Kandel / Rülzheim
Abstand zur EU bereitet DBK Sorgen
Das Jahr 2020 begann in Rülzheim mit dem Coronavirus. Innerhalb der DBK-Gruppe war die Pandemie schon ab Januar Thema – wegen des chinesischen Werkes, das in der Nähe von Shanghai angesiedelt ist. „Wir waren schon früh damit konfrontiert, das war ein Vorteil“, sagt Geschäftsführer Ralph Hock rückblickend. Bereits im Februar habe man mit Arbeitnehmervertretern über das Thema Kurzarbeit gesprochen. Gleichzeitig wurde Ausstattung bestellt, Hygienemaßnahmen wurden umgesetzt. Dann waren nach und nach die Standorte in Europa betroffen. Inzwischen ist die Welle in die USA geschwappt, dort musste zuletzt ein Büro in South Carolina geräumt werden
Aufgrund von Verdachtsfällen stand das Werk in Wissembourg kurzzeitig still. Ansonsten habe die Schließung der deutsch-französischen Grenze wegen der vielen Grenzgänger – also Mitarbeitern, die aus dem Elsass in die Südpfalz zur Arbeit pendeln – zwar einen hohen organisatorischen Aufwand dargestellt, „aber wir hatten keinen Nachteil in der Versorgung“. Dabei wurde auch auf das mobile Arbeiten gesetzt.
Mit organisatorischen Maßnahmen sorgt man derzeit für Abstand, auch Plexiglasscheiben kommen zum Einsatz, sagt Geschäftsführer Andreas Stratmann. Wegen der Belastung der Mitarbeiter bei sommerlichen Temperaturen kämen die Faceshields, also die Plastikschilde, nur im Ausnahmefall zum Einsatz.
Drei Monate Kurzarbeit angemeldet
Der Lockdown hinterließ Spuren. Als im März nach und nach die Automobilhersteller wegen der Pandemie ihre Produktion einstellten, war davon auch DBK unmittelbar betroffen. Die Zulieferung von Heizelementen für die Autoindustrie stellt ein wichtiges Geschäftsfeld dar. Entsprechend wurde zum 1. April in einzelnen Bereichen zu 100 Prozent Kurzarbeit angemeldet. Im Schnitt war die Hälfte der Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen, dann wurde der Betrieb sukzessive wieder hochgefahren. Im Mai waren noch etwa 25 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, im Juni 10 Prozent. Für den Juli hat die DBK-Gruppe laut Hock keine Kurzarbeit mehr angemeldet. Aber mit diesem Instrument habe man betriebsbedingte Kündigungen am Standort Rülzheim verhindern können, sagt der Geschäftsführer.
Weiter nicht im Betrieb sind die Zeitarbeitnehmer, von denen in Hochzeiten bis zu 30 in Rülzheim arbeiten. Weltweit hatte die DBK-Gruppe zum 31. Dezember 2019 insgesamt 719 Mitarbeiter, davon 226 bei der Muttergesellschaft in Rülzheim und 219 bei der Tochterfirma DBK EMS. Das Ausbildungsjahr wird trotz Pandemie im August und September starten, dann kommen vier Azubis in den klassischen Lehrberufen, sowie drei duale Studenten.
Langsam gibt es wieder eine erhöhte Nachfrage bei einzelnen Kundensegmenten, zum Beispiel im medizinischen Bereich. Dieser Einsatz in unterschiedlichen Geschäftsfeldern habe das Unternehmen auch in der Krise abgefedert, sagen Hock und Stratmann.
Umsatz 2020 sinkt wohl nur leicht
2019 betrug der Umsatz der DBK-Gruppe 107 Millionen Euro. Für 2020 gehen die beiden Geschäftsführer davon aus, dass trotz der Corona-Krise noch 100 Millionen Euro überschritten werden können. Für 2021 sind sie zuversichtlich, im Bereich Automotive und Elektronik an das Niveau von 2019 anknüpfen zu können, vielleicht sogar einen größeren Zuwachs zu verzeichnen.
Allerdings gibt es außer Corona noch eine weitere Unwägbarkeit: „Der Brexit ist eine Herausforderung, der wir uns seit drei Jahren stellen müssen“, erläutert Hock. Der Standort in England produziert zu 80 Prozent für den englischen und den US-amerikanischen Markt. Das Geschäft innerhalb der EU macht nur 20 Prozent aus. Offen sei nun die Frage, wie sich der Markt in Großbritannien nach dem zu erwartenden harten Brexit entwickelt, sagen Hock und Stratmann.
Zur Sache: Der Industrieofenbau steht endgültig in Frage
Mit dem Aus für den DBK-Industrieofenbau in Kandel endet dort eine Ära. 1946 hatten Theo Baader und Josef David die David + Baader GmbH in Kandel gegründet. Inzwischen ist der Firmensitz in Rülzheim. Zuletzt waren noch 19 Mitarbeiter am Standort in Kandel beschäftigt.
Das Ende habe sich jedoch schon länger abgezeichnet, erläutert Geschäftsführer Andreas Stratmann. Die Sparte mache nur noch zehn Prozent des Umsatzes der Gruppe aus. Der Industrieofenbau sei ein sehr spezialisierter Betrieb, alle Produkte würden auf die Wünsche der Kunden abgestimmt. Deutschlandweit gebe es noch eine zweistellige Zahl weiterer solcher Spezialbetriebe und alle leiden Stratmann zufolge unter der gleichen Problematik: dem „erheblichen Wettbewerbsdruck“.
Standardprodukte werden von den Kunden nicht in Auftrag gegeben, da sie als Katalogware auch günstiger zu beziehen sind. Zudem werden Spezialöfen auch in „Regionen mit anderem Lohnniveau“ hergestellt und sind dann ebenfalls günstiger.
2002 waren im Ofenbau noch 38 Mitarbeiter beschäftigt, sagt Geschäftsführer Ralf Hock. Danach habe man die Produktivität verbessert und immer weniger Mitarbeiter benötigt. Traditionell habe DBK immer wieder Personal vom Ofenbau nach Rülzheim versetzt, um dort Aufträge abzuarbeiten, wenn beim Ofenbau weniger zu tun war.
Nun soll der Standort planmäßig zum 31. Dezember 2020 geschlossen werden. Derzeit laufen die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Dabei geht es vor allem um die Zukunftsperspektiven der 19 Mitarbeiter. Ein Teil von ihnen wird wohl im Bereich der Wartungsverträge für die Öfen zum Einsatz kommen, schließlich hat das Unternehmen weiter eine Gewährleistungspflicht.
Nach überstandener Corona-Pandemie entsteht vielleicht auch in der E-Mobilitätssparte weiterer Personalbedarf. Allerdings wäre die Tätigkeit dann nicht fachgleich, gibt Geschäftsführer Andreas Stratmann zu bedenken. Hinsichtlich der Flächen in Kandel könne man derzeit keine Aussage treffen – dafür sei die Entscheidung noch zu frisch.
Bei der Stadt Kandel wartet man indes auf ein Signal vom Unternehmen. Er hoffe, dass DBK mit der gesamten Stadtspitze in das Gespräch kommt, um eine Folgenutzung konzeptionell umsetzen zu können, sagte Stadtbürgermeister Michael Niedermeier (CDU) gegenüber der RHEINPFALZ.