Kreis Bad Duerkheim Reaktionen aufs Quietschen
Wirklich zufrieden ist der Grünstadter Klaus Heidenreich nicht. Denn zunächst habe sich von sich aus nur CDU-Bundestagsabgeordneter Johannes Steiniger auf seinen offenen Brief bei ihm gemeldet, so der Bewohner des Bitzenstraßen-Hochhauses. In seinem offenen Brief zum „Kreischen der Züge“ rund um den Grünstadter Bahnhof, der an 35 politische Mandatsträger verschickt wurde, fordert Heidenreich, dass die Deutsche Bahn „das Gleisbett aus der Dampflok-Ära auf 650 Metern Länge modernisiert“. Denn er beklagt, dass das Kreischen der täglich 71 Züge auf den „museumsreifen Holzschwellen“ unerträglich laut ist. Inzwischen gibt es eine Reihe von Reaktionen. So teilt das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium mit, dass die Deutsche Bahn in dieser Woche „erste verlässliche Auswertungen der Akustikmessungen erwartet“. Diese hatte die DB Systemtechnik im Juli am Freinsheimer Bahnhof nach den dortigen Beschwerden über das Kreischen der Züge durchgeführt. Außerdem habe die DB versichert, dass die „Gleisanlagen regelmäßig überprüft“ würden. Demnach entsprächen die Grünstadter Holzschwellen den „geltenden Richtlinien und Vorgaben, die definieren, welche Züge auf welchen Strecken unter anderem mit welcher Achslast fahren können“, so die DB: „Zu schwere Züge sind damit ausgeschlossen.“ Unter kreischenden Zügen leiden auch Anlieger des Freinsheimer Bahnhofs. Allerdings richtet sich dort die Kritik gegen den Lärm beim Bremsen der Züge. Eine Freinsheimer Initiative hatte deswegen schon früher Kontakt zur DB Regio gesucht. Henning Möller, Unterstützer des „Hauptaktiven“ Arno Krüger bei den Freinsheimer Zuglärmgegnern, teilt mit, dass der Lärm nicht an den Holzschwellen liegen könne. Denn „Freinsheim hat eine neue Gleis-Infrastruktur, aber das gleiche laute Rad-Schiene-Schleifen seit dem Einsatz der Lint-Fahrzeuge“, wie es nun in Grünstadt kritisiert wird. Heidenreich, der mit Freinsheimer „Quietsch-Gegnern“ in Kontakt steht, sagt dazu, dass er nur das schildere, was er seit Monaten täglich von seinem Balkon aus beobachtet: „Es ist das Phänomen, dass das Quietschen wesentlich lauter wird, wenn die Züge von den Beton- auf die Holzbohlen kommen.“ Ob das alte Gleisbett Ursache oder Verstärkung des hochfrequenten Lärms in Grünstadt ist, wolle und könne er nicht beurteilen, so Heidenreich, wohl aber, dass das Kreischen der täglich 71 Züge für die Anlieger nicht mehr hinzunehmen ist. Heidenreich: „Klar ist aber auch, dass sowohl in Freinsheim als auch in Grünstadt der erhöhte Zuglärm – ob beim Bremsen in Freinsheim oder auf Gleisbögen mit Holzbohlen in Grünstadt – seit der Einführung der neuen Lint-Züge beklagt wird.“ Dies sei der entscheidende gemeinsame Kritikpunkt beider Initiativen. Deshalb beobachte er die dortige Entwicklung auch mit Interesse. Etwa, dass sich am 24. Oktober die Kritiker mit Vertretern der DB Regio treffen, um unter anderem über die Ergebnisse der Akustik-Messungen im Juli zu sprechen. Der CDU-Bundestagsabgeordneter Steiniger hat sich vor Ort eine Stunde lang den hochfrequenten Zuggeräuschen gewidmet und festgestellt, „dass die Lärmbelastungen enorm hoch sind“. Steiniger hat nicht nur die Lautstärke der kreischenden Züge per Handy dokumentiert, sondern will beide Bahn-Gesellschaften – die DB Regio ist für Züge, die DB Netz fürs Schienennetz zuständig – kontaktieren und um eine Stellungnahme bitten. Grünstadts Stadtbürgermeister Klaus Wagner hat zudem ein Schreiben zum Zuglärm verfasst, in dem er das Eisenbahn-Bundesamt um eine ausführliche Stellungnahme zum Kreischen der Züge bittet. Die Grünstadter SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Mrosek-Handwerk gibt zu bedenken, dass „durch die erhöhten Geräuschemissionen außer den bereits an der Bahnstrecke wohnenden Bürgern auch die zukünftigen Bewohner des neuen Baugebiets ,In der Bitz’ Beeinträchtigungen erfahren könnten“. Zudem sei denkbar, dass Besucher des Mehrgenerationenspielplatzes „Alla Hopp“ durch das Zugkreischen belastet werden. Deswegen fordert die SPD eine Ortsbesichtigung mit der Bahn sowie eine Lärm-Messung im Bereich des Grünstadter Bahnhofs.