Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Winzer suchen sich neue Vertriebswege

Die Deidesheimer Winzer haben deutlich mehr Wein über das Internet verkauft.
Die Deidesheimer Winzer haben deutlich mehr Wein über das Internet verkauft.

Die Winzerbetriebe in der Verbandsgemeinde Deidesheim haben schwierige Zeiten hinter sich. Viele Weingüter konnten aufgrund der Pandemie keinen Vorortverkauf anbieten und suchten sich neue Vertriebswege. Einige hatten dabei Erfolg.

Die Corona-Pandemie hatte in den ersten Wochen massive Auswirkungen auf den Verkauf von Weinen und Sekten in den jeweiligen Weingütern. Da in den Vinotheken zunächst keine Proben ausgeschenkt und auch die Jahrgangspräsentationen ausfallen mussten, hat sich das Geschäft auf den Versand verlagert. Die Nachfrage für Kartonagen hat sich laut der Branche mehr als verdoppelt.

Auf Wein und Sekt will niemand während der Pandemie verzichten. Diese Erfahrung haben die Jungwinzer der Winechanges oder die jeweiligen Weingüter in der Verbandsgemeinde Deidesheim gewonnen. Sie stellten Probierpakete zusammen und luden zugleich zur virtuellen Probe oder zum virtuellen Zusammensein ein. Wie lange diese Initiative noch gehen wird, ist offen. Auch wenn sich inzwischen wieder Menschen in kleineren Gruppen versammeln dürfen, ersetzt dies noch lange nicht das übliche Geschäft des Wein- und Sektabsatzes. Öffentliche Veranstaltungen sind aktuell weitgehend tabu, eine Lockerung ist vorerst nicht in Sicht. Einzig in den jeweiligen Wein- und Sektgütern darf inzwischen unter Einhaltung des Hygiene- und Sicherheitskonzeptes wieder probiert und direkt eingekauft werden.

Gezielte Kampagnen

„Das ersetzt bei weitem nicht die Situation wie noch vor der Pandemie“, bedauert Steven Kärgel, Geschäftsführer des Winzervereins Deidesheim die aktuelle Situation. Die Vertriebsaktivitäten hätten sich zwangsläufig verschoben. Das Online-Geschäft floriere.

Die Wein- und Sektgüter haben mit gezielten Marketing-Kampagnen verstärkt um die aktuellen Jahrgänge geworben. Nicht nur die Proben in den Vinotheken waren verboten, auch die alljährlichen Jahrgangspräsentationen im Frühjahr sind ausgefallen. „Wir haben für die Kunden Probierpakete zusammengestellt, die wir versandkostenfrei versandt haben. Diese Angebote sind wirklich sehr gut angenommen worden. Wir haben viel Solidarität von unseren Kunden erfahren“, berichtete Silke Wolz. Die frühere Pfälzische Weinkönigin, die im Weingut Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan für die Veranstaltungen zuständig ist, muss sich derzeit umorientieren. Geplante Veranstaltungen rund um den Wein sind vorerst abgesagt, das Geschäft lief lange Zeit fast nur noch online.

Umsatzplus im Internet

„Uns ist einiges an Umsatz im Bereich Export, Gastronomie und Handel weggebrochen. Nur bei den Online-Händlern konnten wir ein deutliches Umsatzplus verbuchen“, ergänzt Wolz. Von dieser positiven Entwicklung berichtet auch Steven Kärgel. „Das Online-Geschäft floriert. Nachdem wir diesen Weg schon länger eingeschlagen haben, spüren wir gerade jetzt nochmals eine verstärkte Nachfrage unserer Weine und Sekte“, erklärt der Geschäftsführer des Winzervereins Deidesheim.

Ohne Onlineshop muss das Weingut Mosbacher in Forst auskommen. „Wir hatten bisher keinen Online-Shop. Wir haben mit einem Newsletter um Online-Bestellungen geworben“, berichtete Sabine Mosbacher-Düringer. Mit Erfolg: Sehr viele Privatkunden haben per Mail ihre Bestellungen aufgegeben, die dann ebenso in Kartonagen versandt wurden. So habe sich das Versandgeschäft, auch über die externen Onlineshops, mehr als verdoppelt. Beim Winzerverein spricht man sogar von einer Verdreifachung des Online-Geschäftes. „Dank der schnellen Lieferung der Kartonagen hatten wir keine Schwierigkeiten, die Aufträge unserer Kunden zu erfüllen“, erklärt Kärgel. Dabei freue er sich, dass der Barverkauf ohne Unterbrechung in Deidesheim habe fortgesetzt werden können.

Online-Shops im Kommen

Das war auch in den übrigen Weingütern der Fall. Dies bestätigt Sabine Mosbacher-Düringer. „Die spannende Aufgabe war für uns, dass wir uns Gedanken darüber machen mussten, wie wir dies umsetzen werden. Denn für uns gelten die gleichen Bedingungen wie in der Gastronomie“, erzählt Mosbacher-Düringer von den Hürden.

Ein Online-Shop werde künftig für fast jedes Weingut ein Muss sein, sind sich die Befragten einig. Auch wenn der Höhepunkt des Online-Geschäftes bereits vorüber ist, wollen sie diesen zusätzlichen Vertriebsweg nicht mehr missen. So müssen die Konsumenten trotz der Corona-Pandemie auch weiterhin nicht auf Sekt und Wein verzichten.

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