Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Museum charmanter machen“

Das Museum für Weinkultur im historischen Rathaus von Deidesheim soll attraktiver werden – das wünscht sich der neue Vorstand de
Das Museum für Weinkultur im historischen Rathaus von Deidesheim soll attraktiver werden – das wünscht sich der neue Vorstand des Vereins.

Wenn es um den Weinbau geht, dann engagiert sich Susanne Winterling-Eichberger gerne. Die frühere deutsche Weinprinzessin und dreifache Mutter hat jetzt nach dem Ausscheiden von Gerald Niederberger den Vorsitz beim Verein „Museum für Weinkultur“ übernommen. Die 33 Jahre alte Weinwirtschafterin möchte gemeinsam mit den Winzern die Geschichte des Weinbaus mit Leben erfüllen.

Sie haben nach drei Jahren als zweite Vorsitzende jetzt den Vorsitz übernommen. War der Wechsel nach dem Ausscheiden von Gerald Niederberger als Geschäftsführer des hiesigen Winzervereins nicht voraussehbar?
Gerald engagiert sich immer noch im Museum. Um nah dran zu bleiben und sich in so einem Ehrenamt voll einzubringen ist es gut, regelmäßig vor Ort zu sein. Das war bei meinem Vorgänger aus beruflichen und privaten Gründen nicht möglich. Da wir im Drei-Jahres-Turnus Wahlen hatten, hat es einfach gepasst, jetzt den Wechsel zu vollziehen. Nach drei Jahren, in denen ich das Museum kennenlernen durfte, war es naheliegend, mich als Vorstand zur Verfügung zu stellen. Ich habe das Museum tatsächlich lieben gelernt. Es ist ein einzigartiges Kleinod mit unglaublich viel Potenzial, es befindet sich in Deidesheim, wo Wein und Tourismus eng miteinander verbunden sind. Die Auszeichnung „Höhepunkt der Weinkultur“, die Eigenschaft als Cittaslow und das einmalige Biosphärenreservat Pfälzerwald sind nur einige Punkte, warum das Museum für Weinkultur hierher passt und erhaltenswert ist.

Sie sind jetzt mit einer deutlich verjüngten Mannschaft angetreten. Welche Ziele gibt es beim Museum für Weinkultur?
Das Museum für Weinkultur muss klar an Bekanntheit gewinnen. Dazu wollen wir gerne mit den Weingütern aus der Verbandsgemeinde Deidesheim zusammenarbeiten. Außerdem planen wir eine Neuerung und Anpassung des Museums „von innen heraus“. Die Ausstellung ist wirklich schön und einzigartig. Dazu soll ein Konzept entwickelt werden, um diese auch für Kinder aktiv erlebbar zu machen. Der „junge“ Vorstand ist eine bunte Mischung, jeder der dabei ist, soll seine Stärken einbringen. Weil es für uns alle eine zusätzliche Aktivität neben unserer beruflichen ist, hat jeder seine Schwerpunkte. Nur so können wir was leisten und vorankommen. Außerdem sind wir über jeden froh, der sich mit engagieren will, beispielsweise zu den Öffnungszeiten. Ab 1. April ist das Museum wieder geöffnet und erwacht aus der Winterpause.

Nur ganz wenige Einheimische kennen das Museum im historischen Rathaus, auch bei den Gästen ist es kaum bekannt. Wie wollen Sie dem entgegentreten?
Wir haben das Glück, eine wunderbar agierende Tourist Information zu haben. In Korrespondenz mit dieser und der Stadt arbeiten wir an einem Konzept. Dabei haben wir zwar schon konkrete, aber noch nicht spruchreife Vorstellungen – klar ist nur: Es tut sich was. Sobald das Museum mit noch mehr Attraktionen aufwarten wird, ist es mit der Bekanntheit sicherlich einfacher. Ein Standortproblem hat es ja nicht.

Sind bereits erste Veranstaltungen zu bestimmten Themen in Planung?
Zunächst müssen auch bereits bestehende Veranstaltungen wie die „Promilese“ weiter voran getrieben werden. Außerdem wollen wir gerne einige Veranstaltungen im Museum stattfinden lassen, die eventuell nicht unter unserer Regie geführt werden, aber die Räumlichkeiten beleben. Vielleicht haben die Weingüter dazu Ideen.

Etwas in die Jahre gekommen ist auch die vom früheren Stadtbürgermeister Stefan Gillich ins Leben gerufene „Prominenten-Weinlese“ und die Begrüßung der Rebstockpächter. Wird es hier aus Ihrer Sicht auch zu Veränderungen kommen?
Schon im letzten Jahr haben wir es geschafft, die Veranstaltung zu dynamisieren. Dazu gab es jüngere neue Pächter und eine Terminverlegung des Lesezeitpunktes, sodass auch junge Berufstätige sich für das Spektakel Zeit nehmen können. Dass eine solche Veranstaltung, die nur einmal im Jahr ganz spontan zum richtigen Lesezeitpunkt der Trauben erfolgt, nicht von heute auf morgen einen Neuanstrich bekommt, das ist uns allen klar. Es wird sich auch hier etwas bewegen. Es muss nicht immer die Prominenz sein.

Zuletzt fiel auf, dass immer weniger Prominente daran teilnahmen und diejenigen, die dabei waren, sind bereits in einem hohen Alter. Gibt es Pläne, ein neues Format der Rebstockverpachtung umzusetzen?
Genau das meine ich: Die neuen Pächter werden jünger und vielleicht dabei zunächst mal unter der Rubrik „regionale Prominenz“ laufen. Das Wichtigste bei der Traubenernte von Hand ist die Stimmung. Um auch in Zukunft einen „Museumswein“ zu ernten, brauchen wir Pächter, die gerne dabei sind.

Stadtbürgermeister Manfred Dörr hatte zuletzt den Wunsch bekundet, beim Weinprobierstand des Winzervereins in der Bahnhofstraße auch das Museum für Weinkultur einbinden zu wollen, um möglicherweise eine Verlagerung des Standorts zu erreichen. Wie weit sind diese Gespräche?
Darüber habe ich mit ihm noch nicht gesprochen. Dieser Punkt entzieht sich derzeit absolut meiner Kenntnis.

Gibt es auch Überlegungen, im neu gewählten Vorstand verstärkt die hiesigen Winzer und deren Weingüter in die Arbeit einzubinden?
Gerne würden wir mit der Weinszene in engeren Kontakt kommen und mit dem Museum eine Win-win-Situation schaffen. Als Weingut könnte man die Räumlichkeiten nutzen und beleben, was wiederum das Museum bekannter und charmanter machen würde. Den Saal im Erdgeschoss kann man buchen. Das tun schon häufig Paare, die sich im Ratssaal trauen lassen. So ist die Location beispielsweise auch für Weinproben geeignet.

Susanne Winterling-Eichberger ist neue Vorsitzende des Trägervereins.
Susanne Winterling-Eichberger ist neue Vorsitzende des Trägervereins.
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