Hassloch
Turmraum: Renovierung kann jetzt weitergehen
Das Ende der Grabungen und das Tieferlegen des Bodens um 50 Zentimeter wurden mit der zuständigen Behörde für den Denkmalschutz abgesprochen. Der Raum selbst, der mit rund 650 Jahren älteste in Haßloch erhaltene, habe durch die Tieferlegung sehr gewonnen, sagt Pfarrer Friedrich Schmidt-Roscher, „und auch das Fenster ist jetzt in seiner ganzen Höhe sichtbar.“ Es soll in der unteren Hälfte nicht mehr zugemauert, sondern farblich auf den oberen Teil abgestimmt als Fenster nach unten weitergeführt werden. „Und das so, dass das Alte vom Neuen deutlich abgetrennt ist.“
Unter dem Fenster erhalten ist eine Reihe von Steinplatten. Eine von ihnen, ganz links, trägt ein Ornament. Was es darstellt, welche Bedeutung es hat, gibt Rätsel auf. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt David Hissnauer, Gebietsreferent der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz in Speyer.
Rätselhaftes Ornament auf der Steinplatte
Quentin Saltzmann, Restaurator für Stein und Wandmalerei, der im Turmraum die Renaissance-Malereien aus dem Jahr 1609 freigelegt hat, stimmt dem zu. Das Muster, schwarze Zeichnungen wie eine Kartusche, sei wohl in den feuchten Estrich gemalt worden, der in einer dünnen Schicht auf den Stein aufgebracht wurde. Er könnte sich daher vorstellen, dass die Platten ursprünglich aus einem höherwertigen Bereich der Kirche stammen, zum Beispiel dem Chorraum, und um 1750 in den Turmraum verlegt wurden. „Auch wenn’s nur ein Fetzen von einem Quadratdezimeter ist“, sagt er, „und auch weil wir kein Vergleichsstück haben“, sei das Ornament ein wichtiger Befund, der erhalten und sichtbar bleiben soll. Wegen der fehlenden Vergleichsstücke sei auch eine Datierung derzeit nicht möglich. Der Architekt Rudi Einholz kann sich vorstellen, es unter einer schützenden Glasplatte sichtbar zu lassen.
Undatiert sind auch die wenigen einzelnen Knochen und die grün oder gelb glasierten Keramikscherben, die der Grabungstechniker Ulrich Mayer von der Außenstelle Speyer der GDKE zutage gefördert hat. Sie sind „so kleinteilig“, dass ein Bestimmung ohne genauere Analysen nicht möglich sei. Mayer nimmt daher an, dass sie beim Neubau der Kirche zwischen 1752 und 1754 in den Boden gerieten, als dieser aufgeschüttet wurde. Und die entdeckten Brandspuren in einer der untersuchten Bodenschichten? „Das sieht eher nach einer umgefallenen Kerze aus“, so Mayer. „Das sind aber nur Vermutungen“, denn gegraben wurde ja nur punktuell.
Wandschmuck in reformierter Kirche einmalig
Auch andere Fragen bleiben. Erstaunlich nämlich ist, dass sich die Ornamente in einer reformierten Kirche überhaupt erhalten haben, wo sich doch reformierte Kirchen von den herkömmlichen Gotteshäusern gerade durch ihre Schmucklosigkeit absetzten. „Auch das ist einmalig“, sagt der Architekt. Und die großflächigen Malereien umrahmen nicht nur das Fenster, sondern auch die alte Eingangstür. Sie sollen auch nach der Renovierung in ganzer Höhe bis zum Boden hin sichtbar bleiben, so der Architekt. Auch sie könnten hinter Glas geschützt werden, so der Architekt.
Doch bis der Raum genutzt werden kann, „kommt noch einiges an Arbeit auf uns zu“, sagt Haro Schreiner, der Vorsitzende der Haßlocher Turminitiative. Und auch an Kosten. Die Turminitiative habe zwar einen Kredit aufgenommen, damit die Renovierungsarbeiten überhaupt beginnen konnten, aber es fehle beispielsweise noch das Geld für die Bemalung der Rippen und des Haßlocher Amtssiegels auf dem Schlussstein der Decke.
Turmraum wird begehbar gemacht
Und der Raum muss begehbar werden. Dafür erhält die jetzt ausgehobene Fläche eine tragfähige Unterschicht, auf der später gelbe Sandsteinplatten liegen werden. Dafür habe sich das Presbyterium entschieden, so Pfarrer Schmidt-Roscher. Vom Marktplatz aus soll eine Rampe den Raum barrierefrei erreichbar machen, von der Kirche aus eine dreistufige Treppe mit einem Podest. „Das ist das, was machbar ist“, betont Schmidt-Roscher, „und das ist auch sinnvoll“. Die Kirche könnte dann den Raum beispielsweise für Friedensandachten oder Empfänge nach Gottesdiensten nutzen.
Die Turminitiative stellt sich eine Nutzung auch für Marktkonzerte vor, für kleine Ausstellungen, Vorträge und als „Raum der Stille oder des Gedenkens“, so Schreiner. Um die 50 Personen könne der Raum fassen. Und er soll auch touristisch genutzt werden. „Alles kostenfrei“, betont Schreiner, „wir wollen ja nichts daran verdienen, sondern das kulturelle Erbe Haßlochs wahren.“
Spendenkonto
Turm-Initiative Haßloch, IBAN: DE50 5465 1240 0004 9049 00.