Kreis Bad Duerkheim Glückliches Missgeschick

15 Jahre Partnerschaft zwischen den Landkreisen Bad Dürkheim und Kluczbork haben am Sonntag Vertreter von Kreistag und Kreisverwaltung mit einer hochrangigen Delegation polnischer Kollegen gefeiert. In der Lutherischen Kirche Wachenheim ließen sie die Jahre Revue passieren.
Als „vielleicht wichtigste Person“ in der Festgesellschaft bezeichnete der Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld gleich zu Beginn allerdings einen seiner Vorgänger: Georg Kalbfuß hatte im März 2000 zusammen mit seinem polnischen Kollegen Stanislaw Rakoczy im Hambacher Schloss die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Eigentlich als Folge eines „glücklichen Missgeschickes“, wie Ihlenfeld erzählte. Bei der Verteilung der polnischen Landräte auf die Pfälzer Kreise sei Rakoczy nämlich vergessen und von Kalbfuß kurzerhand als Zusatzgast mitgenommen worden. Nachdem der ursprünglich anvisierte Partner beim Abendessen dann gestand, einem industriell geprägten Kreis in Nordrhein-Westfalen den Vorzug geben zu wollen, habe der damals „Vergessene“, der heute in Polen auf Ministeriumsebene Verantwortung trägt, die Schönheiten der Pfälzer Landschaft gepriesen und einen Beschluss seines Kreistages für die Partnerschaft aus der Tasche gezogen. Aus Sicht von Ihlenfeld war diese erste Partnerschaft zwischen einem Landkreis aus Rheinland-Pfalz und der Republik Polen insofern „etwas Besonderes“, als damit eine neue Phase der Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene begann, vor allem aber als „politisch positives Signal “ zur Bedeutung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen. „Gerade solche kommunalen Partnerschaften sind der Motor für das weitere Zusammenwachsen zwischen West- und Osteuropa“, zeigte er sich überzeugt und ebenso davon, dass es die Bürger seien, „die die Partnerschaft mit Leben füllen“. Im Landkreis bestünden mittlerweile fünf kommunale Partnerschaften. Dazu kämen fünf Schulpartnerschaften, ein reger Austausch im Rahmen von Jugendarbeit und Feuerwehren sowie „Dinge, die wir füreinander tun“: Für den kleinen Matheusz Szurmak sei in Haßloch eine Spendenaktion initiiert worden; und auf der Suche nach einem Stammzellenspender für die verstorbene Landrätin Sabine Röhl habe auch in Kluczbork eine Typisierungsaktion stattgefunden. „Wir hatten Glück mit den Menschen“, bestätigte der Landrat aus Kluczbork, Piotr Pospiech. Auf beiden Seiten der Grenze hätten sich um die Jahrtausendwende Menschen gefunden, die sich für die deutsch-polnische Partnerschaft einsetzen wollten. Er blickte zurück auf die wirtschaftliche Lage Polens damals. Bei aller Freude über die erkämpfte Freiheit – sofort sei diese noch gar nicht zu füllen gewesen. Es habe viel Arbeit geleistet werden müssen, „um wirklich zu Europa zu gehören“. Die heutige Zusammenarbeit auf organisatorischer Ebene habe vor 15 Jahren mit Begegnung und Freundschaft begonnen, betonte er und wurde in dem Bestreben, diesem Vorbild zu folgen, von Ihlenfeld bestärkt: „Ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam noch vieles erreichen!“ Als Erinnerung und Symbol der gemeinsamen Tradition des Kampfes für Freiheit und Frieden in Europa überreichte er dem Kollegen ein Bild des Hambacher Schlosses. Die kraftvollen Stimmen der jungen Sängerinnen aus dem Kulturzentrum Kluczbork wiederum, deren mitreißende Liebeslieder für die musikalische Umrahmung der Feierstunde sorgten, schienen Pospiechs Wunsch gewissermaßen in die Zukunft hinein zu unterstreichen: „Die Menschen werden sich ändern, aber die Partnerschaft bleibt hoffentlich noch lange – das wünsche ich Ihnen und uns!“ (gel)