiger.“ Laveuves Konsequenz: „Dieses Haus werden wir meiden. So kann man bei den kleinen Leuten coronabedingte Umsatzausfälle nicht wieder reinholen!“
So kommen die Getränkepreise zustande
Nur – die Tour ist noch nicht zu Ende, der Durst noch nicht gestillt gewesen, was Laveuve und Co in den neuen Biergarten von Patrick Barth auf der Germersheimer Rheinwiese geführt hat. Hier koste die Weinschorle 4,50 Euro, das Bier sei auch nicht gerade billig – „und wieder Selbstbedienung“, sagt Laveuve. „Das kann doch wohl nicht sein! Das ist unser erster und letzter Besuch gewesen; andere Biergärten sind günstiger – fahren wir eben dorthin... In Corona-Zeiten hat jeder weniger Geld in der Tasche, und ich bin durchaus der Meinung, dass wir die besonders gebeutelte Gastronomie unterstützen sollen. Aber diese Preise sind eine Frechheit.“
Wie sie zustande kommen, erklärt Barth, der Laveuves Ärger nicht nachvollziehen kann – zumal er seine Preise dem Germersheimer Markt angepasst habe: „Hier wird normalerweise Bellheimer Bier – 0,4 Liter – zwischen 3,50 und 4 Euro angeboten. Dagegen schenken wir das im Einkauf teurere Eichbaum-Bier aus – 0,5 Liter für 4,50 Euro.“ Ähnlich verhalte es sich mit dem Wein, so Barth: „Wir bieten hochwertige Tropfen, die im Einkauf etwas teurer sind, an; diese Weine des Forster Winzervereins sind extraklasse. Wir verkaufen nichts Zweitklassiges. Und unsere Weinschorle ist eine Pfälzer Schorle, also gut eingeschenkt. Daher finde ich den Vorwurf, Abzocke zu betreiben, unverständlich – schade ...“
Davon abgesehen gefällt ihm der neue Standort gut – und wohl auch den meisten seiner Gäste: „Ich bin gut aufgenommen worden. Meine Sitzplätze sind gut belegt, was darauf hindeutet, dass die Germersheimer zufrieden sind; dass sie auf ihre Getränke warten müssen, kommt so gut wie nie vor, weil ich eher zu viele als zu wenige Mitarbeiter im Ausschank einsetze, um in Corona-Zeiten lange Schlangen zu vermeiden. Aber man kann es nie allen recht machen“, sagt Barth, der auch im Speyerer Domgarten einen Biergarten betreibt. Zum Vergleich: Dort – beispielsweise im Mühlenstadel – zahlen die Gäste 4,50 Euro für 0,5 Liter Riesling- oder Weißherbstschorle; im Alten Hammer kostet die Rieslingschorle 4,20 Euro, bei Rentschlers 4,80 Euro – wobei es in diesen Gaststätten keine Selbstbedienung gibt. Und in der Germersheimer Gaststätte Rhenania liegt die Schorle bei 3,80 Euro. Doch es geht auch sehr viel teurer: Im Ludwigshafener Restaurant Die Zeder sind 6,90 Euro zu berappen.
Zurück nach Kandel: Auch die RHEINPFALZ hat nicht „mit dem Chef“ gesprochen; Peter Bolze, der Pächter des Naturfreundehauses, ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.