kreis Düw / Süw RHEINPFALZ Plus Artikel Wenig Trubel und leere Straßen

Ungewohntes Bild: verlassene Weinstraße in Deidesheim.
Ungewohntes Bild: verlassene Weinstraße in Deidesheim.

„Wir bleiben zu Hause“: Das war bundesweit – dem teils schönen Wetter zum Trotz – die Losung für das Osterwochenende. Haben sich die Menschen an die Appelle der Politik gehalten? Beobachtungen aus der Region.

Die Kalmitstraße, die von Maikammer aus die Wandergebiete rund um die Kalmit erschließt, ist an Wochenenden mit schönem Wetter in „normalen“ Zeiten stets stark befahren. An diesem Osterwochenende ist zwar nichts „normal“, leer ist die Straße indes nicht. Und die Kennzeichen der Autos auf der Straße und auf den Wanderparkplätzen zeigen, dass der Pfälzerwald für die Menschen aus „LU-MA-KA“ trotz Corona und gelegentlicher Regengüsse attraktiv ist. In den meisten Autos sitzen aber nur zwei Leute. Und wandern mit dem eigenen Partner ist ja trotz Kontaktsperre erlaubt. Auch ein Auto der Ordnungsbehörde fährt über die Kalmit.

Wirklich leer ist in diesen Tagen aber der Bus. So fährt der Fahrer der Linie 501 am Montag um die Mittagszeit die Haltestellen in Maikammer ohne einen einzigen Fahrgast an. Obwohl auch an den Haltestellen niemand steht, der einsteigen könnte. Aber irgendwie muss der Fahrplan ja eingehalten werden.

Am Helmbachweiher ist am Samstagnachmittag der Eingang mit Müllcontainern zugestellt und zudem mit Flatterband abgesperrt. Nur wenige Autofahrer kommen, wenden und verschwinden gleich wieder.

Eiskalt erwischt: Bußgeld droht

In Haßloch müssen einige mündliche Verwarnungen ausgesprochen werden. „Im Großen und Ganzen halten sich die Bürger aber an die Regeln“, sagt Christine Behret, Leiterin der Abteilung Bürgerdienste bei der Gemeindeverwaltung. Nicht so der Betreiber eines Eiscafés: Am Ostersonntag sind nachmittags Eis essende Kunden auf einer Sitzbank und Eisverkauf vor dem Laden zu beobachten. Wo ein Schild steht, das auf den Lieferservice hinweist. „Am Abend wurde Eis über die Theke verkauft, weswegen wir die Polizei dabei hatten, um die Personalien der Betreiber aufzunehmen“, bestätigt Behret. Der Vorgang geht nun an die Kreisverwaltung, und ein Bußgeldverfahren wird eingeleitet: Bis zu 4000 Euro kann der Versuch, doch noch etwas Umsatz vor der eigenen Tür zu machen, den Eiscafébetreiber nun kosten. „Ich verstehe die Sorgen“, sagt Behret, „aber die anderen Eisläden müssen schließlich auch alle den Straßenverkauf schließen.“

Die beiden kommunalen Vollzugsbeamten und die zwei Hilfspolizisten der Ordnungsverwaltung haben seit Gründonnerstagabend stärker kontrolliert, als sie es seit einem Monat ohnehin tun, und dafür Verstärkung aus dem Bürgerbüro bekommen. Am Wehlachweiher ist Angeln zwar als „Sportausübung“ erlaubt: „Die Abstandsregelung gilt trotzdem“, so Behret. Am Rathausplatz müssen die Kontrollteams täglich „Gruppen auflösen“, die wegen des kostenlosen WLAN-Zugangs Smartphones oder Tablets für Videotelefonie nutzen. Auch am Spielweg im Haßlocher Wald, an vereinzelten Spielplätzen im Ort oder vor Imbissläden mit Straßenverkauf müssen wiederholt Leute aufgefordert werden, größere Ansammlungen aufzulösen.

Statt Feiertagstrubel fast schon Totenstille

In Deidesheim bleiben die Menschen trotz der teilweise sommerlichen Temperaturen weitestgehend zu Hause. Nur in den Weinbergen oder im Pfälzerwald sind vereinzelt Spaziergänger unterwegs, die sich aber an die Regeln halten. So bleiben auch die beliebten Picknickplätze – bei der Eva im Paradiesgarten, an der Leinhöhle oder am Forster Ungeheuer – leer. Nur auf dem Parkplatz Mühltal stehen wenige Fahrzeuge von Erholungssuchenden aus dem Rhein-Neckar-Raum.

Deutlich weniger Menschen sind unterwegs, denn auch die Waldgaststätten haben geschlossen. Dort herrscht nahezu Totenstille. Auch im Herzen von Deidesheim sind am Sonntag und Montag die Straßen weitestgehend leer. Die Alla-Hopp- Anlage, ansonsten ein Magnet für Jung und Alt, ist frühzeitig mit einem Bauzaun abgesperrt worden. Ordnungsamt und Polizei sind mehrfach bei ihren Kontrollfahrten zu sehen.

Die wenigen, die am Sonntag und Montag um die Mittagszeit unterwegs sind, holen ihr Ostermenü im Restaurant St. Urban im Deidesheimer Hof, im Sushi B und im benachbarten Restaurant Riva im Hotel Kaisergarten Spa ab. Aber auch bei der übrigen Deidesheimer Gastronomie ist über Ostern die Nachfrage nach Speisen groß.

Als die ersten Tropfen am Sonntag vom Himmel kommen, nutzen zwei Radtouristen aus Limburgerhof den Stammtisch am Bistro-Café „Dieden’s“ zum Verweilen und genießen eine Flasche Gewürztraminer – wie vier weitere Spaziergänger, die Unterschlupf am Weinprobierstand des Winzervereins Deidesheim in der Bahnhofstraße finden und dort ebenfalls den Schoppen füllen. Volle Gläser und leere Straßen ...

Wo der Speyerbach plätschert, heulen die Motoren

Frische Luft schnappen ist ausdrücklich erlaubt. Anders als in Italien und Spanien, wo Radfahren nur noch den Profis erlaubt ist, darf dazu hierzulande jeder auch eine Runde mit dem Drahtesel drehen. Den sportlich ambitionierten Radler lockt da am Samstag bei idealem Wetter das Elmsteiner Tal. Zumal das an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt ist. Eigentlich, sollte man einschränken. Denn schon bei der Anfahrt durch Lambrecht wird klar: Motorradfahrer definieren den Sattel ihres Gefährts als „daheim“. So können sie dem dringenden Appell von Ärzten und Politikern, zu Hause zu bleiben, auch unterwegs Folge leisten.

Und so bietet eine Rast mit Riegel an der Einmündung der Totenkopfstraße das für diese Stelle vertraute Frühlingsambiente: Der Speyerbach plätschert, die Vögel zwitschern, und immer wieder heulen aus Richtung Kalmit Motoren auf. Denn die kurvenreiche Totenkopfstraße lockt nicht nur die dahingleitenden Genussbiker mit reichlich Lebenserfahrung, sondern auch verkappte Rennfahrer, die sich weder um Geschwindigkeitsbegrenzungen noch um Durchfahrverbote kümmern.

Der Polizeibericht bestätigt das: 23 Motorradfahrer werden bei fünf Durchfahrtskontrollen erwischt und müssen nun jeweils 20 Euro Verwarnungsgeld zahlen. Der Großteil von ihnen zeigt sich aber einsichtig. Einzelne Fahrer geben an, sie hätten die Verbotsschilder nicht gesehen.

Aber da gibt es noch die beiden Motorradfahrer der Genusskategorie: Als sie am Bahnübergang vorm Speyerbach halten und das Durchfahrtsverbotsschild bemerken, entschuldigt sich der eine. Er dachte, die Sperrung gelte erst ab Elmstein. Von Enttäuschung ist beim Kollegen keine Spur. „Egal, das ist so schön zu fahren, dann fahren wir halt genauso wieder zurück.“

Picknick verboten: Im Paradiesgarten blieben die schönen Aussichtspunkte am Osterwochenende leer.
Picknick verboten: Im Paradiesgarten blieben die schönen Aussichtspunkte am Osterwochenende leer.
Nicht alle Biker hielten sich an das Durchfahrtsverbot im Elmsteiner Tal.
Nicht alle Biker hielten sich an das Durchfahrtsverbot im Elmsteiner Tal.
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