Deidesheim
Wie Häuser über Wärme aus der Erde versorgt werden können
Um was es geht, erklärte Thomas Giel, Professor für Technisches Gebäudemanagement und Technische Gebäudeausrüstung an der Hochschule Mainz, im Umweltausschuss der Verbandsgemeinde Deidesheim.
„In den Neubaugebieten werden die Gebäude immer besser gedämmt“, erklärte der Fachmann. Die Energie werde immer weniger zum Heizen benötigt, sondern überwiegend für die Warmwasseraufbereitung. Die Versorgung über herkömmliche Wärmenetze habe eine Vorlauftemperatur von 70 bis 100 Grad. Diese müsse 365 Tage im Jahr aufrechterhalten werden. Um den Wärmeverlust zu reduzieren, müssen die Leitungen isoliert sein. Deshalb ließen sich Blockheizkraftwerke oft nicht mehr energieeffizient betreiben.
Erdsondenfeld liefert Energie
Bereits 2010 arbeitete Giel an einem Forschungsprojekt für das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zur Aufstellung der Auslegungskriterien für kalte Nahwärmenetze. Die Energie liefert ein zentrales Erdsondenfeld. Die Sonden gehen fünfzig Meter in die Tiefe. Das Wärmeträgermedium in den Sonden ist aus Frostschutzgründen ein Wasser-Glykol-Gemisch. Es nimmt die Wärme des Erdreichs auf, das ganzjährig eine konstante Temperatur zwischen 5 und 15 °C hält. Die Rohre brauchen keine Isolierung.
Die Abnehmer der Energie schließen sich an das Ringleitungssystem an. Für die individuelle Temperatur in den Häusern sorgen dezentrale Wärmepumpen. Das Netz bietet auch die Möglichkeit, die Häuser im Sommer zu kühlen. Diese Methode nennt man „Freecooling“. Die aufgenommene Wärme der Innenräume wird über die Leitungen zurück ins Erdreich geführt und ermöglicht damit die Regeneration des Erdsondenfeldes.
Umrüstung bei Altbestand schwieriger
Die Stadtwerken Schifferstadt betreiben seit Januar 2017 ein kaltes Nahwärmenetz in der Max-Ernst-Straße, einem Baugebiet mit 27 Einfamilienhäuser und elf Rheinhäuser. Etwas problematischer ist die Umrüstung beim Altbestand. Dazu läuft in Schifferstadt ein Forschungsprojekt.
Zukünftig soll die Verwaltung darauf hinweisen, dass in Neubaugebieten möglichst eine Photovoltaikanlage auf die Gebäude installiert werden sollen, betonte der Beigeordnete Herbert Latz-Weber. Auch andere neue Energiegewinnungsvarianten sollen berücksichtigt werden. Das sei ein toller Ansatz, doch seien auch große kommunale Dachflächen immer noch ohne Photovoltaikanlage, monierte Kai Feil (CDU Meckenheim). Das ergänzte Martina Dopp (FWG Meckenheim): „Die Verwaltung müsste mit gutem Beispiel vorangehen.“