Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Bewohner des Bürgerhospitals die Corona-Zeit meistern

Mit Abstand können die Senioren – hier Wilhelm Hageni, links Pflegefachfrau Jenny Russo, Angehörige am Gartenzaun oder am Fenste
Mit Abstand können die Senioren – hier Wilhelm Hageni, links Pflegefachfrau Jenny Russo, Angehörige am Gartenzaun oder am Fenster treffen.

Wochenlang keine direkten Kontakte zu Angehörigen und Freunden: Menschen in Pflegeeinrichtungen trifft dies besonders hart. Bewohner und Mitarbeiter des Caritas-Altenzentrums Stiftung Bürgerhospital in Deidesheim erzählen in einer Telefonkonferenz, wie sie diese Zeit gemeistert haben.

Das Wichtigste vorweg: Im Bürgerhospital gab es keinen einzigen Corona-Infektionsfall. „Gott sei Dank“, sagt Einrichtungsleiterin Verena Renner. „Das war die ganze Zeit unsere schlimmste Vorstellung.“ Alle Tests, seien negativ ausgefallen. Bewohner, die aufgrund von anderen Erkrankungen ins Krankenhaus gemusst hätten, hätten bei ihrer Rückkehr brav die vorgeschriebene Quarantänezeit eingehalten. Alles habe bis jetzt gut funktioniert, so Renner.

Doch wie gestaltet man in einem Seniorenheim die Zeit, wenn das Leben sich nur noch im Haus abspielen soll und selbst da die Kontakte untereinander nur noch sehr eingeschränkt erlaubt sind? Es gehe darum, sagt Renner, „trotz allem viel zu unternehmen, was Sinn stiftet und Freude macht“. So treffen sich beispielsweise regelmäßig Kleingruppen von vier bis fünf Bewohnern zu „verschiedenen Aktivitäten oder kleinen Festen“ in den einzelnen Wohnbereichen. Unter anderem gibt es einen Pfälzer Frühschoppen, mit allem was dazugehört – Schorle natürlich inklusive. Oder es werde viel gebastelt, wie unter anderem an Ostern, als die Angehörigen mit selbstgebastelten Karten überrascht worden seien.

Kreative Beschäftigung

Doch die Isolation ist zum Glück nicht strikt aufs Haus beschränkt. Auch im Garten oder auf dem Vorplatz finden die Bewohner Beschäftigung – wie beispielsweise Wilhelm Hageni. Der 92-jährige Deidesheimer hat die Zeit kreativ genutzt und „die Gartenbänke geschliffen und frisch gestrichen“, erzählt er nicht ohne Stolz. Überhaupt, so sagt er, gehe es im sehr gut. Er fühle sich trotz der ganzen Maßnahmen wohl. Das kann auch Josef Hildebrand von sich behaupten. In seinem Wohnbereich sorgt er regelmäßig für Stimmung, wenn er Orgel oder sogar die Balalaika spielt. Die beiden Herren sind sich einig: „Wir sind immer beschäftigt und bestens versorgt.“

Und der Kontakt zu den Angehörigen? Die Bewohner hätten unter anderem gelernt, über Skype, Telefonieren per Video übers Internet, zu kommunizieren, erzählt Verena Renner. Für viele sei dies ein neues Medium. Nun aber, da kurze Besuche wieder erlaubt seien, sei die Situation besonders „schwierig, denn es ist logistisch ein Wahnsinnsaufwand“. Täglich kündigten sich um die 20 Besucher an. Dabei durchlaufe jeder von ihnen dieselbe Prozedur: Formular ausfüllen, Schutzkleidung anziehen und warten, bis das Pflegepersonal ihn zum vereinbarten Treffpunkt, entweder am Fenster oder Gartenzaun, begleitet. Auch die Bewohner müssen hygienetechnisch vorbereitet und warm angezogen werden, wenn es bei einem Treffen im Garten kühl ist. Doch all dies habe vom ersten Tag an geklappt, erzählt die Einrichtungsleiterin, „ganz unaufgeregt und ohne Panik, obwohl die Telefone am Anfang geglüht haben.“

Mehraufwand für Personal

Und wie geht es den Mitarbeitern in dieser Zeit? Es sei schon „alles mit mehr Aufwand und Stress verbunden“, gestehen Jenny Russo, Pflegefachfrau, und Gabi Münch-Kretschmann, die in der Betreuung tätig ist. Aber, und da sind sich die Frauen einig, die derzeitige Situation habe eindeutig einen „stärkeren Zusammenhalt und eine bessere Gemeinschaft“ zur Folge. Der Mehraufwand mit den Hygienemaßnahmen und den strikten Kontakteinschränkungen – all das „hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, betont Russo.

Es ist zurzeit selbstverständlich, dass die Mitarbeiter für die Bewohner einkaufen gehen oder sich extra Zeit für Gespräche nehmen. Und sogar eine kleine Feier am Gartenzaun wurde ermöglicht: Mit 90 Luftballons gratulierten die Angehörigen einer Bewohnerin zu ihrem runden Geburtstag. Die „wunderbare Zusammenarbeit ist ein positiver Aspekt in der derzeitigen Krise“, ist sich Gabi Münch-Kretschmann sicher.

Und sowohl die beiden Mitarbeiterinnen als auch Verena Renner hoffen, dass die aktuelle Wertschätzung gegenüber den Pflegemitarbeitern auch noch in der Corona-Pandemie Bestand hat. Denn, sind sich die Frauen auch hier einig, „das Pflegepersonal hat eindeutig ein Aufwertung verdient“.

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