Laumersheim
Plan für Vogelschutz: Landwirte haben „heftige Einwände“
Verständnisvolle Blicke erntete der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung von Dennis Zimmermann. Der Leiter des Bauamts in der Verbandsgemeindeverwaltung Leiningerland war als VG-Vertreter am Mittwoch vor Ort. Für die Gemeinde sei das erst einmal als eine Sache zu verstehen, die zur Kenntnis genommen werden kann. Doch voraussichtlich werde sich auch die VG dazu noch mit einer negativen Stellungnahme äußern. Der Grund: Von fast allen Ortsgemeinden erhalte man dazu derzeit negative Rückmeldungen oder Enthaltungen.
Doch worum geht es eigentlich? Die Pflanzen- und Tierwelt innerhalb des „Natura 2000- und Vogelschutzgebiets Haardtrand“ soll noch besser geschützt werden. Grundlage dafür sind Vorgaben auf europäischer Ebene, die über das rheinland-pfälzische Landesnaturschutzgesetz vor Ort umgesetzt werden sollen. Kommt es zur Umsetzung von Maßnahmen, so soll auf die Eigentümer der jeweiligen Flächen zugegangen werden, um eine einvernehmliche Regelung zu finden, heißt es in den dazugehörigen Unterlagen, die der Ortsgemeinderat erhalten hat.
Philipp Kuhn: „früh juristischen Beistand holen“
Der bisherige Entwurf für die Maßnahmen im Gebiet Haardtrand ist 140 Seiten stark. Laumersheim ist dort von mehreren sogenannten Zielräumen betroffen. Darin erwähnt sind beispielsweise die ehemaligen Sandabbaustellen Palmberg südöstlich von Laumersheim und Großkarlbach bis Gerolsheim. Dort soll das Habitat von Vögeln wie Ziegenmelker, Steinschmätzer, Zaunammer oder Neuntöter wiederhergestellt werden und der alte Baumbestand erhalten bleiben. Maßnahmen dafür sollen „eine Beruhigung des Gebietes gegenüber Naherholungsnutzung“ erreichen. Sprich: Dort soll möglichst wenig stattfinden, das die Vögel stören könnte.
Dennis Zimmermann stellte am Mittwoch fest: „Landwirte in der Region haben ein Problem mit dem Thema“, und sprach in diesem Zusammenhang von „heftigen Einwänden“. Die Landwirte würden auf jeden Fall die Möglichkeit zur Stellungnahme nutzen. Bis zum 30. November hatten zunächst Verbands- und Ortsgemeinden Zeit, den Entwurf durch Hinweise oder Anregungen zu kommentieren. Zimmermann zufolge ist dafür aber bereits eine Fristverlängerung bis Mitte Februar beantragt worden. Danach soll es eine öffentliche Auslegung des Entwurfs und Möglichkeiten zur Stellungnahme durch Bürger geben.
Einer, der im Rat am Mittwoch besonders negativ auf den Entwurf reagiert hat, ist Winzer Philipp Kuhn (FWG). Aufgrund schlechter Vorerfahrungen mit ähnlichen Konzepten, bei denen es erst geheißen habe, es werde sich nichts ändern, habe er in diesem Punkt „das Vertrauen verloren“. Er sieht unter anderem Bürgerhaus-Veranstaltungen oder Weinwanderungen künftig in Gefahr, wenn es noch strengere Regelungen zugunsten des Vogelschutzes geben sollte, und empfahl, sich „frühzeitig juristischen Beistand“ zu holen, um den Planungsentwurf genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Befürchtung des Landwirts: So ein Plan komme einer Enteignung der von Landwirten betriebenen Flächen gleich, die im Zweifelsfall nicht mehr bewirtschaftet werden könnten.