Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wieso ein Deidesheimer nach einer Corona-Infektion kein Krankengeld erhält

Harald Potsch hat seinen mobilen Eiswagen noch im Lager stehen. Ab Sommer möchte er damit wieder durch die Region touren.
Harald Potsch hat seinen mobilen Eiswagen noch im Lager stehen. Ab Sommer möchte er damit wieder durch die Region touren.

Ein Filmbeitrag über seine Eismanufaktur wurde Harald Potsch zum Verhängnis. Bei den Aufnahmen in Freinsheim infizierte er sich mit dem Coronavirus. Seine Lunge sei jetzt so stark beschädigt, dass er in die Reha müsste. Und doch geht der Deidesheimer nun wieder arbeiten. Wieso?

Harald Potsch ist dem Teufel gerade noch so von der Schippe gesprungen. Das habe zumindest sein Arzt gesagt, als er die Corona-Infektion überstanden hatte. Er habe kurz vor der künstlichen Beatmung gestanden, berichtet der Deidesheimer. Nachdem er das Krankenhaus verlassen hatte, befürchtete die Ärzte wenig später einen Rückfall. Die gute Nachricht: Die Corona-Tests fielen bei Potsch allesamt negativ aus. Die schlechte: Es stellte sich heraus, dass seine Lunge nach der Covid-19-Erkrankung stark beschädigt sei, berichtet Potsch. „So sehr, dass ich eigentlich in Reha müsste.“ Das könne er sich aber nicht leisten.

„Bis ich die Genehmigungen für die Reha hätte und sie tatsächlich durchlaufen würde, wäre es sicherlich Juli“, schätzt Potsch. Nachdem er schon im März und April nichts verdienen konnte, wären weiter zwei Monate ohne Einkommen für ihn als Familienvater nicht möglich. Zumal er auch kein Krankengeld bekommt. Eine Tatsache, die den Familienvater besonders verärgert. „Da zahle ich mehr als zwanzig Jahre fleißig meine Beiträge zur Krankenversicherung, was nun aber in solch einer außergewöhnlichen Situation keine Rolle spielt“, berichtet Potsch.

Saisonal mit mobilem Eiswagen unterwegs

Um die Gründe zu verstehen, wieso der Deidesheimer kein Krankengeld erhält, muss einem dessen berufliche Situation bewusst sein: Harald Potsch hat sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Seitdem betreibt er die nach eigener Aussage kleinste Eismanufaktur der Welt. Mit seinem mobilen Geschäft tourt er von März bis November durch die Region und verwöhnt Gäste auf Festen und privaten Feierlichkeiten mit süßen Kreationen. In der restlichen Zeit verdient er als Busfahrer sein Geld. Einen Job, den er zuvor 16 Jahre in Vollzeit ausgeübt hatte.

Nicht nur als Angestellter, sondern auch während seiner selbstständigen Tätigkeit würde Potsch im Falle eines längeren gesundheitsbedingten Ausfalls Krankengeld erhalten. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür hat er bei seiner Krankenversicherung, der Techniker Krankenkasse, den entsprechenden Tarif gewählt. Die Höhe des Krankengeldes ist aber zugleich abhängig von den Einnahmen, die Selbstständige erzielen. Wegen der Corona-Krise und der späteren Covid-19-Erkrankung hatte Potsch 0 Euro auf der Einnahmenseite und erhält somit auch kein Krankengeld.

Wann Selbstständige Krankengeld erhalten

Auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt die Pressestelle der Techniker Krankenkasse: „Krankengeld soll das Arbeitseinkommen ersetzen, das wegen einer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit entfällt. Wird bereits vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit kein Arbeitseinkommen erzielt, so ist nicht die Arbeitsunfähigkeit ursächlich für den Einnahmeausfall.“ Deshalb könne auch kein Krankengeld gezahlt werden. Potsch hatte darüber hinaus ohnehin den Anspruch auf Krankengeld verloren, weil er seinen Tarif vor seiner Erkrankung mangels Einnahmen herabgestuft hatte.

Potsch kann die Erklärungen nachvollziehen. Dass es rechtlich nicht anfechtbar ist, habe er sich auch bereits von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bestätigen lassen. Allerdings scheint es für ihn einen Fehler im System zu geben. „Selbstständige, die aus irgendwelchen Gründen für eine gewisse Zeit keine Einnahmen erzielen, laufen immer Gefahr, bei einem längerfristigen Ausfall kein Krankengeld zu erhalten. Unabhängig davon, was sie vorher einbezahlt haben. Das kann nicht sein.“ Umgekehrt werde bei der Zusatzversicherung berücksichtigt, wie viel er die Monate zuvor verdient habe. Von den 55 Euro, die er knapp drei Wochen täglich erhalten habe, seien ihm 5 Euro abgezogen worden.

Reisebus statt Reha

Die Reha hat Potsch abgeschrieben. Dadurch, dass wegen der Corona-Maßnahmen sämtliche öffentliche Veranstaltungen und private Feierlichkeiten nicht erlaubt sind, muss er auch seine Eissaison verschieben. Deshalb lenkt er seit Anfang dieser Woche wieder seinen Reisebus, um Geld zu verdienen. „Ich muss meine Familie ja ernähren können“, sagt er. Und doch ist er mit dem Gedanken auch bei seinem Eiswagen, der in einem Lager in Neustadt steht. Im Sommer will er damit wieder durch die Region touren. Zudem hat er noch ein neues Projekt auf der Agenda. „Ich plane mit einem Kooperationspartner, Eisvariationen am Stil zu entwickeln, die Kunden sich liefern lassen und ins Kühlfach legen können.“

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