Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Virtuelles Stadtmauerfest: Wenn’s am Eisentor eng wird

Virtuelles Prost: Am Eisentor soll gefeiert werden.
Virtuelles Prost: Am Eisentor soll gefeiert werden.

Am Wochenende wäre in Freinsheim Stadtmauerfest gewesen – wenn Corona nicht wäre. Dass sie nicht wie gewohnt feiern konnten, hat viele Einwohner der kleinen Stadt traurig gemacht. Für ein Trostpflaster hat Cartoonist Holger Faber gesorgt. Mithilfe eines Stifts.

Wenn der Claus im Gewimmel seine Chrissi sucht und Jana auf ihrer Extraportion Pommes besteht, wenn die Menschen sich scharenweise ums Eisentor drängen – dann, ja dann ist wieder Freinsheimer Stadtmauerfest. Moment! Ist das nicht wegen Corona ausgefallen? Um genau diese Lücke zu schließen, hat der Hettenleidelheimer Cartoonist Holger Faber sich etwas ausgedacht. Er hat auf den Sozialen Netzwerken eine besondere Aktion gestartet und das Fest einfach nachgezeichnet. Seine Idee: Wer gerne aufs Fest gegangen wäre, schreibt ihn an und wird dann in Cartoon-Form vor das Eisentor postiert.

Er habe über die Sozialen Netzwerken mitbekommen, wie „wehmütig“ die Freinsheimer gewesen seien, als sie am vergangenen Wochenende ihr Fest nicht feiern konnten. Der 45-Jährige kann diesen Schmerz nachvollziehen, hat er doch selbst zehn Jahre in dem kleinen Städtchen gewohnt. Er habe in Freinsheim viele Freunde. Gerne komme er mit seiner Familie immer wieder zurück, sagt Faber. „Wenn wir uns etwas Gutes tun wollen, fahren wir nach Freinsheim“, fasst Faber zusammen.

Über 30 Menschen schon dabei

Der Austausch mit den Freinsheimern habe ihn schließlich auf die Idee mit dem Cartoon-Stadtmauerfest gebracht. Jeder rede in Corona-Zeiten schließlich von virtuellen Ideen. Als Grundlage stellte er eine in Schwarz-Weiß gehaltene Zeichnung des Eisentors ins Netz. Seine Freunde und Bekannten bei Facebook, Instagram und WhatsApp seien zunächst zögerlich gewesen. Inzwischen habe sich das Gespräch, etwa auf Facebook, verselbstständigt. Über 30 Menschen sind es nun schon, die eine kleine Cartoon-Version von sich haben wollen. Immer voller wird es am Eisentor. Es ist sogar so eng geworden, dass die ersten nun auf ein neues Motiv, den Casinoturm, ausweichen werden, ein drittes Motiv ist geplant. Dass es eng wird in der Altstadt, das kennt der kundige Besucher ja vom richtigen Stadtmauerfest.

Auch die Gespräche im Internet erinnern inzwischen an typische Weinfestdialoge. Einer sucht sein Schoppenglas, die andere hätte gern noch was zu essen. Und wer ist das eigentlich da hinten? Ein Zugezogener? „Bei den Kommentaren habe ich manchmal das Gefühl, die haben schon eine Schorle getrunken“, sagt Faber lachend. Einige der Porträtierten hätten die Comic-Version ihrer selbst inzwischen als Profilbild bei Facebook. Die Bilder beinhalten meist noch eine Speise oder ein Getränk – es ist ja schließlich ein Fest. Der Cartoonist kennt dabei gar nicht alle seiner Figuren. Bei manchen nehme er daher die Bilder bei Facebook als Grundlage für die Zeichnung, so Faber. Für eine brauchte er zunächst rund 12 bis 15 Minuten mit dem Fineliner, für die anschließende Einfärbung noch mal etwa eine Viertelstunde. Die Zeit dafür nehme er sich spätabends. Tagsüber ist das Leben des Software-Beraters mit Frau und drei Kindern gut ausgefüllt. „Ich mache das, seit ich denken kann“, sagt Faber über seine Zeichenleidenschaft. 2016 habe er sich vorgenommen, jeden Tag einen Cartoon zu machen, weil ihn die realistischen Bilder immer so viel Zeit gekostet hätten.

„Ich hatte das nicht so geplant, es war eine spontane Idee und es macht Spaß“, sagt Faber über sein gemaltes Stadtmauerfest. Wer noch virtuell mitfeiern will, kann den Hashtag #virtuellesstadtmauerfestinfränsem nutzen oder bei Holger Faber in den Sozialen Medien mitmischen, etwa bei Facebook.

Inzwischen ist es am Eisentor schon ganz schön eng.
Inzwischen ist es am Eisentor schon ganz schön eng.
Holger Faber
Holger Faber
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