VG Deidesheim
Neues Klimaschutzkonzept: Verkehrssektor im Fokus
Weniger Autoverkehr, Ausbau der erneuerbaren Energien, eine bessere Dämmung der Gebäude: Die Grundideen, die sich im neuen Klimaschutzkonzept für die Gemeinden Forst, Meckenheim, Ruppertsberg und die Verbandsgemeinde finden, sind im Einzelnen nicht neu. Neu ist dagegen, dass die verschiedenen Punkte zusammengetragen und Prioritäten festgehalten wurden. Auch ist die Umsetzung nun genau beschrieben, mit Zuständigkeiten, Handlungsschritten, Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten. Bei der Stadt Deidesheim und der Gemeinde Niederkirchen ist das Verfahren etwas anders, da diese bereits 2013 ein Klimaschutzkonzept erarbeitet haben, das nun lediglich fortgeschrieben werden muss.
Anzahl der Pkw pro Einwohner „sehr hoch“
Ein ganz wichtiger Punkt im neuen Konzept ist der Autoverkehr. Der Verkehrssektor habe mit 50 Prozent den größten Anteil am Endenergieverbrauch, heißt es dazu im Konzeptentwurf. Und die Verbandsgemeinde Deidesheim gehört zu den Kommunen, in denen die Anzahl der privaten Pkw pro Einwohner besonders hoch ist. 0,67 sind es, „und da ist jeder Säugling mitgezählt“, wie Klimaschutzmanagerin Claudia Breuer erklärt. Pro Haushalt liegt die Anzahl der Pkw bei 1,1. Es geht also darum, das Zweitauto überflüssig zu machen. Aber wie?
„Die Ansätze dazu sind da“, sagt Breuer. So sind beispielsweise neue Formen der Mobilität bereits im Gespräch, die Verbandsgemeinde hat beispielsweise ihr Interesse an „Mobilität auf Abruf“ (mobility on demand) bekundet. In Neustadt wird das bereits angeboten, eine Ausweitung auf die Verbandsgemeinde Deidesheim ist denkbar. Car-Sharing wäre ein weiterer Ansatz. Die Schwierigkeit: „In ländlichen Regionen rechnet sich das nicht für ein privates Unternehmen.“ Einen Ausweg sieht Breuer im Zusammenschluss mehrerer Kommunen und der Umsetzung eines solchen Modells über einen Verein.
Stärkung der Ortskerne
Beitragen zu einer Reduzierung des Autoverkehrs würde aber auch die Stärkung der Ortskerne, erklärt Breuer. „Kleine Infrastruktur“ im Dorf trage dazu bei, „dass man nicht für jedes Päckchen Zucker das Auto nehmen muss“. Gute Ansätze gebe es in Meckenheim beispielsweise mit den zahlreichen Hofläden. Doch Kartoffeln und Äpfel im Einkaufsnetz nach Hause schleppen? Hier könnte ein ausleihbares E-Lastenbike helfen, heißt es im Konzeptentwurf.
Apropos Rad: Um die Bürger zu motivieren, vom Auto aufs Rad umzusteigen, sind gute Radwege und sichere Abstellmöglichkeiten nötig. Hilfreich wäre auch eine Lade-Infrastruktur für E-Bikes. In punkto Radwege ist eine Verbesserung der Lage bereits in Sicht. Der barrierefreie Ausbau der Radwege wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Bad Dürkheim geplant und soll schon in diesem Jahr in Angriff genommen werden.
Zur Verstopfung der Ortskerne mit Privatautos führen aber auch die Pkw der Gäste. Ziel müsse sein, den Tourismus-Verkehr aus den Innenbereichen der Orte herauszuhalten, indem an den Ortsrändern Park & Ride-Parkplätze angelegt werden, erklärt Breuer. Beispielsweise in Deidesheim zwischen den beiden Verkehrskreiseln nach der Abfahrt von der B 271. Die Aufenthaltsqualität in den historischen Ortskernen würde dadurch erheblich gesteigert, ist die Klimamanagerin überzeugt.
„Klimasünder“ Privathaushalte
An zweiter Stelle der „Klimasünder“ nach dem Verkehr stehen die privaten Haushalte. Deutschlandweit habe der Gebäudesektor einen Anteil von 14 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen, heißt es in dem Konzeptentwurf. In der Verbandsgemeinde habe die Bautätigkeit in den vergangenen 50 Jahren stark zugenommen, die meisten Häuser seien jedoch entstanden, bevor Energiestandards entwickelt wurden. Energiesparpotenziale gibt es vor allem durch die energetische Sanierung von Gebäude und durch die Installation von Photovoltaik-Anlagen. Letztere könnten aber auch auf öffentlichen Gebäuden errichtet werden (auf verschiedenen Schulen gibt es sie schon), auf vorbelasteten Freiflächen – etwa entlang von Bahntrassen oder der Autobahn – oder über Parkplätzen. Mit Park & Ride-Parkplätzen könnten somit quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden.
Bei Neuprojekten schließlich kann die Klimaschutz-Latte höher gelegt werden. So könnten in Bebauungsplänen der Bau von Photovoltaikanlagen von Nahwärmenetzen oder die Nutzung von Erdwärme vorgeschrieben werden. Beim geplanten Neubaugebiet in Meckenheim (M7) ist so etwas bereits in der Diskussion.
Aber auch bei der Energieversorgung werden Möglichkeiten aufgezeigt, den CO2-Ausstoß zu verringern. In der Verbandsgemeinde gibt es bei Meckenheim eine Vorrangfläche für Windkraft – etwa 40 Hektar in Nachbarschaft zur Gemeinde Haßloch, die bisher nicht genutzt wird.
Termin
Das Klimaschutzkonzept ist Thema im Umweltausschuss am Donnerstag, 17. Februar, 19.30 Uhr, in der Stadthalle Deidesheim. Außerdem ist es auf der Homepage der Verbandsgemeinde einsehbar.
Zur Sache:
Die Erarbeitung von Klimaschutzkonzepten wird von der Bundesregierung seit 2008 gefördert. In der Verbandsgemeinde Deidesheim haben die Stadt Deidesheim und Niederkirchen bereits 2013 ein Konzept erarbeitet. Der Beschluss, ein solches auch für Forst, Meckenheim, Ruppertsberg und die Verbandsgemeinde in ihren Zuständigkeiten zu entwickeln, fiel 2019. In einem ersten Schritt wurden eine Energie- und CO2-Bilanz erstellt und Potenziale analysiert. Darauf folgte die Beteiligung von Bürgern und Experten. Auftaktveranstaltung war am 30. August 2021. Es gab vier Workshops, darüber hinaus Expertenworkshops, beispielsweise zum Thema Mobilität oder Energie. Insgesamt wurden 110 Maßnahmen vorgeschlagen, von denen die Steuerungsgruppe 30 auswählte.
