Kreis Bad Duerkheim „Man spricht in jedem Dorf anders“
«Maxdorf.»Heimatforscher Walter Sattel macht Maxdorf ein besonderes Geschenk: Kurz vor dem 200. Jahrestag der Namensgebung der Ortsgemeinde im kommenden Jahr veröffentlicht er „Babblen wie ner wollen, awwer vegessen misch nedd“, ein Wörterbuch des Maxdorfer Dialekts. Das Buch wird morgen, Mittwoch, vorgestellt.
Das Dorf ist ab 1816 bevölkert worden, und da sind Leute aus verschiedenen Gegenden der Pfalz gekommen. Und wie das hier ist, spricht man in jedem Dorf ein bisschen anders. Aber es hat sich mit der Zeit aus diesem Mischmasch ein einheitlicher Dialekt gebildet. Deshalb ist Maxdorf ein Beispiel für die Entstehung eines Dialekts. Gibt es Besonderheiten, die Maxdorferisch vom Dialekt der umliegenden Dörfer unterscheidet? Das kann ich am besten an Beispielen zeigen. Es gibt verschiedene Arten, ein „a“ zu sprechen. Es gibt das ganz helle „a“, das ganz dunkle und eines, das normal nach „a“ klingt. Zum Papa sagen sie „Babbe“. Der Vokal am Ende wird als helles „a“ gesprochen. Bei „awwer“ – aber – wird das „a“ normal und bei „Agewwer“ – Angeber – wird das Anfangs-A nasal gesprochen. Ein anderes Beispiel sind die Variationen des „g“, das auch als Rachenlaut existiert. Etwa bei „griğe“ – kriegen, bekommen –, was aber bei „er hot ebbes griggt“ – er hat etwas bekommen – schon wieder anders ist. Das Rachen-g habe ich im Buch mit einem Häkchen markiert. Benutzen Sie die internationale Lautschrift der Sprachwissenschaftler, oder haben Sie eigene Zeichen? Ich habe eigene Zeichen entwickelt, in Anlehnung an das Pfälzische Wörterbuch. Für einen allein ist eine Bestandsaufnahme des Dorfdialekts doch kaum zu schaffen. Wie sind Sie vorgegangen? Im März 2017 habe ich über das Amtsblatt Leute gesucht, die in einem Arbeitskreis mitmachen. Allerdings hatte ich ein paar Bedingungen: Die Teilnehmer müssen mindestens 80 Jahre alt sein und in der dritten Generation in Maxdorf leben. Ich wollte an den Dialekt kommen, wie ihn mein Großvater gesprochen hat. Zum ersten Treffen kamen 25 Leute. Geblieben sind davon elf, die anderen konnten aus verschiedenen Gründen nicht regelmäßig mitmachen. Dann haben wir uns in zwei Gruppen geteilt, die sich abwechselnd mittwochs getroffen haben. Dann haben wir Worte gesammelt. Was kam da zusammen? Wir hatten etwa 6000 Begriffe, die wir auf typische Maxdorfer Aussprache geprüft haben. Danach haben wir gemeinsam Bedeutung und Aussprache festgelegt, manchmal auch das Geschlecht oder besondere Wortformen, wie die Verkleinerung. Es gab ewige Diskussionen. (lacht) Aber wir hatten auch viel Spaß! Konnten Sie dadurch beobachten, wie sich Sprache und Sprachgebrauch im Lauf der Zeit verändern? Ganz viele landwirtschaftliche Ausdrücke gehen verloren. Und sprechen heute die Leute in Maxdorf anders als früher? Selbstverständlich. Es kommt insgesamt zu einer Nivellierung und Angleichung der Dialektvarianten. Man arbeitet weiter weg oder geht woanders zur Schule, und man ist viel mehr mit Leuten aus anderen Orten zusammen. So gleichen sich die Dialekte an. Was in der Vorderpfalz gesprochen wird, ist einheitlicher geworden. Wie ist es mit jungen Leuten und dem pfälzischen Dialekt ? Die sprechen zu Hause oft Pfälzisch, können aber viel leichter auf Hochdeutsch umschalten als wir früher. Als ich 1946 auf die Oberschule nach Dürkheim kam, sprachen die Lehrer nur Hochdeutsch, anders als im Dorf. Ich musste Referate auf Hochdeutsch halten, und das war anfangs ein Kreuzweg, richtig schlimm. Heute ist das für Jugendliche leichter. Und dann gibt es ja auch das „Cool-Pfälzisch“... Was ist das? Viele junge Leute twittern und simsen „uff Pälzisch“, da ist Dialekt wieder cool. Termin Das Buch wird morgen, Mittwoch, 19 Uhr, im Pfarrzentrum St. Maximilian, Hauptstraße 77 in Maxdorf, vorgestellt.