Blickpunkt
Schwere Zeiten für Obstbauern
„Jeden Baum musste ich beregnen“, zieht Obstbauer Emil Hilberth aus Erpolzheim eine Bilanz des trockenen Sommers. Seine zehn Hektar große Anbaufläche ist an den Beregnungsverband Vorderpfalz angeschlossen. Das Bewässern mit Altrheinwasser habe gut funktioniert. Es habe nur kleine Einschränkungen gegeben. „Ich gehe auch sparsam damit um“, betont Hilberth. Knapp 400 Liter pro Quadratmeter hat er seit Ende Mai aus den Leitungen des Verbands entnommen, damit seine Apfelbäume den trockenen Sommer gut überstehen. Außerdem habe er im April das Wasser noch gegen den Spätfrost einsetzen müssen. Hilberth schätzt, dass er zum Jahresende rund 10.000 bis 12.000 Euro an den Verband wird zahlen müssen. „Nach normalen Sommern bin ich deutlich unter 10.000 Euro“, erläutert der 64-Jährige.
Das Beregnungswasser musste Hilberth in diesem Jahr auch noch zum Kühlen der Früchte einsetzen. Denn bei Temperaturen von über 35 Grad droht Sonnenbrand. „Dann schmilzt das Eiweiß im Apfel und er wird ungenießbar“, erklärt Hilberth. Die Sonnenbrand-Äpfel müssen vor der Ernte aussortiert werden. An zehn bis zwölf Tagen habe er die Früchte beregnen müssen – jedoch nicht in allen Anlagen, sondern nur in den 20 Prozent, die nicht mit Hagelschutz-Netzen ausgestattet sind. Denn die Netze schützen auch vor UV-Strahlung. War im vergangenen Sommer die feuchte Witterung mit Pilzkrankheiten das Problem, müsse nun mit Sonnen- und Trockenschäden umgegangen werden. „Es wird immer schwieriger“, muss Hilberth feststellen. Mit der Ernte von Elstar- und Gala-Äpfeln hat er bereits begonnen – acht bis zehn Tage früher als üblich.
In moderne Regenmaschinen investiert
Auch Peter Zimmermann ist schon mittendrin in der Apfelernte. Der Obstbauer aus Wachenheim hat sich für seine vier Hektar große Anbaufläche moderne Regenmaschinen mit Zeitschaltuhr angeschafft. Vorzugsweise früh morgens oder nachts wurde gegossen. Der Sommer sei ähnlich sonnig gewesen wie 2003 – aber mit der Einschränkung, dass es damals noch öfter ein kleines Gewitter zwischendurch gegeben habe. „Ohne Beregnung könnte ich hier keinen Obstanbau betreiben“, bringt es Zimmermann auf den Punkt. 600 Liter pro Quadratmeter Niederschlag im Jahr sollte in der Vorderpfalz eigentlich fallen. Diese Menge sei entscheidend, damit der Boden Humus und somit Nährstoffe für die Bäume bilden könne. Da diese Menge in den vergangenen Jahren nicht mehr zusammengekommen ist, gleicht sie Zimmerman mit Hilfe von Wasser des Beregnungsverbands aus. Über diese 600 Liter bewässert Zimmermann nicht – auch wenn beispielsweise am Bodensee 1200 Liter pro Quadratmeter als normal gelten. „Die Bäume muss man auch trainieren“, findet er. Um die Bäume zusätzlich zu entlasten, habe er die Erntemenge durch Ausdünnen etwas reduziert. Trotzdem werde noch eine gute Menge erreicht, versichert er.
„Ohne Beregnung geht es nicht mehr“
Dass natürlicher Niederschlag durch nichts zu ersetzen ist, betont Obstbauer und Winzer Christian Eimer aus Weisenheim am Sand. Mit der Tröpfchenberegnung komme man doch an seine Grenzen. Aber auch der 33-Jährige muss mangels Wasser von oben auf die maschinelle Bewässerung setzen. „Ohne geht es nicht mehr“, muss Eimer feststellen. Vor dem Gewitter am Freitag habe es im Juni das letzte Mal geregnet. Um seine Obstbäume alle bewässern zu können, habe er die Felder in den vergangenen Jahren so zusammengezogen, dass sie ans Leitungsnetz des Beregnungsverbands angeschlossen werden konnten. Außerhalb dieses Leitungsnetzes habe der Obstbau keine Chance mehr. „Die Bäume verbrennen richtig“, sagt Eimer. Die Schäden, die dadurch verursacht würden, seien oft auch langfristig. Auch der Sommer 2021 sei nicht nass gewesen. „Er war nur geprägt von einzelnen Starkregenereignissen.“ Insbesondere vermisst Eimer die Winterniederschläge. „Dadurch vertrocknen die Böden immer mehr, sie werden so hart, dass sie Regen, insbesondere bei kurzen, starken Gewittern gar nicht mehr aufnehmen können.“
Auch Eimer rechnet mit 10.000 bis 15.000 Euro, die ihn dieser Sommer an Beregnungswasser kostet. Der geringere Ertrag – eine Folge der Frostschäden vom April – sei letztlich für die Bäume gut gewesen. Würden sie bei der Trockenheit im Sommer auch noch voller Früchte hängen, entstehe dadurch nur noch mehr Stress. Die Zwetschgenernte beendet Eimer bereits in der kommenden Woche. Bei den Preisen machten sich die gestiegenen landwirtschaftlichen Kosten nicht bemerkbar: „Sie sind gleich bis ein bisschen schlechter als letztes Jahr“, erklärt Eimer.