Deidesheim
Junge Deidesheimerin erfolgreich bei Verkostungswettbewerb
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Engagement ihrer Eltern Susanne und Kirk erleichterte Jana Bauer ihre berufliche Entscheidung für den Wein. So begann sie nach dem Abitur am Gymnasium Edenkoben ihre Ausbildung zur Winzerin. Zunächst im Staatsweingut im württembergischen Weinsberg und derzeit beim Bio-Weingut Heiner Sauer in Böchingen. Einen Schritt, den sie bisher keinesfalls bereut hatte.
Im Gegenteil: Sie ist noch tiefer in die Materie eingestiegen, denn schon als junges Mädchen mit 16 Jahren zeigte sie Interesse am Wein und ließ auch keine Gelegenheit aus zu probieren. „Das hat sich bei mir so ergeben, da Papa und Mama mit dem Wein beruflich zu tun haben, und wir zu Hause immer mal wieder das Riechen und Schmecken der Aromen geübt haben“, erzählt die junge Frau. „Papa fragte mich immer wieder, was könnte es für eine Rebsorte sein?“. Sie nutzte diese Gelegenheiten, führte immer wieder ihre Nase ins Stil-Glas, ermittelte die Aromen und testete sie.
Leidenschaft für Sensorik
Inzwischen kennt sie die stilistischen Eigenschaften der jeweiligen Rebsorten rund um den Globus. „Das ist so spannend“, sagt Bauer. Ihre Leidenschaft gehört der Sensorik. Probieren, testen, beurteilen, darum geht es. Dabei beschränkt sich die junge Frau, die auch fließend Englisch und Französisch spricht, nicht ausschließlich auf deutsche Weine. Ein Grund, weshalb die in Deidesheim lebende und angehende Winzerin spätestens im Herbst ihre berufliche Karriere an der Fachhochschule in Geisenheim im Rheingau mit dem Studium der Önologie fortsetzen wird.
Auch wenn ihre große Liebe der Sensorik gilt, ist sie froh, zunächst eine Ausbildung zur Winzerin angetreten zu haben. „Ich war zuvor noch nie zum Arbeiten in einem Weinberg. Mein Ziel ist es, die Basis des Weinbaus sowohl in den Weinbergen als auch im Keller kennenzulernen“, erklärt Bauer. „Da hatte ich bisher keine Ahnung“.
Aromen zusammenführen
Mit ihrem Chef und einer weiteren Auszubildenden hat sie zuletzt Weißburgunder und Sauvignon Blanc cuvetiert. Aus sechs Fässern galt es, zwei Gebinde zusammenzuführen. Dabei musste sie zunächst die einzelnen Weine probieren, testen und beurteilen, ehe das weitere Vorgehen abgestimmt wurde. „Hier gilt es, die vielen Aromen der Weine zusammenzuführen. Dafür werden die Weine auch so vielfältig ausgebaut“, erzählt Bauer.
Das setze auch Grundkenntnisse bei den Aromen der jeweiligen Weine voraus. „Dabei können einem Sensorik-Seminare helfen, aber das Wichtigste ist einfach immer wieder zu probieren und die Weine zu beschreiben.“ Nach dem ersten Eindruck in der Nase müsse man erkennen, ob es sich um eine Frucht wie Apfel, Kirsche oder Stachelbeere handelt, um etwas Florales, Kräutiges oder um etwas Mineralisches. Nur so könne man den Wein erfassen. „Durch die ständige Übung bekommt man auch ein Gefühl für die jeweiligen Sorten“, so die Deidesheimerin.
Mit Bravour bestanden
Beim Verkostungswettbewerb in Paris gehörte sie als eine von zwei deutschen Teilnehmern zum Kreis der 28 jungen europäischen Verkoster. Dabei galt es zunächst, in zwei Runden ausschließlich französische Weine zu erkennen, zu beschreiben und den jeweiligen Jahrgang der Weine zu ermitteln. Eine Aufgabe, die die junge Frau aus Deidesheim mit Bravour bestand und dabei die Führung bei diesem Wettbewerb übernahm. „Das hat mich schon sehr überrascht“, erzählt Bauer.
Dabei blieb es auch in der zweiten Runde, wo weitere vier Weine zu beurteilen waren. Somit stand sie im Finale der besten drei europäischen Jungwinzer. Auch dort bewies sie vor der Jury ihr Fachwissen und musste erst bei der letzten Frage einem Kollegen aus der Schweiz den Vortritt lassen. Bei einem Vin de Paille, einem Süßwein aus dem französischen Jura, konnte sie die Aromen – Mandel, Honig und etwas Holunderblüte – und auch den Ausbau im Holzfass richtig erkennen, jedoch die Rebsorte und Appellation dieser Spezialität nicht genau definieren.
Traurig war sie am Ende keinesfalls. Im Gegenteil: Sie bekam von der internationalen Jury sehr viel Anerkennung für ihre detaillierte und kenntnisreiche Beschreibung. „Es hat auch wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich habe noch mehr Lust zum Verkosten bekommen“, brachte es Bauer auf den Punkt. Man spürt einfach ihre Leidenschaft für das, was sie tut.