Deidesheim / Wachenheim
„Kanne“ soll verkauft werden
Das stattliche Gebäude, ein Barockbau, ist im 18. Jahrhundert entstanden. Doch die Geschichte der „Kanne“ geht zurück bis ins Mittelalter. Schon im 12. Jahrhundert war an der Stelle eine Herberge. Das Wachenheimer Weingut Bürklin-Wolf kam Anfang der 1950er-Jahre ins Spiel. „Mein Vater kaufte es zusammen mit der Familie Brune aus Heidelberg“, erzählt Weingutschefin Bettina Bürklin-von Guradze. Bis 2016 wurde das gemeinsame Haus als Gaststätte verpachtet. Doch im Vorfeld der Umwandlung der Gaststätte in eine Vinothek zog der Miteigentümer sich zurück. Das Weingut Bürklin-Wolf ist seither alleiniger Eigentümer. „Wir wollen neue Wege gehen und sind zuversichtlich, dass das Konzept erfolgreich sein kann“, erklärte Bürklin-von Guradze damals.
Doch so richtig rund lief es seither in der Weinstraße 31 nicht. Zwei Pächter versuchten ihr Glück, letztlich ohne Erfolg. Seit Ende 2018 nun steht das Haus leer. „Wir haben intensiv gesucht, aber niemanden gefunden, der uns überzeugt hat“, sagt Bürklin-von Guradze. Als Fehler sieht sie die Abkehr von der Vollgastronomie dennoch auch im Rückblick nicht an. „Das Konzept war gut, aber vielleicht waren wir unserer Zeit einfach ein bisschen voraus“, sagt sie.
Die Trennung von dem Objekt falle ihr nicht leicht, weil das Haus lange in Familienbesitz war. Dennoch sei sie überzeugt, dass der Schritt notwendig sei, betont Bürklin-von Guradze. Auch beim Teehaus in Ruppertsberg, das nach einem Brand 2014 von einem Förderverein übernommen worden war, habe es sich als richtig erwiesen, das Eigentum aufzugeben.
Das Unternehmen wolle es sich nun wieder ganz auf den Standort Wachenheim konzentrieren, betont Bürklin-von Guradze. Zumal die Vinothek im Englischen Garten in Wachenheim „sehr gut“ angenommen werde. „Das Konzept ist einmalig und war vom ersten Tag an eine Erfolgsgeschichte“, heißt es in einer Pressemitteilung. Neben der Weinverkostung würden dort von Mai bis Oktober einmal im Monat auch Gerichte angeboten. Vinothek und Englischer Garten seien außerdem beliebte Orte für die verschiedensten Veranstaltungen.
Die Frage eines möglichen Verkaufs „gäre“ bereits seit einigen Monaten, sagt die Weingutschefin. Den Hauptgrund für die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Betreiber sieht sie in den Personalproblemen der Gastronomie. Mit der Corona-Pandemie habe die Entscheidung überhaupt nichts zu tun.
Inzwischen seien erste Gespräche mit Maklern geführt worden. Das Haus werde aber noch nicht auf dem Markt angeboten.
Zur Sache: „Kanne“ als Vinothek
Als Vinothek öffnete die „Kanne“ am 6. Dezember 2016 mit Sommelier Thomas Glas. In den Umbau hatten die Besitzer nach eigenen Angaben 300.000 Euro gesteckt. Zuvor war das Haus über zehn Jahre von Florian und Karin Winter betrieben worden.