Kreis Bad Duerkheim Menschen mit Demenz richtig begegnen
Die Veranstaltungsreihe „Vergessenes Leben“ der Protestantischen Kirchengemeinde Bad Dürkheim zeigte am Samstag beim „Markt der Möglichkeiten“ im Mehrgenerationenhaus, wie man mit Menschen mit Demenz gut umgehen kann. Ein wichtiges Ziel der Veranstaltung: Das Thema stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken.
Die Palette der Angebote war breitgefächert: Martin Franke vom Pflegestützpunkt Bad Dürkheim machte auf seine kostenfreie Beratung und Hilfe rund um das Thema Pflege im häuslichen Umfeld aufmerksam. Er ist aber auch bei der Auswahl einer geeigneten Pflegeeinrichtung behilflich. Der Evangelische Krankenpflegeverein informierte die Besucher, dass die Pflegeversicherung nicht alle Pflegekosten übernimmt. „Wir schätzen, dass es in Bad Dürkheim rund 240 demente Menschen gibt“, vermutet Erich Sauer, der die Alzheimer Selbsthilfegruppe im Mehrgenerationenhaus leitet. Dort treffen sich einmal im Monat für zwei Stunden Angehörige, die zu Hause einen Alzheimerpatienten betreuen. In der Gruppe berichten sie über ihre Erfahrungen und Probleme, geben sich aber auch gegenseitig Halt. In Bad Dürkheim haben Patienten und pflegende Angehörige die Wahl zwischen zwei ambulanten Pflegediensten. Die christliche Sozialstation übernimmt die Grund- und Behandlungspflege, aber auch Betreuungs- und Entlastungspflege. Ihr Nostalgie-Café als Betreuungsgruppe im Mehrgenerationenhaus bietet Menschen mit Demenz die Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen. Schwester Petra Barth zeigte den Besuchern das Beschäftigungsangebot: ein Mensch-ärgere-dich-nicht im Großformat, ein Volksliederbuch für das gemeinsame Singen oder „Vertellekes“, ein Frage- und Antwortspiel für ältere Menschen, das zum Geschichtenerzählen anregen soll. Daneben gibt es weiche Bälle, die sich so gut greifen lassen und mit denen im Sitzen Bewegungsspiele gemacht werden. Der ambulante Pflegedienst „Sozialaktiv“ bietet als Besonderheit eine tiergestützte Therapie an. Geschäftsführerin Michaela Schmitt hatte ihre Therapiehündin Dakota mitgebracht. Das Tier kommt vor allem bei Menschen zum Einsatz, die aufgrund ihrer Krankheit keinen Kontakt zu anderen Menschen aufnehmen können. „Das Streicheln des Hundes hat eine Eisbrecherfunktion“, berichtet Schmitt. Wie man sich fühlt, wenn das Alter die Sinneswahrnehmungen beeinträchtigt oder die Beine nicht mehr so recht wollen, konnte jeder testen, der den „Age-Anzug“ anprobierte. Wer sich mit diesem Alterssimulationsanzug bewegt, versteht die Verhaltensweise älterer Menschen besser. Der Landesverein für Innere Mission demonstrierte damit die gesteigerte mentale Belastung und die zunehmende Bewegungsunsicherheit mit zunehmendem Alter. Pflegedirektorin Doris Wiegner vom Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim zeigte den „So wie ich bin“-Pass. Er soll demente Patienten künftig begleiten, zum Beispiel vom Altenheim ins Krankenhaus. So sind die Mitarbeiter sämtlicher betreuender Einrichtungen über die Biografie und die Lebensgewohnheiten des Patienten informiert, zum Beispiel welches sein Lieblingsessen ist oder was ihm Angst macht. Im Evangelischen Krankenhaus haben sich sieben Grüne Damen zur Validationsbegleiterin ausbilden lassen. Jetzt betreuen sie Patienten mit erhöhtem Betreuungsbedarf in der „Guud Stubb“ auf Station 3 von Pflegeexpertin Michaela Altpeter. „Wir vermitteln ihnen Ruhe“, erklärte Alise Höhn, Leiterin der Dürkheimer Grünen Damen. Hedwig Neu leitet das Validationszentrum des Landesvereins für Innere Mission in Wachenheim. Sie bietet Aus- und Weiterbildungskurse in Validation an und vermittelt auch Angehörigen das nötige Wissen für den Umgang mit verwirrten, alten Menschen. Validation ist eine Methode, die von der amerikanischen Gerontologin Naomi Feil entwickelt wurde. Nach ihr werden auch die Bewohner des Altenhilfezentrums Bürgerspital in Wachenheim betreut. Als weiteres Alten- und Pflegeheim stellte sich die St. Maria Altenhilfe vor. In dieser familiär geführten Einrichtung mit 42 Betten kümmert sich Beatrix Mattern um die pflegebedürftigen Senioren, für die auch Tages- und Kurzzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen. „Wir bieten diesen Service auch über die Wochenenden an, jeden Tag so, wie es gebraucht wird“, sagt sie. Ein weiterer Vorteil des Hauses sei das „Metabolic Circuit Training“ an Geräten, die speziell für die Seniorenfitness entwickelt wurden. Auch das Maternus Seniorenzentrum An den Salinen kümmert sich intensiv um seine rund 160 Bewohner. Wie Einrichtungsleiterin Heike Köppe betonte, sei es wichtig, dass die Individualität des Einzelnen nicht verloren gehe. Eine Videopräsentation vermittelte einen Eindruck von den Einrichtungen des Hauses, seiner Lage und dem Leben dort. Am Tisch der Büchereileiterin Sigrid de Raaf konnte keiner vorbeigehen, ohne einen interessierten Blick auf die große Auswahl an Büchern zum Thema Demenz zu werfen. Für die Angehörigen stehen Romane und Biografien zur Auswahl. Zahlreiche Sachbücher informieren über Demenz. Zur Erklärung für Kinder gibt es Bilderbücher, und auch zum Vorlesen und Erinnern für Demenzkranke stehen entsprechende Titel bereit. Die Stadt Bad Dürkheim war beim „Markt der Möglichkeiten“ ebenfalls dabei. Hedi Bonner und Rolf Lange präsentierten das Angebot des Seniorenbüros. Als Ansprechpartner im Rathaus haben sie donnerstags ein offenes Ohr für Fragen und Probleme der älteren Generation. (dox)