Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Osterbriefe für Senioren im Altenzentrum

Ostergruß einer 14-jährigen Schülerin.
Ostergruß einer 14-jährigen Schülerin.

Ostern ohne gemeinsames Festessen, ohne fröhliche Treffen, Ostern allein: In diesem Jahr macht ein Virus die Vorgaben für das Fest, und das fast weltweit. Doch es gibt überall auch Mutmacher. Warum eine Mail aus der italienischen Kleinstadt Bergamo über Neustadt bis zum Altenzentrum Deidesheim führt.

Bergamo. Das malerische Städtchen in Norditalien ist zum Symbol für das Leiden und Sterben durch Covid 19 in Europa geworden. Kaum eine Stadt hat so viele Tote zu beklagen, die Bilder von Militärkonvois, die Leichen abtransportieren, werden so schnell nicht in Vergessenheit geraten.

Doch stopp. Heute, an Ostern, soll es um die kleinen Geschichten gehen, die vom Mutmachen erzählen. Und ausgerechnet aus Bergamo erreichte die Redaktion dieser Tage die Mail einer Erzieherin, die von einer solchen Geschichte erzählt. Dass die Mail in der Pfalz landete, war zwar ein Zufall – die Erzieherin hat Freunde in Neustadt. Doch sie zeigt, dass nicht nur die Sorgen im Moment überall die gleichen sind, sondern auch die Mutmacher-Geschichten sich ähneln.

Über die Kräfte der Freundschaft

Um was also geht es? Um eine Erzählung über die Einsamkeit in Zeiten der Kontaktsperre und die Wunderkräfte der Freundschaft. Die Erzieherin Ilaria Limonta hat dazu einen Regenbogen-Baum erfunden – passend zum Regenbogen mit der Aufschrift „Alles wird gut“, der von Italien aus auch die Fenster der Häuser in Deutschland erobert hat. Veröffentlicht hat Limonta die Erzählung samt einer Bastelanleitung als Video auf Youtube.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der alte Baum Nono, der die spielenden Kinder um sich herum vermisst. Die Symbolik ist einfach, schließlich wendet die Erzieherin sich an Kinder. Nono bekommt vor lauter Traurigkeit keine Blätter. Schließlich kommt Hilfe von seiner besten Freundin, der Eule. Sie malt Blütenblätter und heftet sie an den Baum. Und in jedem Blütenblatt findet sich das Gesicht und der Name eines der Kinder, die sich gerade von dem alten Baum fernhalten müssen.

Geschenkidee für Großeltern

„Ich wollte etwas für die Kinder und für die Senioren machen“, erklärt die Erzieherin. Der nachgebastelte Baum sei ein schönes Oster-Geschenk, etwa für die Großeltern.

Und da sind wir auch schon wieder zurück in der Pfalz, denn die gleichen Gedanken haben sich auch hier viele Bürger und Initiativen gemacht. Ostern und keiner kommt zu Besuch – wie kann man dennoch ein Zeichen setzen, dass niemand vergessen wird?

Die Frage hat beispielsweise auch die 14-jährige Schülerin Melina Kaspar aus Rödersheim-Gronau beschäftigt. Eigentlich hätte sie in diesen Tagen ein Praktikum im Caritas-Altenzentrum Stiftung Bürgerhospital Deidesheim absolvieren sollen. Sie hatte sich dafür entschieden, weil sie die Einrichtung kennt. Ihr Hobby ist nämlich der Gardetanz, und an Fasnacht ist sie schon häufig als Tanzmariechen in dem Altenzentrum aufgetreten.

Briefe an die Senioren

Auf der Suche nach einer Alternative zu einem Praktikum hat sie sich entschieden, Briefe an die Senioren zu schreiben. „Basteln wäre auch schön gewesen“, sagt sie. Aber: Mit Briefen könnten die Bewohner des Altenzentrums sich länger beschäftigen. So erzählt sie ihnen kleine Begebenheiten aus ihrem Alltag und stellt ihnen Fragen. „Ich möchte sie damit motivieren, mir zurückzuschreiben“, erklärt die Schülerin. Das helfe schließlich auch gegen die Langeweile. Zusätzlich hat sie aber auch ein bisschen gebastelt und Osterkarten mit einem kleinen Spruch oder einem Gedicht versehen.

„Unseren Bewohnern tut das gut“, sagt Verena Renner, die Leiterin der Einrichtung. Schließlich hat sich der Alltag verändert für die Bewohner. Nicht nur, dass sie keine Besuche mehr bekommen dürfen. Auch der Kontakt unter den Bewohnern ist auf ein Minimum reduziert worden. Dazu sind feste Gruppen gebildet worden. Die Wohnbereiche sollen sich nicht mehr mischen. Nicht jeder verstehe, warum das alles jetzt so ist, sagt Renner. „Aber die meisten Bewohner tragen die Krise mit stoischer Ruhe.“

Auf Osterdekoration mussten die Senioren übrigens auch nicht verzichten. Dafür haben Angehörige der Bewohner und Freunde von Verena Renner gesorgt, die unter anderem kleine Lampen und 110 große Schmetterlinge gebastelt haben. Für jeden Bewohner einen. Und dann sind da natürlich noch die Päckchen und Karten der Angehörigen. Ostern kann kommen.

Link vom Video:

https://youtu.be/TI_ApzB2y8w

Die Serie:

Auch in dieser außerordentlich schwierigen Zeit der Corona-Pandemie gibt es Menschen, die sich besonders für andere einsetzen. Es sind Vorbilder für unsere Gesellschaft. Es sind Mutmacher. In dieser Serie stellen wir sie vor.

Nils erklärt: Einen Regenbogenbaum basteln, ist nicht schwer

Ostern ist dieses Jahr anders. Klar, es gibt wie immer Ostereier. Aber kein Familienfest und keinen Ausflug. Was ein Glück, dass ich auf eine schöne Bastelidee gestoßen bin: ein Regenbogenbaum. Da hab ich was zu tun, und Opa Nörgel freut sich auch. Denn der wird den Baum bekommen.

Schwer zu machen ist er nicht. Ihr braucht Papier, Buntstifte, Wasserfarben, einen Pinsel, eine Schere und Kleber. Papier am besten einen großen Bogen (ein kleiner tut’s aber auch) und einen weiteren kleinen Bogen. Auf den großen Bogen zeichnet ihr einen einfachen Baum: einen Stamm mit ein paar Ästen. Den malt ihr mit brauner Wasserfarbe an. Dann kommen die Blütenblätter. Dazu nehmt ihr den kleinen Bogen und faltet ihn insgesamt viermal. Zweimal der Länge nach und zweimal der Breite nach. Dann öffnet ihr ihn wieder. Durch das Falten sind jetzt 16 kleine Rechtecke entstanden. In jedes von ihnen zeichnet ihr zuerst einen Kreis, und um diesen herum vier Halbkreise. Schon ist die Blüte fertig. Nun fehlt noch das Gesicht in der Mitte und ein bisschen Farbe. Zum Schluss schreibt ihr auf jede Blüte einen Namen, darunter natürlich euern eigenen. Bei den übrigen Blüten überlegt ihr, wer denn heute an Ostern mit euch feiern würde. Nun schneidet ihr die Blüten aus und klebt sie auf. Fertig!

Die Bewohner des Caritas-Altenzentrums Stiftung Bürgerhospital freuen sich über selbstgebastelte Osterdekoration.
Die Bewohner des Caritas-Altenzentrums Stiftung Bürgerhospital freuen sich über selbstgebastelte Osterdekoration.
Eine Erzählung über Einsamkeit und Freundschaft: die Erzieherin Ilaria Limonta und der Regenbogenbaum.
Eine Erzählung über Einsamkeit und Freundschaft: die Erzieherin Ilaria Limonta und der Regenbogenbaum.
x