KIRCHHEIM / KLEINKARLBACH RHEINPFALZ Plus Artikel Schule fragt Eltern: Was tun, wenn Lehrer krank sind?

Wenig Reserve: Der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach (im Bild: das Gebäude in Kirchheim) stehen 187,5 Lehrerwochenstunden zur
Wenig Reserve: Der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach (im Bild: das Gebäude in Kirchheim) stehen 187,5 Lehrerwochenstunden zur Verfügung. Für den Regelunterricht werden 182 gebraucht.

Den Eltern der Grundschüler aus Kirchheim und Kleinkarlbach ist Anfang dieses Jahres eine bemerkenswerte Frage gestellt worden: Sollen ihre Kinder auf andere Klassen verteilt werden oder gleich ganz zu Hause bleiben, wenn der Lehrer krank ist? Was zunächst nach einer Bankrotterklärung klingt, ist laut Aufsichtsbehörde gängige Praxis.

Im Elternbrief wurde erklärt, dass der Schulleitung „im Falle von Erkrankungen, Fortbildung oder anderer begründeter Abwesenheit innerhalb des Kollegiums leider keinerlei Vertretungskapazitäten von außen zur Verfügung stehen.“ Es gebe keine Vertretungslehrer, keine Feuerwehrlehrkräfte und ab 31. Januar auch nicht mehr die vorübergehen angestellte Vertretungskraft, denn die von Bund und Land bereitgestellten Mittel seien ausgelaufen. Fehle ein Lehrer, müsse das Kollegium die Vertretung aus eigener Kraft stemmen – es bleibe also ausschließlich das Aufteilen oder Abbestellen der Klasse.

„Mit dem Elternbrief sollte lediglich ein Meinungsbild der Eltern eingeholt werden“, erklärt Sandra Hanauer, die Rektorin der Grundschule. Falls von acht Lehrkräften vier erkrankten und keine Vertretungslehrer zur Verfügung stünden, was im Dezember 2022 schon einmal der Fall gewesen sei, sollen die Eltern künftig selbst entscheiden, wie ihr Kind betreut wird.

Es gibt schuleigene Vertretungskonzepte

Dass das Abbestellen ganzer Schulklassen nichts Neues oder Außergewöhnliches ist, bestätigt Timm Kauhausen, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ADD in Trier, deren Schulabteilung die Verantwortung für knapp 1600 Schulen in Rheinland-Pfalz trägt und mehr als 41.000 Lehrkräfte betreut. Es sei der Behörde wichtig, dass Grundschulkinder guten und verlässlichen Unterricht erhalten – aber nicht immer könne der gewährleistet werden.

„Bei Ausfällen von geringer Dauer ist es Aufgabe der Schulleitung, den Vertretungsunterricht zu organisieren“, erklärt Kauhausen. „In diesen Fällen greifen die vorhandenen schuleigenen Vertretungskonzepte. Dazu gehören zum Beispiel Vertretungsunterricht, Aufteilung einer Klasse oder Zusammenlegen von Klassen.“ Sollte im Einzelfall kein Unterricht stattfinden können, würden die Grundschulen sicherstellen, dass es für Schüler, die nicht zu Hause betreut werden können, in der Schule ein Betreuungsangebot gibt.

Abbestellung nur im äußersten Notfall

Die Vorgehensweise, eine ganze Klasse zu Hause zu lassen, sei nur nach Rücksprache mit der Schulaufsicht zulässig – und nur dann, wenn es keine Möglichkeit der Vertretung gibt. „Das sollte die Ausnahme bleiben“, sagt Kauhausen. Damit das für alle Schulen gilt, habe die ADD bei der Planung im Sommer 2022 alles dafür vorbereitet, dass es zum Start des Schuljahrs 2022/2023 eine gute personelle Ausstattung gebe – auch an der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach.

„Der Einrichtung stehen derzeit 187,5 Lehrerwochenstunden zur Verfügung“, teilt Kauhausen mit. Zur Abdeckung des Regelunterrichts benötige sie 182 Lehrerwochenstunden, sodass 5,5 Stunden für Förderung oder Doppelbesetzungen genutzt werden könnten. Außerdem habe die Schule über das Corona-Aufholprogramm bis zum 31. Januar zusätzlich zehn Lehrerwochenstunden erhalten. Allerdings könne es bei aller Planung stets unvorhersehbare und kurzfristige Entwicklungen geben, die neue Pläne notwendig machten.

In Einzelfällen gibt es keine Lösung

„So waren vor Weihnachten vier Lehrkräfte an der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach erkrankt und die Vertretung aller Lehrkräfte nicht möglich“, sagt Kauhausen. Zu dem Zeitpunkt habe auch die Feuerwehrkraft nicht zur Verfügung, da sie an einer anderen Schule eingesetzt war. Es sei sehr bedauerlich, dass es in einzelnen Fällen oder unter besonderen Umständen nicht sofort gelinge, den Vertretungsbedarf vollständig zu decken – grundsätzlich suchten aber alle Verantwortlichen immer nach der bestmöglichen Lösung.

Die ADD in Trier stehe in engem Kontakt mit der Schulleiterin, um auch die Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach zu unterstützen.

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