Kreis Bad Duerkheim „Klage gegen Bahn denkbar“

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In einem „Quietsch-Tagebuch“ hat Otwin Schneider notiert, wie sich der Einsatz verschiedener Triebwagen bei unterschiedlichem Wetter auf den Lärmpegel auswirkt. Die Aufzeichnungen hat er an die Bahn geschickt, aber bislang keine Antwort erhalten. „Dass die Bahn sieben Wochen danach immer noch nicht auf die Daten und ihre Auswertung reagiert hat, passt ins bisherige Bild, die Fakten einfach zu ignorieren oder schönreden zu wollen. Ohne Druck passiert bei der Bahn gar nix“, ist sich Schneider sicher und verspricht: „Aber locker lassen werde ich nicht.“ Auch in Freinsheim wehren sich Bürger, die unmittelbar am Bahnhof leben, seit über einem Jahr gegen Quietsch-Geräusche im Zusammenhang mit den Lint-Zügen der Deutschen Bahn AG. Der Grünstadter steht unter anderem in direktem Kontakt mit dem für den Bahnverkehr zuständigen Referenten im rheinland-pfälzischen Verkehrsministerium. „Er war selbst schon zwei Stunden lang bei mir hier vor Ort und war entsetzt, wie laut das Quietschen tatsächlich ist, wenn die neuen Lint-Züge in den Grünstadter Bahnhof ein- oder von dort ausfahren.“ Wenn sich über die politische Schiene die Zuglärmsituation nicht verbessern lasse, „ist es durchaus denkbar, dass ich Klage gegen die Bahn einreiche“, sagt Schneider entschlossen. Der Rentner möchte sein nahe der Bahngleise gelegenes Haus mit Grundstück verkaufen und hat von einem Gutachter den Verkehrswert berechnen lassen – vor der Zug-Umstellung auf Lint-Modelle vor etwa einem Jahr. Schneider: „Was meinen Sie, wie die bisherigen Kaufinteressenten bei der Hausbesichtigung auf das Zugquietschen reagiert haben? Im Vergleich zu den früheren Rollgeräuschen durch die älteren Triebwagen ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Für die offensichtliche Wertminderung seiner Immobilie macht der Verwaltungsfachmann die Bahn verantwortlich, da wohl „schon bei der Ausschreibung der neuen Fahrzeuge entscheidende Fehler gemacht wurden, weil die Kriterien und/oder Anforderungen an die Fahrzeuge nicht konkret genug beschrieben worden“ seien. „Die Herstellerfirma hat somit alle im Vertrag gestellten Anforderungen erfüllt, für einen Regress-Anspruch der Bahn fehlt damit die Grundlage“, sagt Schneider. Ernsthafte Zweifel am wesentlich höheren Lärmpegel durch das hochfrequente Kreischen könnten nicht bestehen – nicht erst seit Bekanntwerden des durch die TU Berlin erstellten Lärmgutachtens zu neuen Lint-Fahrzeugen bei Freiburg, so Schneider. Dies habe die Bahn inzwischen mehr oder weniger bestätigt. Nach einem Gespräch von Vertretern der Bahn mit Lärmkritikern hatte Schneider zugesichert, über eine Woche ein detailliertes „Quietsch-Tagebuch“ zu führen und es den Beteiligten zukommen zu lassen. Das hat er auch getan. Darin hatte er versucht, mögliche Regelmäßigkeiten zu erkennen. „Bis auf die Tatsache, dass die Lint-Züge bei Regen nicht quietschen, hat sich nichts erkennen lassen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Dosierung des Hochleistungsschmierstoffs zu gering ist, mit dem die Schienen besprüht werden, sobald die Fahrzeuge in einen Kurvenbereich kommen.“ Einen unmittelbaren Zusammenhang, was das Quietschen betrifft, könne er dagegen weder bezüglich der Fahrtrichtung und -geschwindigkeit, noch hinsichtlich der Außentemperatur oder des Materials der Schwellen (Holz oder Beton) erkennen. Auch die Fahrzeugnummern hat Schneider notiert, um vielleicht anhand des Alters des Triebwagens Rückschlüsse auf die Quietsch-Intensität zu ziehen. Da er bislang keine Reaktion von Bahn-Vertretern zu seiner Dokumentation erhalten habe, könne man dazu nichts sagen. „Aber eigentlich braucht man da gar nicht groß Aufzeichnungen oder Gutachten. Wenn man zum Beispiel mal die neuen Triebwagen in Süddeutschland oder gar die fast lautlosen in der Schweiz gehört hat, kann man angesichts des Quietschens der modernen Züge bei uns nur den Kopf schütteln.“ Zu Schneiders Dokumentationen zählen auch Ton- und Videoaufzeichnungen des Zug-Quietschens. Durchaus denkbar ist somit nicht nur, dass Schneider gegen die Bahn klagt, sondern auch, dass mal bei einer Protestaktion die Fußgängerzone mit dem Metall-Kreischen in original Lautstärke beschallt wird. Mit diesem Gedanken spielen die Zuglärmgegner Klaus Heidenreich und Dieter Berzel aus dem Bitzenstraßen-Hochhaus. Damit könnte den Grünstadtern deutlich gemacht werden, dass es nicht um die „üblichen Rollgeräusche im Bahnhofsumfeld“ geht, sondern um „das Quietschen von Schrottfahrzeugen, die die Bahn da gekauft hat“, wie Schneider sagt und seine Unterstützung für die mögliche Fuzo-Aktion ankündigt.

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