Kreis Germersheim 400 Menschen feiern Demokratie-Fest
Es war ein buntes, vielfältiges und sehr gut besuchtes Fest für Demokratie, das am Samstag im Bürgerpark Wörth über die Bühne ging. Anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland trafen sich rund 400 Bürger. Ein wichtiger Aspekt waren naturgemäß die rechten Umtriebe, die Kandel seit dem Mord an Mia in Atem halten. Denn fast zeitgleich mit „Wörth feiert: Partnerschaft für Demokratie“ zogen rund 60 Menschen mit der Demo des rechten „Frauenbündnis Kandel“ vom Wörther Bahnhof in die Innenstadt. Bei der Versammlung im Bürgerpark traf sich ein breites Spektrum der Bevölkerung. Die IG Metall war mit einem Stand ebenso vertreten wie der DGB, der Internationale Bund (IB) oder die Initiativen „Wir sind Kandel“, „Kandel gegen rechts“ oder die satirische „Partei“. Der IB zeigte Porträts von Menschen, die „Gesicht zeigen gegen Rassismus“. Es gab Glühwein und Bratwurst gratis. Das musikalische Spektrum reichte von Bluesrock bis zur Europa-Fanfare des Musikvereins Edelweiß Wörth. Kurz: Es war ein echtes Bürgerfest – mit ernstem Hintergrund –, welches zuvor mit einem Vortrag über die „Neue Rechte und ihr Frauenbild“ im Rathaus eingeläutet wurde. Thematisiert wurden von Josephine Tischner (Bildungsreferentin der GEW Thüringen) vor allem Positionen der AfD. „Wir feiern heute gemeinsam Demokratie, Menschenrechte, Freiheit und Toleranz“, sagte Nitsche. Er erinnerte an die ersten demokratischen Wahlen nach dem Zusammenbruch nach dem 1. Weltkrieg bei der auf den Tag genau vor 100 Jahren – am 19. Januar 1919 – erstmals Frauen zur Wahlurne zugelassen waren. . „Über sieben Jahrzehnte hat uns Demokratie Frieden, Wohlstand und Sicherheit gebracht. Unsere Demokratie ist wehrhaft und wir steht felsenfest gegen alle, die der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ein Ende setzen wollen.“ Dem Rathauschef folgte Christoph Buttweiler, Erster Beigeordneter des Kreises Germersheim, der dazu aufrief, die Demokratie weiter zu entwickeln und für Gleichberechtigung einzutreten. Ein Vertreter der islamischen Gemeinde rief dazu auf, täglich gemeinsam für die Demokratie und das Grundgesetz einzutreten. Informativ war der Vortrag „Ein vergessener Lebenslauf – Alfons Pfirrmann aus Wörth“ von Brigitte und Gerhard Brändle. Dabei wurde die Vita eines jungen Kommunisten der Weimarer Zeit verlesen, der sich mit Gleichgesinnten aus der Pfalz gegen das NS-Regime wehrte. Er landete wie viele im Gefängnis und floh bei Scheibenhardt nach Frankreich, kam später ins KZ Dachau und wurde 1945 befreit. Mit mehreren Personen auf der Bühne war „Wir sind Kandel“ vertreten: „Wir sind für Wahrheit und gegen Hetze.“ Etliche vor und auf der Bühne machten ihrer Empörung Luft, dass mit Matthias Joa ein Vertreter der AfD sprach. Da das Fest eine städtische Veranstaltung war, hatte Nitsche auch den Landtagsabgeordneten eingeladen. „Es ist grotesk mit Leuten einer demokratiefeindlichen Partei auf einem Demokratiefest auf der Bühne zu stehen“, sagte Peter Scholz von „Kandel gegen rechts“. Und so brach nicht ganz unerwartet bei Joas Rede ein Sturm der Entrüstung aus. Mit einem Plakat „Kein Platz gegen Rassismus“ stellte sich der DGB vor den Redner, Viele hielten „Rote Karten“ in der Hand und buhten Joa aus. Da halfen die Beschwichtigungsversuche von Nitsche wenig. Joa wartete ab und redete dann über den Lärmteppich hinweg. Er verwehrte sich dagegen, dass seine Partei mit Neonazis und Hooligans in einen Topf geworden werde und sprach von einer Kultur der Verächtlichmachung der AfD. Das gellende Pfeifkonzert war kaum abgeklungen, da übernahm der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner (Grüne) das Wort. „Die AfD hatte ihren Auftritt, jetzt lasst uns weiter Demokratiefest feiern.“ Er forderte auf, gemeinsam gegen Hetze und eine völkische Gesinnung aufzustehen.