Kreis Bad Duerkheim „Wir lernen durch Abgucken“

„Ich wollte werden wie einer meiner Lehrer“, sagt Georg Dumont, Leiter der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim.
»Ich wollte werden wie einer meiner Lehrer«, sagt Georg Dumont, Leiter der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim.
Herr Dumont, endlich Ferien. Haben Sie was vor?

Wie immer fahre ich in den mittleren beiden Wochen weg. Jetzt zu Ferienbeginn wird hier in Deidesheim der Altbau der Schule abgerissen, da wird wohl Arbeit auf mich zukommen. In den letzten beiden Wochen sind dann Dienstbesprechungen, wir begrüßen neue Kollegen, und ich arbeite die drei Stapel auf meinem Schreibtisch ab. Aber dazwischen geht es an die Ostsee. Zum siebten und, wie meine Frau sagt, zum letzten Mal. Trotzdem noch einmal zurück zur Schule. Der Digitalpakt soll ja mit viel Technik die Schulen modernisieren. Doch der Hirnforscher Manfred Spitzer warnt vor den Gefahren der Digitalisierung für Kinder und Jugendliche. Wie sehen Sie das? Ich halte nach wie vor die Lehrperson für das Wichtigste, das wir haben. Die wichtigen Dinge lernen wir durch Abgucken vom Lehrer als Mensch. Ich glaube, dass Lehrer als Bezugspersonen die Kanäle zum Lernen öffnen, aber auch schließen können. Es hat sich viel geändert: Lehrmittel, Tafeln, Methodentraining – aber entscheidend ist immer der Lehrer oder die Lehrerin. In einem skandinavischen Land hat man ein Experiment gemacht. Man hat die bei einem Ranking als beste Lehrer eingestuften Pädagogen in die schlechteste Klasse des Landes gebracht. Keine zusätzliche Ausrüstung, keine neue Technik, nur die besten Lehrer. Die Klasse hat sich nach und nach zur besten Klasse entwickelt. Die Fridays-for-Future-Bewegung sorgt in Politik und Behörden für Unruhe. Wie gehen Sie damit um? Schüler der IGS waren im Organisationskomitee der Demo in Neustadt. Ich unterstütze dieses Engagement. Ich habe den Kollegen gesagt, sie sollen am Tag der Demonstration keine Arbeiten ansetzen und müssten auch nicht unbedingt die Fehlenden eintragen. Wir durften den Schülern nicht frei geben, das hatte versicherungstechnische Gründe. Aber wie in Bayern mit Bußgeldern kommen, das geht nicht. Natürlich müssen die Schüler während der Schulzeit demonstrieren. Verdi streikt auch nicht nach Feierabend. Wenn die Schüler möglichen Ärger in Kauf nehmen, zeigen sie, dass ihnen die Sache wichtig ist. Wir haben mit der Schule einen Klimapreis gewonnen. Und als rechte Gruppen Aufkleber in Deidesheim geklebt haben, haben unsere Schüler die abgekratzt. Was in der Gesellschaft grummelt, taucht in der Schule zuerst auf. Das ist das Tolle … wenn man sich nicht aufs Vokabellernen beschränkt. Man spürt Ihre Begeisterung für Ihre Schule. Haben Sie hier Ihren Traumjob gefunden? Traumberuf Lehrer ja. Ich wollte werden wie einer meiner Lehrer. Vom Schulleiter habe ich nie geträumt. Ich war Stufenleiter an der IGS in Mutterstadt, als die Planungen zur IGS Deidesheim-Wachenheim konkreter wurden. Da wollte ich unbedingt hin, um von Anfang an mitzugestalten. Die Aufsichtsbehörde sagte mir damals, der schnellste Weg, an diese Schule zu kommen, wäre sich als Schulleiter zu bewerben. Das habe ich nach Absprache mit meiner Familie getan und es nie bereut. Der Kontakt zu den Schülern fehlt mir. Aber seit uns in den Anfangszeiten der Schule ein Musiklehrer fehlte, gebe ich in den 5. Klassen Musikunterricht. Und so lerne ich doch alle Schüler kennen. Und wenn Sie nicht Lehrer sein könnten, was würden Sie dann machen? Ich glaube, ich würde Schreiner. Die Arbeit mit Holz hat mich immer interessiert. Oder ich würde in die schreibende Zunft wechseln. Auf der Homepage der Schule führe ich das Tagebuch des Schulleiters, das inzwischen in mehreren Bänden vom Littera Verlag veröffentlicht wurde. Und vor 2008 habe ich auch eine Weile als freier Mitarbeiter für die RHEINPFALZ geschrieben. | Interview: Achim Wagner

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