Kreis Bad Duerkheim Pfälzerin „mit Huddel und Labbe“
Annemarie Keifel-Sauer ist Wirtin aus Leidenschaft. Sie betrachtet ihre Gäste mehr als Freunde oder Familienangehörige. Umgekehrt vergelten ihr das die Gäste mit Treue, manche Familien kommen schon in der dritten Generation zu ihr auf den Mundhardter Hof, gelegen im Wald zwischen Wachenheim und Bad Dürkheim. Im März 1959 bekamen die Eltern von Annemarie Keifel-Sauer, Ernst und Auguste Keifel, die Schankerlaubnis für den Mundhardter Hof. Sie habe von Anfang an gewusst, dass sie die Wirtschaft mal übernehmen werde, sagt die 63-Jährige heute. Sie hat im Dürkheimer Kurhaus Hauswirtschaftsmeisterin gelernt und damals als Beste abgeschnitten, erzählt ihr Mann Benno Sauer. Ihr scheint das weniger erwähnenswert. 1990 starb die Mutter, mit der zusammen sie den Betrieb zunächst geführt hatte, und seither bekocht, oder vielleicht sollte man eher sagen bemuttert, die Wirtin ihre Gäste mit gleichbleibender Leidenschaft. „Die Wirtschaft ist mein Leben und ich liebe meine Gäste“, bekennt sie. Ans Aufhören denkt sie mit 63 Jahren noch nicht, sie lebe ganz im Hier und Jetzt, und da spiele diese Frage keine Rolle, meint Keifel-Sauer entschieden. Außerdem habe sie schon immer gerne geschafft. In der Küche hilft ihr jemand, am Wochenende wird sie noch von der Tochter unterstützt, ihr Mann Benno bedient die Gäste. Ihr jüngster Gast ist vor drei Monaten geboren, das Kind zweier in Mannheim lebender Iren, die regelmäßig in den Mundhardter Hof zum Essen kommen. Ein Bild des Babys steht in der Wirtschaft und die Wirtin spricht von ihm wie von einem Familienmitglied. Sie schätzt die Kommunikation mit ihren Gästen und beschreibt die geselligen Runden so: „Bei uns wird live gelebt.“ Außerdem sei sie Pfälzerin „mit Huddel und Labbe“, so drückt man in der Pfalz hundertprozentige Überzeugungen aus. Auf der Speisekarte von Annemarie Keifel-Sauer findet sich aber nicht nur typisch Pfälzisches. „Man muss seinen Gästen auch mal etwas Ungewöhnliches anbieten“, findet sie. Dazu gehört zum Beispiel Couscous, ein Gericht aus der nordafrikanischen Küche. Für Vegetarier hat sie ein Wirsinggericht mit Käse auf der Speisekarte oder einen Linseneintopf. Im Winter gibt es Grünkohlgerichte, im Herbst steht die Kastanie im Mittelpunkt. Im Frühjahr ist es der Spargel, im Sommer kommt viel Salat und Fisch auf die Tische des Hauses. Zudem gibt es im November seit 25 Jahren eine Wildwoche. Sechs- bis siebenmal 70 Kilo Rotkraut werden in einem Winter zubereitet, erzählt die Wirtin – oder auch zwölf Kisten Grünkohl. Bekannt ist sie, wie schon ihre Mutter, für ihre Schnitzel. 1991 haben sie und ihr Mann umgebaut und seither vermieten sie auch Zimmer. An ihre allerersten Übernachtungsgäste kann sich Annemarie Keifel-Sauer noch sehr gut erinnern, sie kommen heute noch. Die Zimmer waren eben fertig, da gab es eine telefonische Anfrage aus Holland, erzählt die Wirtin schmunzelnd. Auf dem Hof standen dann Mitglieder eines Motorrad-Clubs mit für sie gewöhnungsbedürftigem Aussehen. Sie habe noch gedacht „meine schönen Zimmer“, erzählt Keifel-Sauer, aber sie wurden Freunde fürs Leben. Seither habe sie sich abgewöhnt, allzu viel aufs Äußere zu geben, meint sie. Unter anderem diese Biker und viele andere Stammgäste erwartet sie am 13. Juli, wenn auf dem Mundhardter Hof das Jubiläum zum 60-jährigen Bestehen gefeiert wird.