Nachklapp
Losstrampeln und abschalten
Der Name täuscht ein bisschen. „Stadtradeln“ heißt keineswegs, dass das Ganze nur in Städten stattfindet. Der Kreis Bad Dürkheim beispielsweise macht in diesem Jahr schon zum dritten Mal mit bei dieser Kampagne des Netzwerks Klima-Bündnis.
Dabei zitiert wird übrigens regelmäßig der Radrennfahrer Eddy Mercks, und zwar mit den Worten: „Fahre so viel oder so wenig oder so lang oder so kurz, wie du dich fühlst. Aber fahre.“ Ob er das tatsächlich gesagt hat oder nicht, spielt keine Rolle. Der Satz passt in jedem Fall wunderbar zu der Aktion. Es geht darum, die Werbetrommel zu rühren, um die Menschen davon zu überzeugen, aufs Rad umzusteigen, gerade auch für kurze Strecken.
Von den „Stadtradel-Stars“ wird allerdings ein bisschen mehr erwartet. Dazu „erkoren“ werden in der Regel Kommunalpolitiker, und sie sollen drei Wochen lang konsequent aufs Auto verzichten. Da ist es natürlich eine Sache, ob man in Forst wohnt und in Deidesheim arbeitet, oder ob man in Iggelbach wohnt und in Neustadt arbeitet. Nur so als Beispiel.
„Ich sag lieber ,Pate’“
Letzteres ist aber tatsächlich der Fall beim „Stadtradel-Star“ der Verbandsgemeinde Lambrecht, Erich Pojtinger. Als „Star“ sieht er sich indes ganz und gar nicht. „Ich sag lieber ,Pate’“, erklärt er. Und räumt auch ein: In Zeiten wie diesen arbeitet er häufig im Homeoffice. Aber dennoch: Die Strecke zwischen seinem Wohnort und seinem Arbeitsplatz hat er schon häufig mit dem Fahrrad zurückgelegt. Genauer gesagt: mit dem Rennrad. Da ist er dann zwangsläufig auf der Straße unterwegs, denn der „Radweg“ zwischen Elmstein und Lambrecht ist eigentlich ein Forstweg und führt durch den Wald. Nichts für Rennrad-Fahrer. Eine Gruppe aus Elmstein, die sich auch beim „Stadtradeln“ beteiligt, fordert deshalb schon länger einen gut ausgebauten, asphaltierten Radweg auf dieser Strecke.
Da hat es Carsten Borck, Stadtradel-Star der Gemeinde Haßloch, ein bisschen besser. Er pendelt zwischen Landau und Haßloch hin und her – jeweils 30 Kilometer. Das ist zwar auch ziemlich weit, aber die Strecke führt über gut befahrbare Wirtschaftswege. Borck konnte außerdem diese Woche noch ein bisschen Kraft tanken, denn er hat noch Urlaub. Aber er hat auch gar keine Bedenken wegen der Strecke. Borck ist nämlich leidenschaftlicher Radfahrer und fährt auch ohne Klima-Kampagne gerne mit dem Rad von Landau nach Haßloch. „Das ist für mich ein wunderbares Training, und ich kann dabei abschalten“, erklärt er. Nicht schlecht. Immerhin hat Borck drei Räder zur Auswahl, wenn er morgens losfährt. Eines davon hat übrigens den Ausschlag gegeben, als er zum „Stadtradel-Star“ erkoren wurde. Sein Lastenrad. Das fällt schon ein bisschen mehr auf als ein normaler Drahtesel. Und es hat – im Gegensatz zu Borcks anderen beiden Rädern – auch eine kleines „Assistenzsystem“. Sprich: Es handelt sich um ein E-Bike.
Der Akku sei Borck gegönnt. Denn das Lastenrad wiegt satte 75 Kilo. Wie viele Kilos der Akku dann mit Carsten Borck auf dem Sattel noch zusätzlich bewegen muss, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.