Kreis Bad Duerkheim Große Themen beherrschen Gala-Abend

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Irgendwas war anders als üblich am Freitagabend im Großen Saal des Kurhauses. Dieses Gefühl mag viele beschlichen haben, die zur 41. Verleihung des Ordens „Goldener Winzer der Stadt Bad Dürkheim“ gekommen waren. Der Raum war zum 66-jährigen Bestehen des Karnevalsvereins gut gefüllt wie immer, der festliche Rahmen unverändert, die Führungsriege der Derkemer Grawler wie so oft bis ins Detail gut vorbereitet. Und doch war es nicht zu jedem Zeitpunkt ein „Festival der Freude“, wie Ordensträger Peter Hahne es im Vorfeld seinem nunmehrigen Ordensbruder Karl Kardinal Lehmann prophezeit hatte.

„Große Themen, kleine Welt“ – so möchte man als Beobachter den Abend zusammenfassen. Es mag Zufall sein, dass die Derkemer Grawler ausgerechnet zu jener Stunde ihren Ordensträger feierten, als in Frankreich der Kampf gegen die Auswüchse extremistischen Terrors ihren Höhepunkt erreichte. Die Vorgänge dort lagen wie ein schwerer Schleier über dem Abend. Bürgermeister Lutz kam nicht umhin, bei der Begrüßung im Rathaus diesen traurigsten Aspekt des Tagesgeschehens anzusprechen. Hier saß er nun: einer der beliebtesten und bedeutendsten Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Und irgendwie hätte man in dieser Stunde gerade von ihm gerne eine Einschätzung, eine Erklärung, einfach eine seiner intellektuell brillanten Einlassungen gehört. Eben zum Verhältnis zwischen Christentum und Islam in Europa. Dies jedoch war nicht das Thema des Abends, das doch eigentlich „Goldener Winzer“ hieß. Horst Seitz, Sitzungspräsident der Derkemer Grawler, zeichnete den Lebensweg des Kardinals nach. Er sprach von der „königlichen Freizügigkeit“, die ihm seine Eltern in der Jugend gewährt hätten, erinnerte an dessen Begegnung an der Freiburger Universität mit Martin Heidegger, einem der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts in Deutschland, und würdigte den wissenschaftlich-theologischen Weg, der als Prof. Dr. Dr. und Bischof von Mainz sowie als Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Kardinal endete. Wolfgang Lutz sagte: „Herr Kardinal, Ihnen ist man in Deutschland gefolgt.“ Es sei eine große Ehre, dass er da sei. Lutz begrüßte an dieser Stelle auch den ehemaligen Astronauten Ulf Merbold, der 1987 Goldener Winzer geworden und nun zu Ehren Kardinal Lehmanns erneut zu Gast war. Merbold sei vielleicht näher am Himmel, aber Kardinal Lehmann näher beim lieben Gott, so Lutz unter dem Applaus der Gäste im Kursaal. Große Themen, kleine Welt, dachten womöglich einige bei sich. Hier der Physiker, der sich die Welt zunächst über die Naturwissenschaft erklärt, dort der Mann der Kirche, der von der Schöpfung Gottes spricht. Und beide im Dürkheimer Kurhaus. Wer wäre nicht gerne Zeuge eines längeren Gesprächs dieser beiden über „Gott und die Welt“. Auf die Frage der RHEINPFALZ, ob er an Gott glaube, antwortete Merbold, dass er das bei Gelegenheit mit dem Kardinal besprechen müsse. Er habe erlebt, dass die Erde ihre Größe verliere, wenn man aus dem Weltraum auf sie blicke. Einig war er mit dem Kardinal, dass es die Pflicht des Menschen ist, die Schöpfung zu bewahren. Der Gewürdigte bedankte sich für die Laudatio und kam in seiner recht ernst vorgetragenen Replik auf den Wein und dessen diverse Bedeutungen in der Heiligen Schrift zu sprechen. Die Bibel sei eine ganze Kulturgeschichte des Weines. Damit warnte er gleichermaßen vor den Gefahren, wie er auch hervorhob, dass der Wein das Leben erfreuen könne. Ganz ohne Wein, aber mit einer tollen Stimme konnte Marike Senft erfreuen. „Meine Lippen, die küssen so heiß“ aus der Operette Giuditta von Franz ĹLehár sang die Dürkheimerin auch für Kardinal Lehmann. Große Themen, kleine Welt ...

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