Dirmstein RHEINPFALZ Plus Artikel Kita-Personal freut sich über Ratsentscheidung

Wegen des neuen Kita-Gesetzes benötigen viele Einrichtungen mehr Platz.
Wegen des neuen Kita-Gesetzes benötigen viele Einrichtungen mehr Platz.

In der Frage, wie es mit der kommunalen Kindertagesstätte Himmelszelt in Dirmstein weitergeht, hat der Gemeinderat ein Etappenziel erreicht. Jetzt ist klar, wie das Gebäude provisorisch umgebaut werden soll. Das in der Abstimmung knappe Ergebnis ist von der Kita-Belegschaft positiv aufgenommen worden.

Desiree Henrich und ihre Mitarbeiterinnen stehen am späten Dienstagabend vor dem Rathaus in Dirmstein und wirken erleichtert. „Wir sind froh über die Entscheidung“, sagt Henrich, die seit rund fünf Jahren die kommunale Kita Himmelszelt leitet. Das Personal hat die rund zweistündige Sitzung des Ortsgemeinderats verfolgt und zeitweise die Köpfe geschüttelt.

Im Sitzungssaal hatte ein krankheitsbedingt auf 16 Stimmberechtigte dezimiertes Gremium die Aufgabe, über die provisorische Kinderbetreuung in den kommenden Jahren zu entscheiden. Weil das Kita-Landesgesetz, das bereits seit 2021 gültig ist, umgesetzt werden muss, ist die Gemeinde nach wie vor auf der Suche nach einer Lösung. Eines der Hauptprobleme ist, dass ein vierter Gruppenraum her muss. Das Betreuungsangebot für einjährige Kinder beispielsweise kann Henrich zufolge derzeit nur in der Gerolsheimer Kita stattfinden. Das Jugendamt hat für ein zeitlich befristetes Provisorium am bestehenden Standort Affenstein, mit dem kurzfristig ein weiterer Raum geschaffen wird, aber längst nicht alle Anforderungen erfüllt werden, grünes Licht gegeben. Wie genau dieses Provisorium aussehen soll, darüber hat der Gemeinderat nun ein zweites Mal innerhalb von vier Wochen abgestimmt.

Bei der ersten Abstimmung Mitte September hatte es vielen Ratsmitgliedern an Einschätzungshilfen pädagogischer und finanzieller Natur gemangelt. Die Entscheidung für die kostengünstigste Variante fiel eher aus der Not heraus. Diese Einschätzungshilfen hat die Gemeindespitze nachgereicht und nun genauere Informationen zu pädagogischen Konzepten und Kosten vorgelegt. Zusätzlich gab es Mitte September für Ratsmitglieder einen Besichtigungstermin in der Kita.

Ortsbürgermeister Jens Schlüter (Initiative Dirmstein) warb bisher für die etwas teurere Variante des Provisoriums und verwies darauf, dass dies im Sinne des Kita-Personals sei. Schlüter zufolge stehen für das Projekt rund 60.000 Euro im Haushalt zur Verfügung. Die günstigere Variante eins würde der Gemeinde nach einer detaillierten Schätzung durch das Architekturbüro Kölsch und nach Abzug des förderfähigen Anteils etwa 61.800 Euro kosten. Variante zwei würde mit 76.500 Euro Eigenanteil über dem eingeplanten Budget liegen.

Trotz der Bemühungen seitens der Ortsspitze blieb die SPD-Fraktion am Dienstagabend auf dem Standpunkt, sich angesichts der Haushaltslage für die günstigste Variante auszusprechen – und kassierte dafür Kritik, unter anderem von Ratsmitglied Christoph Hedicke (ID). „Bei der Kita wurde jahrelang gespart“, sagte er, „dass man nun wieder ausgerechnet bei den Kindern sparen will, ist nicht mehr zu vermitteln.“ SPD-Mitglied Rita Rudolph entgegnete, es sei besser, jetzt beim Provisorium Geld zu sparen als später bei der finalen Lösung.

Schlüter verteidigte die Mehrausgaben damit, dass es auf der Einnahmenseite der Gemeinde erfreuliche Entwicklungen gebe, mit der dieser finanzieller Mehraufwand gestemmt werden könne. Er verwies auf die kommende Finanzausschusssitzung Ende Oktober.

SPD-Fraktionsvorsitzender Gunter Greulich führte neben dem finanziellen Aspekt auch ins Feld, dass bei Variante eins – der Gruppenraum würde in diesem Fall im Dachgeschoss des Hauptgebäudes geschaffen werden – alle Kinder im Hauptgebäude bleiben könnten, eine Auslagerung von Kindern für den Umbau der finalen Lösung sei dann nicht nötig.

Desiree Henrich durfte sich an dieser Stelle einschalten und sprach sich für Variante zwei aus – bei der wird das Nebengebäude so hergerichtet, dass dort ein Gruppenraum entsteht, im Dachgeschoss des Hauptgebäudes verbleibt der Personalraum. Sollte das Gebäude am Affenstein einmal komplett umgebaut werden und nicht nur provisorisch, müssten so oder so Kinder ausgelagert werden, so Henrich.

Dass die zwei Sitze der CDU leer blieben und ID sowie FWG nicht vollständig angetreten waren, machte die anschließende Abstimmung wohl knapper, als es in voller Ratsbesetzung der Fall gewesen wäre. Mit neun Jastimmen von FWG und ID bei sieben Neinstimmen von SPD und Grünen entschied sich der Rat für die teurere Variante zwei. Die Arbeiten dafür sollen wenige Monate in Anspruch nehmen.

Die Kita der Zukunft benötigt allerdings viel mehr als das. Laut Desiree Henrich sind ein eigener Sportraum, eine größere Küche, vier Gruppenräume und eine kleine Mensa notwendig, um die Gesetzesauflagen zu erfüllen. Dass all dies am aktuellen Standort Affenstein möglich ist, daran zweifelt Henrich aufgrund möglicher Denkmalschutzauflagen. Die aus Kita-Sicht beste und wegen mangelnder Flächen bis dato unwahrscheinlichste Variante wäre ein kompletter Neubau. Die Ortsgemeinde lässt derzeit noch prüfen, ob das Areal des evangelischen Pfarrheims für die Kita geeignet sein könnte. Im kommenden Jahr soll der vereinbarte Architektenwettbewerb starten, von dem man sich eine kreative Lösung erhofft. Auf welches Gebäude dieser Wettbewerb jedoch angewendet wird, weiß noch niemand.

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