Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Schlossparkfreunde noch immer aktiv und bei Laune

Sie sind über die Gartenarbeit Freunde geworden (von links): Rolf Sponheimer, Jörg Erdmann, Jürgen Schubert, Herbert Lautermann,
Sie sind über die Gartenarbeit Freunde geworden (von links): Rolf Sponheimer, Jörg Erdmann, Jürgen Schubert, Herbert Lautermann, Renate Keiser sowie Walter und Cécile Becker.

Seit rund 30 Jahren pflegt eine Gruppe von Dirmsteinern freiwillig den Park am Koeth-Wanscheid’schen Schloss. Sie tut das mit Herzblut und in aller Freundschaft – und spart der Gemeinde eine ganze Menge Geld.

Ein Nachmittag im März, 12 Grad, die bunt gemischte Vogelschar zwitschert, was das Zeug hält. Durch den Haupteingang des Parks und vorbei am Koeth-Wanscheid’schen Schloss laufen wir auf eine nicht zu übersehende Holzhütte zu. Sie ist sozusagen das Vereinsheim einer Gruppe Ehrenamtlicher, die in Teilen so lange schon den Schlosspark pflegt, dass sich Mitgründer Herbert Lautermann gar nicht mehr genau erinnern kann. „Seit ungefähr 30 Jahren“, meint der 80-Jährige.

Gerade mal fünf Jahre jünger ist Walter Becker, der ebenfalls schon lange dabei ist. „Die Hütte haben wir, seitdem wir aus dem Schloss raus mussten“, erklärt Becker. Gemeint ist: Die Ortsgemeinde hat das Schloss 2012 verkauft, und 2015 zog nach Neu- und Umbauarbeiten eine Privatklinik für psychosomatisch erkrankte Menschen dort ein.

Zwei Stunden im Monat

Werkzeug und Gartengeräte, Sitzmöbel und Kühlschrank, Geschirr und Getränke: Die achtköpfige Rentnergruppe hat in dem Häuschen alles, was sie braucht, um arbeiten und gesellig sein zu können. An diesem Mittwoch – man trifft sich in der Regel einmal im Monat für zwei Stunden – stehen leichte Aufgaben an, hauptsächlich Totholz und Streumüll sammeln, Laub zusammenkehren und hier und da Büsche zurückschneiden.

Ansonsten sind die Schlossparkfreunde, die 2011 mit dem Bürgerpreis des Landkreises Bad Dürkheim ausgezeichnet wurden, auch fürs Mähen, das Freihalten der Wege, etwa nach einem Sturm, das Aufspüren von Schäden und kleinere Reparaturen zuständig. Und für den Teich im Zentrum des Landschaftsparks. In dem dekorativen Gewässer mit Anschluss an den Bachlauf müsse regelmäßig der Wasserstand geprüft werden, erzählt Walter Becker. Es gebe eine Frischwasser- und eine Umwälzpumpe, erläutert er und nimmt gleich mal Ortsbürgermeister Bernd Eberle (FWG) in die Pflicht. Die Umwälzpumpe sei schon längere Zeit kaputt und müsse repariert oder ersetzt werden.

Der Landschaftspark gehört zum Koeth-Wanscheid’schen Schloss, das im Hintergrund zu sehen ist und seit Jahren eine psychosomatis
Der Landschaftspark gehört zum Koeth-Wanscheid’schen Schloss, das im Hintergrund zu sehen ist und seit Jahren eine psychosomatische Privatklinik beherbergt.

Eberle haben die Parkfreunde anlässlich des RHEINPFALZ-Besuchs hinzugebeten, denn schließlich ist er der Hausherr. Der Koeth-Wanscheid’sche Garten ging 2012 nämlich nicht an den Klinikträger über, sondern gehört nach wie vor den Dirmsteinern. Die Patienten und Mitarbeiter der Klinik dürfen ihn selbstverständlich ebenso nutzen wie deren Gäste und die Touristen. An diesem Nachmittag eher nicht, aber im Sommer sei das Areal sehr gut besucht, wissen die Gartenpfleger. Es eigne sich für Yoga und Gymnastik und sogar fürs Joggen.

Er ist ja auch wunderschön, dieser im 19. Jahrhundert angelegte Englische Garten, der im Gegensatz zu den geometrisch angelegten Barockgärten eine natürliche Landschaft imitiert und kaum Blumen enthält. Die Osterglocken und Gänseblümchen, die sich an einzelnen Stellen das Sprießen nicht verbieten lassen, sind vermutlich das Äußerste, was die Denkmalschützer in dem unter Schutz stehenden Park zulassen. Blumen zu pflanzen ist dem ehrenamtlichen Pflegetrupp laut Herbert Lautermann jedenfalls strengstens verboten.

Zahlreiche Vogelarten zu Gast

Dafür dürfen sie aber ganz offensichtlich die Vogelwelt beglücken. An vielen der rund 190 Bäume hängen Nistkästen, und Walter Becker ist in dem Club derjenige, der am besten weiß, welche Arten, seien es Bewohner oder Besucher, hier anzutreffen sind: diverse Rabenvögel sowie Dompfaff, Nachtigall, Graureiher, Bunt- und Grünspecht, Halsbandsittich, Bussard, Waldohreule, Eisvogel, Gebirgsstelze ... Becker kann sie gar nicht alle aufzählen. Auch Fledermäuse, Siebenschläfer und Eichhörnchen lieben den Park.

Und was haben seine Beschützer selbst davon? „Es ist unser großer Garten vor der Haustür“, sagt Lautermann und hebt das Miteinander in der Gruppe hervor. Und auch das gute Gefühl, das jeder hat, weil er der Kommune und damit der Dorfgemeinschaft viel Geld in Form von Arbeitskraft spart. „Das stimmt auf jeden Fall“, sagt Bürgermeister Eberle. Die angestellten Gemeindearbeiter könnten das alles gar nicht leisten, was die Ehrenamtlichen hier täten. Die Dirmsteiner wüssten das schon zu schätzen, meint Lautermann, „ab und zu bekommen wir Geld- und Weinspenden“.

Ein bisschen wurden die Schlossparkfreunde im vergangenen Jahr entlastet: Sie müssen keinen Schließdienst mehr machen. Der Park ist jetzt Tag und Nacht geöffnet, „denn wer will, kommt ja ohnehin rein“, meint Eberle mit Blick auf einige niedrige Mauern. Probleme mit Vandalismus habe es seitdem zum Glück kaum bis gar nicht gegeben.

Kontakt

Wer Lust hat, die Dirmsteiner Schlossparkfreunde zu unterstützen, kann sich an Herbert Lautermann, Telefon 06238 3505, oder Walter Becker, 06238 3774, wenden.

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