Friedelsheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Größtes Klimaschutzprojekt des Kreises“

Bernd Lache, technischer Leiter des AWB an der neuen Anlage auf der Deponie.
Bernd Lache, technischer Leiter des AWB an der neuen Anlage auf der Deponie.

Auch wenn die Corona-Pandemie gerade den Alltag bestimmt, dürfen andere wichtige Themen nicht aus dem Blick geraten. Der Klimaschutz zum Beispiel. Dafür hat der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Bad Dürkheim auf der ehemaligen Deponie in Friedelsheim eine neue Anlage errichten lassen.

Diese sogenannte RTO-Anlage (kurz für: Regenerative Thermische Oxidation) sorgt dafür, dass der Methanausstoß bei der Deponie nahezu gestoppt wird. „Das ist das größte Klimaschutzprojekt des Kreises“, sagt dazu Bernd Lache, technischer Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB). Zugleich ist der AWB damit Vorreiter im Land. „In Rheinland-Pfalz gibt es nur vier solcher Projekte und zwei davon machen wir“, sagt Lache. Nach Friedelsheim ist die Deponie Ellerstadt an der Reihe.

In jeder Mülldeponie strömt Deponiegas, vor allem Methan aus. Dieses Gas ist 28-mal klimaschädlicher als CO 2 . In Friedelsheim gibt es bereits ein Entgasungssystem, das aus den schädlichen Gasen Strom gewinnt. Da aber die Methan-Konzentration sinkt, arbeiten die Motoren nicht mehr effizient.

Anlage kostet 660.000 Euro

2018 hat der AWB eine Potenzialstudie in Auftrag gegeben, die das Entgasungssystem bewertete. Heraus kam: Für die Motoren können nur die der rund 50 Gasbrunnen der Deponie geöffnet werden, bei denen die Methan-Konzentration hoch ist. Bei den Brunnen mit geringer Konzentration entweicht das Methan ungenutzt. Das ändert sich nun mit der 660.000 Euro teuren Schwachgasbehandlungsanlage, die vergangene Woche auf der Deponie aufgestellt wurde. Vorarbeiten mit zu verlegenden Leitungen und erneuerten Verteilerstationen liefen seit Januar. Zudem wurde das Gaserfassungssystem für 400.000 Euro ertüchtigt.

Nach und nach werden nun die zu Bauzeiten geschlossenen Gasbrunnen wieder geöffnet. Nun kann getrennt werden in „Gutgas“ als Stromlieferant und „Schwachgas“. Letzteres gelangt in der Anlage in einen großen Zylinder voller Keramikkügelchen. Die müssen beim Hochfahren auf 1000 Grad Celsius erhitzt werden. Ist der Zylinder einmal aufgeheizt, sorgt der flammenlose Verbrennungsprozess des Methans dafür, dass die Temperatur ohne zusätzliche Energiezufuhr gehalten wird. Die entstehende Wärme wird außerdem künftig per Nahwärmeleitung alle Gebäude auf dem Deponiegelände heizen. An die Atmosphäre wird nur noch CO 2 und Wasser abgegeben. Aufgeheizt wurde die Anlage seit Samstag, Ende dieser Woche soll sie komplett laufen, wobei der Prozess immer wieder überprüft und nachgesteuert wird, erklärt Lache.

Projekt von Umweltministerium gefördert

Das Projekt wird von der nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesumweltministeriums gefördert. Den Zuwendungsbescheid des NKI über 450.000 Euro hat der AWB schon erhalten. Eigentlich hätte die Anlage im Frühjahr eingeweiht werden sollen. Eine Feierstunde ist – und da sind wir doch wieder bei Corona – derzeit nicht möglich. Das hält die Anlage aber nicht davon ab, nun etwas für den Klimaschutz zu tun.

Was unspektakulär klingt und aussieht, ist effektiv, wie Zahlen belegen: Der AWB rechnet damit, bis zum Jahr 2043 110.000 CO 2 -Äquivalente einzusparen, die dank der neuen Anlage nicht in die Atmosphäre gelangen. Das entspricht der Umrüstung von mehr als 30.000 Straßenlaternen auf LED-Beleuchtung. Oder in Geldwert ausgedrückt: Laut Umweltbundesamt erzeugt eine Tonne CO 2 Umweltschäden in Höhe von 180 Euro. Mit der Maßnahme in Friedelsheim können somit Umweltschäden in Höhe von 19.800.000 Euro verhindert werden.

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