Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Grünen-Politikerin Ruth Ratter feiert am Donnerstag ihren 65. Geburtstag

Ruth Ratter im April 2019.
Ruth Ratter im April 2019.

Ruth Ratter hat Politik auf allen Ebenen bis zur Landespolitik gestaltet. Angefangen hat alles mit dem 1988 gegründeten Verein „Mittelhaardter gegen Fluglärm“. 1994 trat sie den Grünen bei, für deren Ziele sie seither kämpft. Am Donnerstag wird die streitbare Demokratin und ehemalige Lehrerin 65 Jahre alt.

Wie gut, dass ein großes Fest gar nicht geplant war. So ist Ruth Ratter völlig entspannt mit Blick auf ihren Geburtstag. Gewiss, es wird eine Menge Menschen geben, die ihr gratulieren wollen. „Ich gehe davon aus, dass jeder vorher anruft, damit ich das ein bisschen steuern kann“, sagt sie.

Wenn sie heute zurückblickt auf ihren beruflichen und politischen Werdegang, so erfüllt sie das mit Zufriedenheit. „Es hatte alles seine Zeit“, sagt sie. Die Jahre als Lehrerin für Deutsch und Ethik am Kurfürst-Ruprecht Gymnasium Neustadt, die Zeit im Verbandsgemeinderat, im Kreistag, im Landtag, im Bezirkstag und schließlich, seit vergangenem Jahr, im Stadtrat Deidesheim. „Ich habe jetzt die kleinste Einheit aufgesucht, das hat mir noch gefehlt“, erklärt sie.

„Grundrechte nicht gegeneinander ausspielen“

Ratter sagt das in keiner Weise flapsig, dazu ist es ihr zu wichtig. Die Demokratie in allen Bereichen funktionsfähig und lebendig zu halten, war ihr immer ein ganz großes Anliegen. Umso mehr betrachtet sie die derzeitige Krise mit großer Sorge: „Grundrechte dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagt sie mit Blick auf die kontroverse Debatte über die Balance zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Schutz der Grundrechte. Es ist ihr deshalb wichtig, dass beispielsweise im Bezirksverband, in dem sie Mitglied ist, Entscheidungen nicht einfach vom Ältestenrat getroffen werden, sondern dass die Fraktionen einbezogen werden. „Das ist praktikabel.“

Ihre politischen Wurzeln hat Ratter im Verein „Mittelhaardter gegen Fluglärm“, als dessen Sprecherin sie gegen militärische Tiefflüge über die Pfalz kämpfte. Doch bald war ihr klar, dass sie dafür „ernsthafte Unterstützung nur aus den Reihen der Grünen bekam“, wie sie einmal sagte. 1994 trat sie der Partei bei.

Großes Thema der 90er Jahre: die IGS

Eines ihrer großen Themen in der 90er Jahren: der Kampf für die Integrierte Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim. 2008 ging die Schule an den Start und Ratter ist überzeugt: „Das hätten wir zehn Jahre früher haben können.“ Und sie bedauert, dass gemeinsames Lernen noch immer eher die Ausnahme sei. „Unser Schulsystem spaltet die Gesellschaft“, kritisiert sie. Es sei zwar durchlässiger geworden, aber noch immer kein Instrument zur Förderung des sozialen Friedens.

Wie beim Thema IGS seien die Grünen auch bei Umweltthemen „ihrer Zeit immer ein Stück voraus“, sagt Ratter. Ihre große Sorge ist, dass die Klimaschutzdiskussion wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zurückgedrängt wird. Doch wie drängend der Klimaschutz sei, zeige ihr schon ein Blick in den eigenen Garten: „Die Vegetation ist viel weiter als üblich, der Boden ist steinhart, und unsere Regenwassertanks sind ziemlich leer.“ Und doch gebe es schon Stimmen, die forderten, die Maßnahmen zum Kohleausstieg zurückzustellen. „Das darf nicht passieren“, sagt Ratter energisch.

Einsatz in der Kultur- und Gedenkarbeit

Am Herzen liegt der Oberstudienrätin auch die Kultur- und Gedenkarbeit. Seit 2017 ist Ratter Bundesvorsitzende von Givat Haviva Deutschland, ein Verein zur Unterstützung eines Bildungszentrums in Israel, das sich für die jüdisch-arabische Verständigung einsetzt.

Sie sei ja nicht mehr berufstätig, sagt Ratter mit Blick auf ihre zahlreichen Ehrenämter. Langweilig dürfte ihr also auch in Zukunft nicht werden. Doch inzwischen nimmt die Deidesheimerin sich auch „Auszeiten“. Beispielsweise für ausgiebige Spaziergänge mit Hündin Bonny.

Ruth Ratter 2011, als ihr der Einzug in den Landtag gelang.
Ruth Ratter 2011, als ihr der Einzug in den Landtag gelang.
Ruth Ratter 2015.
Ruth Ratter 2015.
Ruth Ratter im Jahr 2000 als Grünen-Fraktionschef im Kreistag.
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