Obrigheim / Worms RHEINPFALZ Plus Artikel Wassermangel gefährdet Zuckerrübenernte

2021 war ein gutes Zuckerrübenjahr. In diesem Jahr haben die Anbauer zu kämpfen, damit sie eine Ernte einfahren können.
2021 war ein gutes Zuckerrübenjahr. In diesem Jahr haben die Anbauer zu kämpfen, damit sie eine Ernte einfahren können.

Im Südzucker-Werk Offstein ist der Beginn der Zuckerrübenverarbeitung auf den 27. September verlegt worden. Grund sind die schlechten Ernteaussichten wegen der Dürre.

Der heiße, extrem trockene Sommer macht den hessisch-pfälzischen Zuckerrübenanbauern schwer zu schaffen. Nach Angaben ihres in Worms ansässigen Verbands verzeichnet die Region Rheinhessen praktisch einen totalen Ernteausfall, während in Verbandsgebieten mit Beregnung die Rüben relativ normal gewachsen seien, etwa in Südhessen und im Altrheingebiet. Dort allerdings droht nun Gefahr durch Blattkrankheiten und das von Zikaden übertragene Syndrome Basses Richesses (SBR).

Deshalb will der Verband von seinem ausgeklügelten Abfuhrplan für die drei regionalen Transportgruppen abweichen und ab der letzten Septemberwoche jene Felder abernten lassen, deren Zuckerrüben vom Gewicht und dem Zuckergehalt her gut dastehen. Für die späteren Termine und Regionen hofft man auf Regen. Die Abkehr vom ursprünglichen Zeitplan bedeute viel Organisationsaufwand, sagt Christine Wendel, Assistentin von Geschäftsführer Christian Lang. Aber daran festzuhalten, dass Gebiete zuerst an der Reihe wären, in denen es aber diesmal gar nichts zu ernten gebe, sei nicht sinnvoll. Dennoch: Das Ganze geschehe für die Erzeuger auf freiwilliger Basis.

Folgen des Klimawandels

Am liebsten wäre dem Wormser Verband ein Zuckerkampagnenstart am 4. Oktober gewesen, berichtet Wendel, doch beim Unternehmen Südzucker, das im Obrigheimer Ortsteil Neuoffstein eine Zuckerfabrik betreibt, drohten die Silos leer zu laufen. Deshalb hätte die Verarbeitung im Werk am 19. September beginnen sollen. Nun habe man sich wegen der extremen Bedingungen in diesem Jahr auf den 26. September geeinigt.

Laut Wendel macht man sich verbandsintern seit Längerem Gedanken über mehr Flexibilität im Anbau und bei der Ernte, denn extreme Ertragsschwankungen würden angesichts des Klimawandels weiter zunehmen. Die Zuckerrübe in manchen Regionen ganz aufzugeben, sei aber nicht in der Überlegung, denn das Beispiel Rheinhessen zeige: „Das kann auch eine Topregion für Zückerrüben sein, wenn das Wetter genug Wasser bringt“, sagt Wendel.

Zuckerpreise steigen

In der Region Frankenthal sieht Wendel eine große Konkurrenz zum Gemüse- und bald auch zum Getreideanbau. Auch weil mit diesen Erzeugnissen zuletzt mehr verdient worden sei. „Im Zuckerrübenanbau kommen solche Preissprünge meistens verzögert“, sagt Wendel. Sie und Geschäftsführer Lang beobachten, dass auch die Preise für Zucker seit Monaten steigen. Für die Rübenanbauer sei das ein unbedingt nötiger Ausgleich für geringere Erträge und hohe Kosten der Produktion. „Beregnung von Zuckerrüben kostet viel Geld, sichert aber Ertrag und Qualität“, meint Lang.

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