Deidesheim / Niederkirchen RHEINPFALZ Plus Artikel „Pfalz-Digders“ bauen ihre Instrumente selbst

Begeistert vom Didgeridoo-Bau (von links): Bruno Wagenseil, Johannes Becker, Jörg Wunderlich und Peter Gläsel mit ihren Instrume
Begeistert vom Didgeridoo-Bau (von links): Bruno Wagenseil, Johannes Becker, Jörg Wunderlich und Peter Gläsel mit ihren Instrumenten.

Auf einem Gartengrundstück zwischen Deidesheim und Niederkirchen fliegen am Samstag die Späne. Von einigen Männerstirnen rinnt Schweiß. Es gilt, bis zu 170 Zentimeter lange Stämme oder Äste auszuhöhlen, um sie später zum Klingen zu bringen: Die Männer bauen Didgeridoos.

Einmal im Jahr treffen sich Mitglieder der „Pfalz-Digders“, einer gut ein Dutzend starken Gruppe von Didgeridoo-Spielern und -Spielerinnen (Frauen sind noch in der Minderzahl) zu einem Workshop. Sie arbeiten an individuellen Didgeridoos, den traditionellen Blasinstrumenten australischer Aborigines, und machen mit ihren außergewöhnlichen Instrumenten gemeinsam Musik.

Natürlich lassen sich Didgeridoos auch fertig kaufen, doch ganz auf die Person des Spielers abgestimmt sind die selbst hergestellten. Und das kostet viel Zeit. Johannes Becker aus Böhl-Iggelheim beispielsweise arbeitet schon seit zwei Jahren an einem Didgeridoo aus australischem Eukalyptusholz. Und das, obwohl die Termiten beim Aushöhlen des etwa 170 Zentimeter langen Stamms schon gute Vorarbeit geleistet haben. Ja, natürlich könne er so ein Instrument auch innerhalb von zwei Wochen schaffen, wenn er die ganze Zeit dran bliebe, meint er. Dann aber würde die Familie zu kurz kommen. Und überhaupt: „Didgeridoo und Eile, das verträgt sich nicht.“

Länge und Durchmesser entscheidend

Jörg Wunderlich aus Mainz hat sich ein unterarmdickes Stück heimischer Weide für sein neues Instrument ausgesucht. „Ein Testprojekt“, sagt er, „mal sehen, wie es klingt.“ Im Gegensatz zu Becker, der das Holz als ganzes Stück bearbeitet, schafft er mit der Sandwich-Bauweise: Das Holz wird der Länge nach durchgesägt, die ausgehöhlten Hälften werden dann wieder zusammengefügt.

Die Länge des Instruments ist neben dem Durchmesser entscheidend für seinen Grundton, erläutert Peter Gläser aus Landau. Und je weiter die Öffnung am unteren Ende des Didgeridoos ist, desto lauter wird der Ton.

Der Grundton selbst wird erzeugt durch das Lippenflattern, „so ähnlich wie das Schnauben eines Pferdes“, macht es Becker anschaulich. So entsteht im Instrument eine vibrierende Luftsäule.

Wie das klingt, lassen bei einer Kostprobe Axel Jung aus Straubenhardt und Klaus Schiestl aus Mannheim hören. Ein tiefer Grundton beginnt zu schwingen. Weitere Töne werden darauf mit verschiedenen Techniken „aufmoduliert“ und erzeugen ein auch körperlich spürbares Meer aus Klängen, in das Spieler und Zuhörer eintauchen.

Einsatz in der Klangtherapie

„Mit dem kurzen Einatmen und dem langen Ausatmen ist dieses Spielen eine Art Atemmeditation“, sagt Klaus Schiestl. „Es lässt sich medizinisch auch in der Klangtherapie einsetzen“, weiß Wunderlich. Es könne Asthmakranken Erleichterung bringen, die Probleme damit haben, den Schleim abzuhusten. Zudem soll es gegen Schlaf-Apnoe und Schnarchen helfen. Zweimal, so Wunderlich weiter, habe sogar ein Lungenarzt schon Patienten zu den Pfalz-Didgers geschickt.

Es gibt aber auch „die perkussive Richtung, das Punkige“, erklären die Pfalz-Didgers. Dabei ermöglichen ihnen kürzere Instrumente ein schnelleres Spielen, gern begleitet von Rhythmusinstrumenten oder dem Monochord.

Zu hören sind die Pfalz-Didgers auf Weihnachtsmärkten unter anderem in Landau. Sie treten als Straßenmusiker auf und spielen bei Geburtstagen, Hochzeiten und sogar Beerdigungen. Einmal im Jahr sind sie auf Burg Wilenstein bei Trippstadt beim Festival „Didgeridakel“, und sie bieten Workshops auch zum Erlernen des Instruments an.

Kurzinfo

Nähere Informationen gibt es im Internet unter https://www.pfalz-didgers.de.

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