Hassloch
Koalition befürchtet Ärztemangel
Mit einem Antrag an die Gemeindeverwaltung will die Koalition aus CDU, Grünen und FWG einen „weiteren Schritt zur Lösung des drängenden Problems der ärztlichen Versorgung in Haßloch“ unternehmen. Die Altersstruktur der niedergelassenen Haßlocher Ärzte lasse erkennen, dass sich in der kommenden Dekade bei zahlreichen Praxen die Frage nach Nachfolgelösungen stellen werde, heißt es zur Begründung.
In Gesprächen mit der Gemeindeverwaltung habe die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz mitgeteilt, dass im Planungsbereich Neustadt, zu dem Haßloch gehört, eine Unterversorgung mit Hausärzten bestehe. Wenn also Ärzte sich hier niederlassen wollten, könnten diese sofort eine Zulassung erhalten. Die Kassenärztliche Vereinigung biete der Gemeinde Haßloch hier eine enge Kooperation an.
13 freie Arztsitze im Planungsbereich Neustadt
Auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigt die Pressestelle der KV, dass es laut den Zahlen des halbjährlich aktualisierten „Niederlassungsmonitors“ im Planungsbereich Neustadt 13 freie Arztsitze (hausärztliche Versorgung) gibt. Das ist die höchste Anzahl in ganz Rheinland-Pfalz (zum Vergleich: Planungsbereich Landau: 3,5 freie Arztsitze, Bad Dürkheim: 4,5). Bei der fachärztlichen Versorgung dagegen besteht laut Statistik im Bereich Neustadt/Bad Dürkheim eine Überversorgung.
Zum Planungsbereich Neustadt gehören neben der Stadt Neustadt Haßloch, die Verbandsgemeinden Deidesheim und Lambrecht, Böhl-Iggelheim und Dannstadt-Schauernheim. Die Kassenärztliche Vereinigung habe keinen Einfluss darauf, in welcher Kommune eines Planungsbereichs sich ein Mediziner niederlassen will, sagte Pressereferent Stefan Holler.
Auf die einzelnen Kommunen heruntergebrochen, gibt es in Haßloch (Stand: 1. Januar 2020) insgesamt 30 Ärzte: zehn Hausärzte, 15 Fachärzte, fünf Psychotherapeuten. In Neustadt sind es insgesamt 146 Ärzte (36 Haus-, 90 Fachärzte, 20 Psychotherapeuten). In der Verbandsgemeinde Deidesheim praktizieren 12 Mediziner, in der VG Lambrecht zehn, in der VG Maikammer 13.
Aus der Altersstruktur-Statistik der KV geht auch hervor, dass in der Raumordnungsregion Rheinpfalz Hausärzte mit 57 Jahren im Schnitt älter sind als Fachärzte (54 Jahre) und Psychotherapeuten (55). Der Anteil der Ärzte im Alter von 60 Jahren und älter liegt demnach insgesamt bei 33 Prozent, unter den Hausärzten sogar bei 41 Prozent.
Ziel ist die Behandlung am Ort
Die Dreierkoalition hat beantragt, dass der Gemeinderat vor diesem Hintergrund einige Beschlüsse fassen soll. Die Verwaltung soll beauftragt werden, weitere intensive Gespräche mit allen Beteiligten zu führen. Alle Entwicklungen sollen erfasst und Lösungen erarbeitet und umgesetzt werden. Das Ziel müsse sein, dass Haßlocher Patienten möglichst viele Arztbesuche bei Haus- und Fachärztinnen und Ärzten vor Ort erledigen können. Ein Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung soll eingeladen werden und die Thematik im Gemeinderat erläutern, Dabei sollen Erfolgsrezepte aus anderer Kommunen vorgestellt werden. Auch Maßnahmen zur aktiven Werbung um Haus- und Fachärzte – zum Beispiel durch Kontaktaufnahme mit den Krankenhäusern in der Metropolregion – sollen im Anschluss geprüft werden.
Unbürokratische Lösung gefunden
Das Dreierbündnis begrüßt außerdem die Bemühungen der heimischen Arztpraxen, zukunftsfähige Lösungen und Nachfolgeregelungen zu finden. Auf unbürokratischem Weg sei es der Gemeinde Haßloch und der Kreisverwaltung Bad Dürkheim gelungen, einem in Haßloch nach eigenen Praxisräumen suchenden Hausarzt zu helfen. Der Arzt werde sich nun in Haßloch mit einer eigenen Praxis niederlassen und damit einen wichtigen Beitrag zur ärztlichen Grundversorgung in Haßloch leisten. Marcel Roßmann, Pressesprecher der Gemeinde, teilte auf Anfrage mit, dass es sich dabei um Dr. Lothar Hickmann handle, der bis zum Jahresende in der Gemeinschaftspraxis Kessler/Hickmann tätig sei und anschließend vorerst als Übergangslösung in die früheren Praxisräume von Dr. Schoppé in der Rösselgasse einziehen werde.
Die Fraktionsvorsitzenden Hans Grohe (CDU), Pia Werner (Grüne) und Stefan Klamm (FWG) loben die in Haßloch praktizierenden Mediziner, diese unterstützten die Bemühungen um ausreichende medizinische Versorgung vor Ort. Das zeigten sie immer wieder durch Aufnahme weiterer Ärzte in ihre bestehenden Praxen, die rechtzeitig den Nachwuchs einarbeiten und dauerhaft an Haßloch binden könnten. Diese Aktivitäten hätten bereits „Früchte getragen und ermuntern, auch auf diesem Wege weiterzugehen“.