Kreis Germersheim 724 Kröten gerettet, 300 tot

Von Januar bis April gehen Kröten auf Wanderschaft. So auch am Silbersee bei Westheim. Auf ihrer Route müssen sie allerdings die L 538 überqueren. Damit sie dabei nicht massenweise unter die Räder kommen, hilft die Nabu-Ortsgruppe Bellheim. Vorsitzender Joachim Zürker zieht Bilanz.
Milde Temperaturen und Regen geben den Startschuss für die Wanderungen – und für die ehrenamtlichen Nabu-Helfer. Tag und Nacht waren sie im Einsatz, um den Kröten über die Straße zu helfen. Bei Hin- und Rückwanderung haben sie insgesamt 724 Tiere gerettet; 300 wurden tot aufgefunden, teilte Zürker mit. Die Einsätze sind für die Helfer nicht ungefährlich. „Die Kröten sind erst erkennbar, wenn sie von der Grasbankette auf die Fahrbahn hüpfen“, so Zürker. Dort müssen sie von den Helfern eingesammelt und auf die andere Straßenseite getragen werden. Um diese Arbeit sicherer zu gestalten, sei vom Kreis auf dem betreffenden Streckenabschnitt Tempo 50 angeordnet sowie ein Überholverbot verhängt worden, ergänzt durch Schilder, die auf den Einsatz hinweisen. Davon hätten sich viele Autofahrer aber nicht beeindrucken lassen. „Da konnte man manchmal nur noch den Kopf schütteln“, sagte Zürker verärgert. Viele seien deutlich zu schnell gefahren, mehrfach sei es zu „brenzligen Situationen“ gekommen. Das Angebot der Polizei, vor Ort Präsenz zu zeigen habe man aber letztlich nicht in Anspruch nehmen müssen. Damit sich die Helfer diesen Risiken in Zukunft nicht mehr aussetzen müssen, seien mehrere Maßnahmen im Gespräch: etwa ein temporärer Krötenfangzaun oder ein „Leitsystem“, bei dem die Kröten in Eimer fallen. Diese könnten die Helfer dann ein oder zwei Mal täglich über die Straße tragen; das händische Einsammeln auf der Fahrbahn entfiele. Auch eine Untertunnelung sei möglich, die ein Hinübertragen überflüssig mache. Die Wandersaison sei nun beendet, so Zürker. „Jetzt geht es an die Aufgabe, mit den zuständigen Behörden eine dauerhafte Lösung zu finden.“