Kreis Germersheim Ab 22.34 Uhr wird geschlemmt

Das Fasten hat ein Ende: Erst kommt die Dattel, dann folgt die Suppe.
Das Fasten hat ein Ende: Erst kommt die Dattel, dann folgt die Suppe.

Es ist kurz vor 21.30 Uhr. Langsam treffen auch die Letzten in der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Wörth ein, angezogen von dem herrlichen Duft nach deftigem Essen und der Aussicht auf erfrischende Getränke. Die Schlange an der Essensausgabe ist lang. Das Küchenteam hat alle Hände voll zu tun. Es ist ein Fastenbrechen der besonderen Art, denn heute kommen alle zusammen. Nicht nur die Frauen und Männer der Islamischen Gemeinde, sondern auch interessierte Bürger und Politiker aus Wörth und Umgebung, egal ob Moslems, Christen oder Atheisten.

„Nur durch den gemeinsamen Austausch kann der Dialog zwischen unserer Gemeinde und der Stadt Wörth weiterhin so gut aufrechterhalten werden“, weiß der Vorsitzende der türkischen Gemeinde, Fatih Yilmaz, der neben dem Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche und dessen Frau, der SPD-Landtagsabgeordneten Katrin Rehak-Nitsche, Platz genommen hat. Beide haben bereits die vorangegangenen Vorträge angehört, sowie die Moscheeführung mitgemacht und zeigen sich sehr beeindruckt. „Die Stadt Wörth hat ein tolles Verhältnis mit der islamischen Gemeinde. Uns ist es sehr wichtig, dass das Zusammenleben funktioniert und dafür zählt natürlich auch der persönliche Kontakt“, sagt Nitsche, der bereits zum vierten Mal das öffentliche Fastenbrechen besucht. Seine Frau ist heute hingegen das erste Mal dabei. „Es ist sehr interessant, sich auch mal verschiedene Sachen anzuschauen, um zu sehen, was die Menschen ausmacht. Wir reden immer von ’dem Anderen’, dabei sollten wir vielmehr von uns als Gemeinschaft sprechen“, meint die SPD-Landtagsabgeordnete. Gemeinschaft oder gemeinsames Zusammenkommen zum Abendessen – darum geht es eben auch im Ramadan. „Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass in Deutschland gerade alle Moslems gemeinsam mit ihren Familien am Tisch sitzen? Wann hat man das denn noch im Alltag? Nur einmal im Jahr am Ramadan!“, sagt die 24-jährige Nadire Bozkurt aus Rheinzabern, deren Tischnachbarinnen immer mal wieder verstohlen auf die Uhr schauen. Es ist 22.34 Uhr. Der Vorbeter Yussuf Aldemir ruft zum Gebet, bevor das Fasten gebrochen wird. Zuerst wird mit einer Dattel begonnen, da diese der Prophet Muhammad empfohlen hat. Danach folgt eine Linsensuppe, eine große Portion Dönerfleisch mit Salat, Reis und Brot sowie zuckersüßes Baklava mit Vanilleeis. „Für das Kochen waren heute hauptsächlich die Männer zuständig“, meint Rahsan Bozkurt und räumt so gleich mit einem Vorurteil auf. „Ich bin richtig satt“, sagt Dery Pitirkan aus Hagenbach bereits nach der Hälfte ihrer Hauptspeise, „der Magen gewöhnt sich so schnell an das Fasten.“ Der Verzicht auf Essen und Trinken zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang scheint allen Beteiligten recht leicht zu fallen. Dabei geht es um mehr als nur um das Hungern. „Der Geist wird über den Körper gestellt“, sagt Erengül Aldemir, die Frau des Vorbeters, „man ist Gott sehr nahe. Anstatt auszugehen, liest man auch mal wieder den Koran.“ Und auch die Kinder scheinen das Fasten zu mögen. Für Ilayda aus Hagenbach ist es der erste Ramadan. Sie fastet jedoch nicht den kompletten Monat, sondern pausiert zwischen durch auch immer mal wieder ein paar Tage. „Mir fällt es recht leicht und es macht Spaß mit der Familie zu essen.“, meint die 11-Jährige. Und ihre Freundin Selin ergänzt: „Ramadan ist für uns wie Advent und Weihnachten für die Christen. Alles ist harmonischer als sonst. Man kann dieses Gefühl im Ramadan gar nicht beschreiben. Man muss es selbst gespürt haben.“ Eine gewisse Harmonie, sowohl zwischen der Türkisch Islamischen Gemeinde und der Stadt Wörth als auch zwischen den Mitgliedern untereinander ist an diesem Abend definitiv zu spüren, egal ob jung oder alt, ob Moslem oder Christ. Der Fastenmonat Ramadan endet in diesem Jahr am Donnerstagabend, 14. Juni.

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