Deidesheim
Manfred Dörr: Parkverbotsschilder zeigen Wirkung
Herr Dörr, ein großes Thema in Deidesheim ist das Parken. Das ist zwar nicht neu, aber aktuell tut sich doch einiges.
Wir haben ja im vergangenen Jahr an den Engstellen in der Innenstadt auf das Parkverbot hingewiesen. Das zeigt nun Wirkung. Das Parkverbot wird mehr und mehr eingehalten, die Autos verschwinden von der Straße und werden in den Höfen und Garagen geparkt – wo sie hingehören. An dem Konzept werden wir in diesem Jahr noch weiterarbeiten.
Geplant ist ja auch noch, die Parksituation im Außenbereich zu verbessern. Das Schwierigste dürfte sein, mehr Parkflächen zu schaffen, oder?
Ja, und das ist auch das Teuerste, weil wir dafür auch Flächen kaufen oder pachten müssen. Der Parkplatz am südlichen Ortsrand, der bisher provisorisch ist, ist jetzt im Genehmigungsverfahren. Dort können auch Leute parken, die in die Stadt wollen. Weitere Plätze könnten im Osten entstehen, wenn im Zusammenhang mit dem Baugebiet D8 zwischen Feuerwehr und Rossmann ein Gewerbestreifen geschaffen wird. Da müssen wir eine Fläche für Parkzwecke und neue Mobilitätskonzepte finden. Die Gespräche laufen gerade.
Und wie sind die Chancen?
Im Moment sieht es ganz gut aus. Mit dem neuen Baugebiet wollen wir bezahlbaren Wohnraum schaffen, außerdem ist ein Sozialprojekt mit betreutem Wohnen geplant. Auch dafür brauchen wir eine Fläche. Die Stadt hat dort nur sehr wenig Grundbesitz, deshalb müssen die Grundstückseigentümer mitmachen.
Wird sich da in diesem Jahr noch etwas tun?
Die Entscheidung, ob die Idee mit dem Baugebiet weiterverfolgt wird, wird fallen.
Und wann, schätzen Sie, geht es weiter beim Bahnhofsumfeld?
Da bin ich eher zurückhaltend. Wir wollen uns Zeit lassen, um alles abzuklären, auch mit dem Eigentümer des Nachbargebäudes. Ich denke, da brauchen wir noch Zeit bis 2023 oder 2024. Aber noch einmal zum Thema Parken: Am nördlichen Ortseingang gibt es ebenfalls noch ein Grundstück, wo sich etwas machen ließe. Und auch beim Friedhof sehe ich Möglichkeiten, Parkflächen zu schaffen. Der Trend geht ja weiterhin weg von den Erdbestattungen, hin zu neuen Bestattungsformen. Deshalb brauchen wir vermutlich keine größere Erweiterungsfläche für den Friedhof mehr. Teile davon könnten als Parkfläche genutzt werden. Das wäre für den westlichen Bereich eine wichtige Entlastung.
Was haben Sie noch auf Ihrer To-Do-Liste?
Da gibt es schon noch ein paar große Baustellen. Wir müssen uns mit der Stadthalle beschäftigen, mit der Reithalle und mit der alten Feuerwehr. Das ganze Eck dort in der Bleichstraße könnte aufgewertet werden. Auch beim Forsthaus Benjental steht eine Entscheidung an. Das Haus ist in die Jahre gekommen, die Frage ist, ob wir es verkaufen. Solche Objekte kosten viel Geld in der Unterhaltung.
Apropos Geld. Wie ist es denn nach nun zwei Jahren Pandemie um die städtischen Finanzen bestellt?
Schlecht. Wir haben deutlich weniger Steuereinnahmen, haben aber im Gegensatz zu anderen Kommunen überhaupt keine Kompensationszahlungen für entgangene Gewerbesteuereinnahmen bekommen. Wir haben uns in den Jahren vor der Pandemie darum bemüht, die Einnahmen zu verbessern, dadurch standen wir ganz gut da. Aber Leistung wird anscheinend bestraft. Nach meiner Meinung hätte bei den Zuwendungen auch berücksichtigt werden müssen, dass unsere Betriebe an der Leistungsgrenze angekommen sind. Wir hoffen jetzt, dass wir das neue Baugebiet umsetzen können, und dadurch mittelfristig auch mehr Steuereinnahmen haben.
Wie ist denn die Stimmung in der Stadt derzeit?
Es gibt viel Frustration, gerade in der Gastronomie und Hotellerie, aber auch etwas Zuversicht und Aufbruchsstimmung im Sinne von Neugestaltung mit kreativen Ideen.
Glauben Sie, dass es im Frühjahr wieder einen Aufholeffekt im Tourismus gibt, so wie 2020 und 2021?
Da bin ich ziemlich zuversichtlich. Die Strahlkraft der Stadt ist so groß, dass die Besucher sicher schnell zurückkehren. Aber das, was über Monate weniger oder gar nicht eingenommen wurde, fehlt eben trotzdem.
Wie ist Ihre Prognose: Wird es dieses Jahr Weinfeste geben?
Vielleicht schon, aber etwas anders. Eine Viertelmillion Besucher, wie früher auf dem Weihnachtsmarkt, kann ich mir nicht vorstellen. Wir müssen überlegen, wie wir anders feiern können, mit neuen Konzepten. In welche Richtung es gehen kann, hat der Deidesheimer Advent gezeigt. Das ist durchweg positiv aufgenommen worden.
Die Serie
Was bringt das Jahr 2022 für die Gemeinden? Darüber sprechen wir in einer kleinen Serie mit den Ortsbürgermeistern.