Niederkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel Rat hält Unfallgefahr für zu groß

Auch über diesen Weg zwischen Forst (im Hintergrund) und Niederkirchen soll die Rollski-Strecke führen.
Auch über diesen Weg zwischen Forst (im Hintergrund) und Niederkirchen soll die Rollski-Strecke führen.

Drei Gemeinden liegt ein Antrag des Skiverbands Pfalz vor, der eine Rollski-Strecke ausweisen will: Neben Deidesheim und Forst ist Niederkirchen betroffen, allerdings nur am Rand. Im Gegensatz zu Deidesheim ist Niederkirchen gegen das Vorhaben. Warum?

Zwei Strecken für zwei Wettkämpfe im Rollski, Nordic Blading und Sommerbiathlon in der „kühlen Jahreszeit“ sieht ein Antrag des Skiverbands Pfalz vor. Während die Runde „Meisenbrunnen“ durch Forster und Deidesheimer Gemarkung verläuft, ist bei der „Hofstückrunde“ neben Deidesheim auch Niederkirchen mit einem kurzen Abschnitt im Westen des Ortes betroffen.

Obwohl dieser Abschnitt größtenteils zu öffentlichen Straßen (Deidesheimer Straße) gehört, sprach sich die Bauern- und Winzerschaft in einer Stellungnahme vorab deutlich gegen den Antrag des Skiverbands aus. Der Ortsverband hat Bedenken, dass die Sportler zu Zeiten, zu denen keine Wettkämpfe ausgeschrieben sind, auf den Strecken trainieren und sich die Unfallgefahr dadurch deutlich erhöht, erläuterte Martin Fußer, Ortsvorsitzender der Bauern- und Winzerschaft, in der Gemeinderatssitzung.

Sommerski eine „aufstrebende Sportart“

Josef Deimel (CDU) stellte sich auf die Seite der Winzer: „Es ist wahrscheinlich, dass die Athleten nicht nur in Wettkampfzeiten, sondern das ganze Jahr über fahren.“ Judith Becker (FWG), Erste Beigeordnete des Ortes, und Hans Stähly (FWG) sehen ebenfalls Nutzungskonflikte auf die Gemeinde zukommen. Stähly sprach sich eindeutig gegen den Antrag aus und argumentierte: „Wenn der Weg einmal bekannt ist, kommen sie aus allen Himmelsrichtungen. Sommerski ist eine aufstrebende Sportart, und der Winzer ist der Leidtragende.“

Norbert Schied, Vorsitzender des Skiverbands, verteidigte das Vorhaben: „Die Rollskifahrer hier in der Region sind eine kleine Gruppe, das ist ein dezenter Sport, der nicht mit Mountainbiken vergleichbar ist.“ Zu Wettbewerben kommen laut Schied 20 bis 50 Teilnehmer. Es gebe auch keine großen Zuschauermengen, lediglich Familienangehörige und der eine oder andere Spaziergänger würden die Sportler anfeuern. „Die vorgeschlagene Strecke bietet sich durch den Streckenverlauf und die vorhandenen Steigungen und Abfahrten besonders gut an. Um die Sicherheit und die Reinigung vorher sowie nachher kümmert sich der Veranstalter“, erläuterte er.

Neuer Antrag für jeden Wettkampf

Isabel Mackensen (SPD) wunderte sich, warum der Antrag gerade jetzt ein Thema sei, Veranstaltungen habe es doch auch vorher schon ohne Zustimmung der Räte gegeben. Schied wies darauf hin, dass der Skiverband mit diesem Antrag auch die Vermessung der Strecke beantragt. Laut Deutscher Wettkampfordnung sei dies erforderlich, um Veranstaltungen durchführen zu können. Wenn die Strecke einmal offiziell vermessen worden sei – was immerhin ein paar tausend Euro kosten würde – müsse dies nicht vor jedem Wettkampf neu erfolgen. Er stellte klar: „Das Vermessen hat nichts mit dem Bewerben der Strecke zu tun, die Vermessungen sind nur für uns als Verband.“ Für jeden Wettkampf müsse trotzdem ein neuer Antrag gestellt werden.

Melanie Braun (CDU) verdeutlichte, dass gegenseitige Rücksicht und Vorsicht für alle Verkehrsteilnehmer gelte. Wer als (Hobby-)Sportler auf der Deidesheimer Straße fahren wolle, sei selbst für sich verantwortlich, so Braun. Ortsbürgermeister Stefan Stähly (FWG) zeigte sich ebenfalls nicht abgeneigt gegenüber dem Antrag. „Die Leute können auch heute schon über das ganze Jahr trainieren“, sagte er. Matthias Pfaffmann und Patrick Heck (beide CDU) schlugen eine einjährige Testphase vor, nach der man sich mit den Winzern zusammensetzen könne, um herauszufinden, ob diese eine stärkere Nutzung der Wege festgestellt haben.

Der Gemeinderat lehnte den Antrag schließlich mit sechs Nein-Stimmen bei vier Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen ab – im Gegensatz zum Stadtrat Deidesheim, der am Dienstag zugestimmt hat. Nach dem Niederkirchener Votum werde auch die Verbandsgemeinde dem Antrag in der vorliegenden Form nicht zustimmen, sagte Verbandsbürgermeister Peter Lubenau (CDU). Skiverbandspräsident Norbert Schied indes betonte, dass die Entscheidung aus Sicht des Skiclubs keineswegs das Aus für das Projekt bedeute. Nach der Behandlung des Antrags in allen betroffenen Ortsgemeinderäten wolle der Skiclub eine Veranstaltung beantragen, allerdings ohne Aufzeichnung der Strecke nach offiziellen Normen (Homolegierung).

INFO

Gemeinderat Forst, 15. Dezember, 19 Uhr, Felix-Christoph-Traberger-Halle.

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