Kreis Bad Duerkheim Kassenproblem bei Komba
Bei einer Versammlung Mitte März ist den anwesenden Mitgliedern des Komba-Orts- und Kreisverbands Frankenthal offenbar der Geduldsfaden gerissen: Einstimmig haben sie beschlossen, eine fünfköpfige Arbeitsgruppe zu bilden. Ihre einzige Aufgabe: Sie soll herausfinden, warum die Gewerkschaft – Sprachrohr vieler kommunaler Beamter und Angestellter der Stadtverwaltung Frankenthal – beim Landesverband mit 24.551,71 Euro in der Kreide steht. Das geht aus einem vergangene Woche an die örtlichen Mitglieder verschickten Informationsschreiben hervor, das der RHEINPFALZ vorliegt. Beantworten kann die zentrale Frage nach dem Verbleib des Geldes nur der Ortsvorsitzende Klaus Schreiber, gleichzeitig Chef des städtischen Personalrats. Davon sind zumindest die Unterzeichner des Briefs – sechs weitere gewählte Komba-Vorstandsmitglieder – überzeugt. Sie selbst seien „zu keiner Zeit“ über die „extrem desolate finanzielle Situation“ informiert gewesen. Dem Schreiben an die Mitglieder beigefügt ist eine Übersicht, die fein säuberlich auflistet, wann und in welcher Höhe zwischen November 2015 und März 2017 Beiträge an den Landesverband geflossen sind – und vor allem: wann nicht. Unter dem Strich stehen acht Monate, in denen der dem Landesverband zustehende Anteil der Mitgliedsbeiträge nie in Koblenz angekommen ist. Die eingangs erwähnten Außenstände beim Landesverband in Höhe von rund 25.000 Euro errechnen sich den internen Unterlagen nach wie folgt: Im genannten Zeitraum von 17 Monaten hätte Komba Rheinland-Pfalz aus Frankenthal rund 77.000 Euro bekommen müssen. Eingetroffen auf dem Landeskonto sind aber nur gut 52.000 Euro – planmäßig gut 40.000 Euro aus den Beiträgen und 12.000 Euro in Form mehrerer Abschlagszahlungen. Warum die über einen derart langen Zeitraum von fast anderthalb Jahren angehäuften Verbindlichkeiten beim Komba-Landesverband in Koblenz nicht früher bemerkt worden sind – zu dieser Frage möchte sich dessen Vorsitzender und Geschäftsführer Rolf Führ auf RHEINPFALZ-Anfrage nicht äußern. Er verweist auf „das laufende Verfahren“ und die Eigenständigkeit des Ortsverbands bei der Klärung des Problems. Es gebe insofern für ihn nichts zu bestätigen und nichts zu dementieren, sagt Führ und verweist auf den Chef der Komba Frankenthal. Der wiederum lehnt eine Stellungnahme gegenüber der RHEINPFALZ am Dienstag telefonisch ab, droht im Falle einer Berichterstattung mit rechtlichen Schritten und lässt einen ihm anschließend per E-Mail übermittelten Katalog mit zehn Fragen bis Mittwochabend unbeantwortet. Schreiber steht, so legt es der Rundbrief seiner Vorstandskollegen nahe, unter Druck: „Um strafrechtlich relevante Vorgänge auszuschließen“, fordert das Sextett die Vorlage aller Kontoauszüge seit Januar 2015, aller Belege sowie des letzten geprüften Abschlusses aus dem Geschäftsjahr 2014. Man wolle Schaden „von einzelnen Personen sowie der gesamten Organisation“ fernhalten, heißt es in dem Schreiben. Schließlich habe Komba Frankenthal noch vor wenigen Jahren „über hohe Rücklagen“ verfügt. Das Zustandekommen der Verbindlichkeiten sei insofern „dringend und umfassend“ aufzuklären. Richtig rund läuft die Zusammenarbeit innerhalb des Vorstands und des 450 Mitglieder starken Ortsverbands offenbar schon länger nicht mehr: Der Information an die Mitglieder ist zu entnehmen, dass der Vorsitzende und sein Stellvertreter seit 2014 und bis zuletzt keine Mitgliederversammlungen mehr einberufen haben. Bis auf ein Treffen am 8. März dieses Jahres habe es in den zurückliegenden 24 Monaten keine Vorstandssitzungen gegeben. Seit 2015 soll zudem die Komba-Kasse nicht mehr geprüft worden sein. Auch hierzu war Schreiber auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit. Allerdings hat er bei der Sitzung am 8. März seinen Vorstandskollegen Rückstände in Höhe von 8000 bis 8500 Euro mitgeteilt. Vorsitzender Schreiber, der nach bisherigem Stand satzungsgemäß weiter die Geschäfte des Frankenthaler Orts- und Kreisverbands führt, sei „mehrfach von verschiedenen Personen“ auf die vorgenannten Versäumnisse angesprochen worden. Wie es bislang scheint: vergeblich. Die Informationen über die Zahlungsrückstände will die Gruppe, die sich nun um Aufklärung bemüht, vom Schatzmeister des Komba-Landesverbands direkt bekommen haben. Der Sprecher der Gruppe, Sven Maschur, möchte öffentlich aber nicht über die Vorgänge und ihren Hintergrund spekulieren. „Dies wäre nicht seriös; demzufolge ist abzuwarten, bis die Überprüfungen vollumfänglich abgeschlossen sind“, schreibt Maschur auf RHEINPFALZ-Anfrage in einer E-Mail.