Deidesheim
Skepsis gegenüber Plänen für eine Vinothek mit Restaurant
Wo in der Bahnhofstraße zurzeit eine Podologiepraxis mit Kosmetikstudio betrieben wird, soll künftig eine Vinothek mit Außen- und Innenbewirtschaftung ihren Platz haben. Rein baurechtlich gesehen hätte der Stadtrat die Nutzungsänderung absegnen können. Große bauliche Änderungen nicht geplant. Dennoch hat der Rat Bedenken. Denn er hält die Pläne des Niederkirchner Weinguts Bergkeller, das das gastronomische Angebot aufbauen will, keinesfalls für vollständig durchdacht.
Vor allem die geplante Außenbewirtschaftung entlang der östlichen Grundstücksgrenze stößt auf Einwände. Auch seien die Pläne einer Vinothek mit Restaurant und einer Außenbewirtschaftung in der Nachbarschaft nicht bekannt, hieß es im Rat. Die Pläne haben insofern eine besondere Brisanz, als sich im hinteren Teil des Hofes in der Bahnhofstraße eine Scheune befindet, deren Eigentümerin Ursula Reinhardt ein Durchfahrtsrecht zur Sicherung der Zufahrt zu dieser Scheune hat.
Scheune wäre nicht mehr erreichbar
Die Bewirtung im Außenbereich würde dazu führen, dass die Scheune nicht mehr mit dem Auto erreichbar wäre. Denn die für das Gastronomieangebot nötigen Stellplätze sind teilweise hinter der Scheune, teilweise davor geplant. Bisher gab es nach RHEINPFALZ-Informationen keine Gespräche zwischen dem Weingut Bergkeller und Ursula Reinhardt wegen der geplanten Nutzung von Gebäude und Hof und wegen des Durchfahrtsrechts. Nach Bekanntwerden der Pläne habe Reinhardt ihre Einwände bei der Bauverwaltung der Verbandsgemeinde geltend gemacht, informierte Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU).
Die Bahnhofstraße ist durch die Gaststätten am Stadtplatz sowie in der Bahnhofstraße ohnehin verkehrstechnisch stark belastet. Unabhängig von der Frage, ob es in diesem Bereich einen Bedarf an einem weiterer Gastronomiebetrieb gibt, will der Stadtrat die Stellplatzproblematik vollständig geklärt wissen, bevor er sein Einvernehmen zu der Nutzungsänderung gibt.
Erst die offenen Fragen klären
„Solange diese Fragen nicht geklärt sind, sehe ich mich nicht in der Lage, darüber eine Entscheidung zu treffen“, sagte Joachim Reis (CDU). Deshalb beschloss das Gremium einstimmig, dass zunächst die Verwaltung, aber auch die untere Bauaufsichtsbehörde, die Kreisverwaltung Bad Dürkheim, mit dem Eigentümer des Weinguts Bergkeller, Klaus Andres, die Problematik der Stellplätze und des Zugangs zur Scheune klärt. Erst danach soll das Thema erneut im Stadtrat beraten werden. Eine Zufahrt zur Scheune von der Prinz-Rupprecht-Straße sei nicht möglich, hieß es im Rat.
Mit den im Rat gestellten Fragen hätte sich Klaus Andres ohnehin beschäftigen müssen, da für die Anfahrt der Scheune auf dem Hinterlieger-Grundstück weder eine Baulast noch eine Regelung über eine Dienstbarkeit besteht. Hier wäre zumindest eine privatrechtliche Regelung zu treffen, um die Erschließung des Grundstücks zu sichern.
Andres in Deidesheim kein Unbekannter
Andres ist in Deidesheim in der Gastronomie kein Unbekannter. Vor über vier Jahren hatte er zusammen mit Peter Gallian das ehemalige Weingut Dietz Matti gepachtet und sich dort mit dem Restaurant „Zum Schwanen“ sowie einer Vinothek ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein geschaffen. Vor zwei Jahren kam es jedoch zur Trennung der einstigen Freunde, so dass Andres in der Weinstraße 40 derzeit nur noch die Vinothek führt. Peter Gallian führt das Restaurant und den Hofbetrieb inzwischen in alleiniger Regie.
Andres hat aber seine Pläne, sich mit einem Gastronomie-Angebot in Deidesheim zu etablieren, nicht aus den Augen verloren. Seit zwei Jahren hat er immer wieder private Veranstaltungen durchgeführt sowie einen Ausschank beim Weihnachtsmarkt und der Weinkerwe organisiert.
Der Eigentümer des Anwesens in der Bahnhofstraße 14 nutzt das Objekt derzeit nicht selbst. Im Erdgeschoss befindet sich seit fünf Jahren die Kosmetik- und Podologie-Praxis von Katarzyna Urbanska. Der Mietvertrag läuft noch bis zum Jahresende. Offensichtlich will der Eigentümer das Vertragsverhältnis nicht mehr verlängern. Der Kosmetikerin waren die Pläne zur Nutzungsänderung indes bisher nach eigenen Angaben nicht bekannt. „Mit mir wurde darüber nicht gesprochen“, sagte Urbanska auf RHEINFPALZ-Nachfrage.