Nachgeschenkt
Nachgeschenkt: Von der Weinstraße und der richtigen Schreibweise von Wein
Wie schreibt man eigentlich Wei(n)?
Pfälzisch – eine gute Sache. Meistens. Sehr gut geeignet zum Plaudern mit dem Nachbarn, wunderbar beim Singen schöner Mundartlieder. Doch einen Haken hat die Sache immer. Spätestens, wenn einer mal seine Gefühle und Gedanken im heimischen Dialekt zu Papier bringen möchte, fällt äm des Gebabbel niemmi so leicht. Denn wie bringt man das so Dahergesagte in die Schriftsprache? Während sich bei Klassikern wie Alla hopp oder Grumbeer sicher jeder auf diese Schreibweise einigen kann, gibt es ja nun niemanden auf der Welt, der was sagen kann, wenn man Worschdmarkt schreibt oder Worschtmarkt oder Worschdtmaagd.
Ich finde, das ist gut so. Zumal der Pfälzer Dialekt, das wissen wir ja, von Ort zu Ort verschieden sein kann. Tante Ulla aus Kirchheim spricht sicher ein bisschen anders als Onkel Willi aus dem Lambrechter Tal.
Das heißt aber nicht, dass die Verschriftlichung von Mundart nicht auch Fragen aufwerfen kann. So machten mich aufmerksame Kollegen beim Text über Kurt Dehn schon vor Erscheinen darauf aufmerksam, dass ihnen die Schreibweise von Palzwei irgendwie komisch vorkommt. Denn eigentlich singt man doch im weinseligen Schubkarchstandrausch eher ein wonnig-dunkles Oi als ein heiter-helles Ei. Einer schaute sogar auf seiner Kurt-Dehn-Platte nach und fand dort ein Woi abgedruckt. Nach der Veröffentlichung haben wir außerdem eine Zuschrift eines Lesers erhalten, der sich an dem Wei richtiggehend störte. Und auch ich habe mir natürlich Gedanken gemacht: Aber was ist nun richtig?
Ich habe mich dafür entschieden, einem zu folgen, der es vielleicht am ehesten wissen kann und der über Mundart-Probleme wirklich erhaben sein sollte: Kurt Dehn selbst. Und der hat immer, verschiedener Plattencover zum Trotz, in seinen Niederschriften auf der Schreibmaschine oder mit der Hand, auf das Wort Wei gereimt. Vielleicht weil sich Wörter wie nei, Rhei(n) und sei(n) so einfach viel besser reimen? Woi taucht bei Dehn jedenfalls nicht auf.
Deshalb war auch in der Zeitung vom Palzwei und nicht vom Palzwoi die Rede. Richtig oder falsch – vielleicht gibt es das gar nicht. Ob Woi oder Wei, Hauptsache es schmeckt. Oder um es mit Kurt Dehn zu sagen: „Wer Palzwei trinke kann, der is geeicht, ja, Pälzisch, des ist doch net ganz so leicht.“
Stau auf der Weinstraße
Wer schon lange an der Wachenheimer Weinstraße wohnt, der erlebt derzeit ein Déjà-vu-Erlebnis: Wegen der Vollsperrung der B 271 zwischen Ruppertsberg und Wachenheim wälzt sich derzeit der Durchgangsverkehr durch die enge, kurvenreiche Ortsdurchfahrt – inklusive eines beträchtlichen Rückstaus an der Ampelkreuzung. Fast so, wie es vor der Fertigstellung der B 271 zwischen Neustadt und Bad Dürkheim 1999 war. Ein Zustand, den die Menschen in Ungstein, Leistadt, Kallstadt oder Herxheim am Berg nur zu gut kennen. Die Wachenheimer können sich allerdings auf ein schnelles Ende ihrer Zeitreise in die Vergangenheit freuen: Denn die Bauarbeiten bei Deidesheim, die Grund für die Sperrung der B 271 und der daraus resultierenden Umleitung sind, werden im August abgeschlossen. Dann werden auch Wachenheim und Friedelsheim wieder entlastet. Die Bürger der Gemeinden nördlich der Dürkheimer Kernstadt können von einer derart kurzfristigen Perspektive nur träumen. Für sie bleibt die Hoffnung, dass zumindest der Abschnitt der B 271 neu zwischen Bad Dürkheim und Herxheim möglichst bald ins lange ersehnte Planfeststellungsverfahren eintreten kann. Dass im Jahr 2021 sowohl Landtags- als auch Bundestagswahlen anstehen, ist für das Großprojekt dabei sicherlich kein Nachteil.
Abstandsgebot und Maskenpflicht
Eine andere Zeitreise gilt es unbedingt zu vermeiden: Die in die Phase des Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie. Dass im Kreis Bad Dürkheim seit Wochen keine neuen Infektionen mehr bestätigt wurden, spricht zum einen für das umsichtige Handeln der Behörden, vor allem aber für die Vernunft der allermeisten Bürger. Ein Beleg dafür mag sein, dass die Kreisverwaltung bislang noch keinen einzigen Bußgeldbescheid wegen eines Verstoßes gegen die Maskenpflicht verschickt hat. Dass das Virus allerdings nicht verschwunden ist, zeigt nicht nur der Blick in die USA oder nach Brasilien. Gerade in der Urlaubszeit ist die Verlockung groß, alles nicht ganz so eng zu sehen – Abstandsgebot und Maskenpflicht dürfen aber nicht dazu gehören. Jetzt, wo die Ordnungsämter ihre Kontrollen zurückgefahren haben und viele Vorschriften gelockert wurden, ist die Vernunft des Einzelnen wichtiger denn je.