Wörth / Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel A 65: Beton billiger als Stahlkonstruktion

Die auffällig hohen Leitplanken gehen in eine Betongleitwand über.
Die auffällig hohen Leitplanken gehen in eine Betongleitwand über.

Die Arbeiten auf der Pendlerroute zwischen Rheinbrücke und Kandel gehen erst 2023 weiter. Auffällig: Für die Mittelleitplanken wurden zwei grundverschiedene Konstruktionen gewählt.

Für dieses Jahr sind die Bauarbeiten auf der A65 zwischen Rheinbrücke Wörth/Karlsruhe und Kandel abgeschlossen. Auf einige Abschnitten wurde die Fahrbahn saniert, vor allem aber wurden neue Schutzeinrichtungen zwischen den Fahrbahnen errichtet. In einem ersten Abschnitt wurden hoch aufprallfeste Metallkonstruktionen gebaut, in einem zweiten jetzt deutlich niedrigere Betongleitwände.

Vor knapp einem Jahr, Mitte November, wurde auf der A65 zwischen Rheinbrücke und Wörther Trog eine Baustelle eingerichtet. Bis Ende März sollten auf der ganzen Strecke neue Leitplanken montiert sein. Weil Teile aus Spezialstahl nicht geliefert werden konnten, verzögerte sich die Montage aber bis in den Sommer.

Aber seitdem bilden die fast brusthohen Stahlplanken eine beeindruckende Wand. Kein Wunder: Sie entsprechen der amtlich gesprochen „höchsten Aufhaltestufe H4b“. Das bedeutet konkret: Sie können mindestens einen 38-Tonner-Sattelzug mit Tempo 65 und einem Aufprallwinkel von 20 Grad am Durchbruch in die Gegenfahrbahn hindern. Sie schützen also ein gutes Stück weit vor einem Horrorcrash.

Zuvor entsprachen die bei Maximiliansau eingebauten Leitplanken lediglich der Aufhaltestufe H1. Sie wurden bereits vor Jahrzehnten entwickelt und können lediglich einen 10-Tonnen-Lastwagen bei Tempo 70 in einem Aufprallwinkel von 15 Grad aufhalten. Als Mindeststandard gelten seit 2009 beim Aus- oder Umbau von Autobahnen Schutzeinrichtungen der höheren Haltestufe H2.

Beschaffungsprobleme waren aber letztlich nicht der Grund, dass jetzt auf dem Abschnitt zwischen Wörth-Dorschberg und Wörther Kreuz statt der Stahlleitplanken sogenannte „Gleitwände“ aus Beton eingebaut wurden. Der Grund dafür ist vielmehr ein Entwässerungskanal im Mittelstreifen, so die Niederlassung Südwest der Autobahn-Gesellschaft (Stuttgart). Wegen des Kanals konnten keine (Stahl-)Schutzplanken in den Boden gerammt werden. Außerdem gebe es in diesem Streckenabschnitt Bauwerke wie Pfeiler und Stauwarnanlagen, so dass nur die Betonvariante wirtschaftlich vertretbar war.

Die Betonschutzgleitwände im Mittelstreifen des Streckenabschnitts Wörth-Dorschberg/Wörther Kreuz entsprechen der Aufhaltestufe H2. Das heißt: „Die Schutzplanken können vorschriftsmäßig mindestens den Aufprall eines 13-Tonnen-Busses mit Tempo 70 unter einem Winkel von 20 Grad aushalten“, so die Autobahn-Gesellschaft. Für jede Fahrtrichtung sei jeweils eine eigene Betonschutzleitwand mit der Aufhaltestufe H2 im Mittelstreifen verbaut.

Die Aufhaltestufe für Schutzeinrichtungen im Mittelstreifen sind laut Autobahn-Gesellschaft in der Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeug-Rückhaltesysteme geregelt. Danach müssen beim Um- oder Ausbau von Autobahnen im Mittelstreifen mindestens Schutzeinrichtungen der Aufhaltestufe H2 eingesetzt werden. „Generell erhöht sich durch die Umrüstung der alten Schutzplanken, unabhängig ob aus Beton oder Stahl, die Verkehrssicherheit auf der A65 maßgeblich“, so die Autobahn-Gesellschaft. Denn die neuen Schutzplanken weisen eine deutlich höherwertigere Aufhaltestufe auf als der bisherige Bestand. Im Ernstfall werde so eher verhindert, dass ein Auto, ein Bus oder ein Lkw bei einem Verkehrsunfall die Schutzplanke durchbricht und auf die Gegenfahrbahn und somit in den Gegenverkehr gerät.

Die Arbeiten zwischen Wörth-Dorschberg und Wörther Kreuz wurden, wie geplant, bereits Mitte Oktober abgeschlossen. Für dieses Jahr kehrt damit baustellentechnisch Ruhe auf der Pendlerroute zwischen Rheinbrücke und Landau ein. Für nächstes Jahr ist dann zwischen den Anschlussstellen Kandel-Mitte und Wörth-Dorschberg eine Fahrbahndeckenerneuerung einschließlich Erneuerung der Schutzeinrichtungen in Fahrtrichtung Karlsruhe geplant, so die Autobahn-Gesellschaft.

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